Grosszügige Schenkung der Familie Gugelmann

| Mi, 10. Jul. 2019
Die Familie Gugelmann mit Dagmar Kopše (Dritte von links), Kulturbeauftragte der Stadt Burgdorf, und Stefan Berger (Fünfter von links), Stadtpräsident.

BURGDORF: Die Kunstsammlung der Stadt Burgdorf wird um zwei wunderbare Ölgemälde des Malers Samuel Hieronymus Grimm erweitert. zvg

 

Zwei Bilder des Burgdorfer Malers Samuel Hieronymus Grimm (1733 – 1794) befinden sich seit einigen Tagen im Besitz der Zähringerstadt: Stadtpräsident Stefan Berger durfte die beiden interessanten Ölgemälde, welche die Stadt Burgdorf samt dem Schloss aus unterschiedlicher Perspektive, von Norden und von Süden her zeigen, als eine Schenkung der Familie Gugelmann aus Langenthal entgegennehmen. Berger zeigte sich hocherfreut über die grosszügige Spende, welche nun die städtische Kunstsammlung um zwei wunderbare Schlossansichten aus dem 18. Jahrhundert bereichert: «Eine solche Gabe ist alles andere als alltäglich und keineswegs selbstverständlich. Die Stadt Burgdorf ist sehr dankbar. Die beiden Bilder kehren nun wieder in ihre Heimatstadt zurück – an den Ort, an dem sie vor über 250 Jahren entstanden sind.»
Die Familie Gugelmann erwarb die Frühwerke des versierten Malers Grimm im Jahr 1942 in einer Galerie. Erst vor Kurzem wurde den Besitzern bewusst, dass auf den Bildern die Stadt Burgdorf zu sehen ist. Den entscheidenden Hinweis lieferte ihnen die Lektüre der Biografie «Samuel Hieronymus Grimm of Burgdorf in Switzerland» von Rotha Mary Clay, erschienen im renommierten Verlag «Faber and Faber Limited» in London im Jahr 1941. Darin sieht man eine schwarz-weiss Reproduktion von einem der Bilder mit der Ortsbezeichnung Burgdorf. Für die Familie Gugelmann war damit klar, dass die Gemälde in die Zähringerstadt gehören und dort wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein sollen.

«Geist ist es, was diese Bilder adelt»
Weitere Informationen, wo sich die Gemälde vor 1942 befanden, enthält der Aufsatz «Burgdorf im Bilde» von Dr. Fritz Lüdy-Tenger im «Burgdorfer Jahrbuch 1940». Dieser schreibt: «Zwei ebenso originelle wie kunsthis­torisch interessante Ölbilder, signiert mit S. H. Grimm, datiert mit 1763, sind durch die für Burgdorf und seine Geschichte so bedeutsame Familie Schnell der Nachwelt sorgsam aufgehoben worden. Die Bilder befinden sich heute im Besitz von Frau Therese Schnell-Schönholzer.» Kurz nach Erscheinen des Aufsatzes wechselten die Werke von Grimm also die Besitzer. Lüdy-Tenger würdigte das Schaffen von Grimm in seinem «Jahrbuch»-Beitrag mit Reproduktionen beider Gemälde mit folgenden Worten: «Es liegt über beiden ein seltsam duftiger Zauber ausgebreitet. […] Nicht Technik, Geist ist es, was diese Bilder adelt.» Über die Ansicht der Stadt Burgdorf von Süden her schreibt er: «Auch dieses Bild ist ein reizvolles, freiempfundenes Werk, das man nicht mehr vergessen kann, wenn man es einmal im Original hat vor Augen sehen dürfen.»

Hinwendung zur Malerei und Dichtkunst
Samuel Hieronymus Grimm, ein Neffe des Malers Johann Grimm, kam am 18. Januar 1733 in Burgdorf als Sohn des Johann Jakob Grimm, Notars und Vogts zu Lotzwil, und der Katharina Leuw zur Welt. Früh verlor er seinen Vater. Er absolvierte eine Ausbildung zum Kaufmann, interessierte sich allerdings bereits in jungen Jahren für die Malerei und Dichtkunst. Verständnisvolle Gönner und Unterstützer förderten seine musische Begabung und ermöglichten es ihm, den ungeliebten kaufmännischen Beruf aufzugeben und eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Grimm erhielt Unterricht von Johann Ludwig Aberli in Bern und konzentrierte sich zunächst in erster Linie auf Landschaftsdarstellungen. Gemeinsam mit Aberli illustrierte er das im Jahr 1760 erschienene Buch «Die Eisgebirge des Schweizerlandes» des Naturforschers Gottlieb Sigmund Gruner. 1762 publizierte Grimm einen Gedichtband, der inhaltlich und stilistisch stark an Albrecht von Haller erinnerte.

In England avancierte Grimm zu einem der populärsten Maler
Bald darauf verliess der Burgdorfer die Schweiz und siedelte nach Paris über, um sein grosses zeichnerisches Talent weiterzuentwickeln. 1768 wanderte er nach England aus, das bis zu seinem Tod seine Wahlheimat blieb. Dort schuf er sich als Topograf, Illustrator und Aquarellist einen Namen und avancierte zu Lebzeiten zu einem der erfolgreichsten und populärsten Künstler. Von einflussreichen Persönlichkeiten und Gönnern erhielt er zahlreiche Aufträge. Er malte  Landschaftsbilder von beeindruckender Schönheit, Aquarelle von alten Gebäuden und verfallenen Ruinen, schuf aber auch Karikaturen, in denen er mit scharfer Beobachtungsgabe und beissendem Spott Verhaltensweisen der englischen Bevölkerung, herrschende Modesitten oder politische Themen aufs Korn nahm. Grimm hinterliess ein gigantisches Oeuvre. Während in zahlreichen Museen in England und Amerika Bilder des Burgdorfers zu sehen sind, geriet er in der Schweiz rasch in Vergessenheit. Erst eine Ausstellung im Kunstmuseum in Bern im Jahr 2014 rückte ihn wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.
Es bleibt zu hoffen, dass die Burgdorfer Bevölkerung schon bald die Gelegenheit erhält, die beiden der Zähringerstadt geschenkten Ölgemälde zu bestaunen. «Wir finden garantiert einen geeigneten Platz», versichern Stadtpräsident Berger und Dagmar Kopše, die Kulturbeauftragte der Stadt Burgdorf.

Markus Hofer

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