Können wir die Energiewende schaffen?

| Mi, 11. Sep. 2019

OBERBURG: Rund 140 Personen verfolgten Argumente und Vorschläge betreffend Klimawandel. zvg

Im grossen Saal des Grossspeicherbaus von Jenni Energietechnik in Oberburg diskutieren drei Fachleute den derzeitigen Zustand des von Emissionen geplagten Planeten Erde und die Möglichkeiten, bis 2050 die anvisierte Klimawende zu schaffen. Moderatorin Sonja Hasler spricht von einem «spannenden Wahlkampfthema, das plötzlich sämtliche Parteien für sich entdeckt haben; jetzt ist eine Partei grüner als die andere» und stellt die drei Referenten vor: Jürg Rothenbühler, Präsident der Regionalkonferenz Emmental RKE, BDP-Nationalratskandidat, Christian Wasserfallen, FDP-Nationalrat, und Josef Jenni, Solarpionier und BDP-Nationalratskandidat.
Rothenbühler erläutert, dass in der RKE 40 Gemeinden, HIV, HGV, KMU und andere mit gleichen Problemen zusammengefasst sind. Den heutigen Energiebedarf für alle erklärt er so:
1 kWh (Kilowattstunde) bedeute einen Tag harte Arbeit, 2,5 Stunden Staubsaugen, mit dem Benzin-Auto eine Fahrt von 1,8 km und mit dem Elektro-Auto eine von ca. 8 km. Also heisst es einerseits Energie sparen und auf erneuerbare Energie setzen bzw. diese zu subventionieren und zu fördern. Das gleichzeitig mit dem Ausstieg aus der Atomenergie. Auf einer Folie zeigt er den Energieverbrauch: je ein Drittel für Strom, Wärme und Treibstoff. Ihn stört, dass beispielsweise das Emmental mit seinen grossen Holzvorräten so viel Energie einkauft. Dabei sind erneuerbare Energien wie Holz, Sonne, Wasser, Wind, Biogas und Geothermie in Reichweite. Sparen kann man beim Gebäudepark, bei den Maschinen und Geräten, bei Nutzung des ÖV usw. Wasserfallen erinnert, dass bei der Energiestrategie viel über die Subventionsverteilung gesprochen worden ist, aber Punkte wie die Versorgungssicherheit, die Infrastruktur, Auslandsabhängigkeit, Wertschöpfung und Klimapolitik eher zu kurz gekommen sind. «Unsere Bedürfnisse wandeln sich, wir benötigen zunehmend Energie, Verzicht kommt kaum infrage. Wir bewegen uns in Richtung zunehmende Digitalisierung.» Im Lauf der Zeit wird der Energieanteil von Erdöl abnehmen und durch Elektrizität ersetzt werden. «Hier passiert der Denkfehler: Die erneuerbaren Energien werden die AKWs ersetzen. Falsch: Sie ersetzen die fossile Energie.» Wasserfallen weist auf den Denkfehler hin und plädiert dafür, künftige sicherere AKWs nicht von vornherein auf alle Zeiten abzulehnen. Ob denn Stromimporte aus «dreckigen» Kohlekraftwerken zu Spitzenzeiten im Januar, wenn die Sonne kaum scheint, empfehlenswert sind? Er erläutert diverse Vorschläge als Ausgleich für saisonale Energieschwankungen und erntet als Vertreter der FDP «in der Höhle der BDP-Löwen» für einige Aspekte Applaus aus dem Publikum.
Laut Jenni, seit Jahrzehnten über die Landesgrenzen hinaus als Solarpionier bekannt, «sind wir alle energiesüchtig, Energiejunkies. Als Junkies suchen wir laufend neuen Stoff in Form von AKWs, Kohlekraftwerken usw., um den Bedarf zu decken. Eine Energiewende ist nur unter Opfern als Kraftakt möglich, doch das ist unumgänglich.» Dazu zählt er den Bau von effizienteren Häusern aller Grössen mit entsprechenden Fenstern sowie Energieverzicht in vielen Lebensbereichen. Auch er kommt auf die Möglichkeiten von Wasser- und Windnutzung zu sprechen und die heutigen Möglichkeiten von Energiespeicherung, die weiter ausgebaut werden.
In der anschliessenden Diskussion beantworten die drei Referenten Fragen aus dem Publikum.

Gerti Binz

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