Ein Stück Maranello in Burgdorf

| Di, 15. Okt. 2019

BURGDORF: Roland Jost hat aus seiner persönlichen Ferrari-Kollektion ein öffentliches Museum eröffnet. zvg

Für seine umfangreiche Sammlung an Ferrari-Modellen, Accessoires und originalen Autoteilen findet Roland Jost klare Worte: «Es ist mein Lebenswerk.» Seit 27 Jahren sammelt der gelernte Auto­mechaniker so gut wie alles, was mit Ferrari zu tun hat. Mittlerweile ist er auf eine beachtliche Sammlung von über 700 Modellautos gekommen, die er nun in seinem eigenen kleinen Maranello (italienische Stadt, in welcher der Sitz des Ferrari-Werkes liegt) in zwei Räumen an der Tiergartenstrasse 1 ausstellt.

Keine Spielsachen
Roland Jost erinnert sich noch gut, wie die Sammlung begonnen hat. Vor 27 Jahren habe ihm ein Freund ein Ferrari-Modell gezeigt, welches er an einer Börse in Lützelflüh erworben hatte. «Kurz darauf habe ich auch mein erstes Modell erworben, einen Ferrari F40.» Bei diesem Modell sollte es aber nicht bleiben. Im Laufe der Zeit erwarb Roland Jost immer mehr Ferrari-Modelle, einige davon baute er auch selbst zusammen. «Modellbau fand ich schon immer faszinierend», so der 54-Jährige. «In meiner Jugend habe ich bereits Schiffe und Motorräder gebaut.» Doch bleibt es dabei nicht nur beim Zusammenbauen, wie Jost verrät: «Ich habe eine Tendenz, alles zu veredeln und zu verschönern.» So hat er bei einigen Modellen etwa zusätzliche Leitungen eingebaut, Witterungseffekte gemalt und sogar auch schon kleine Sitze mit Leder bezogen. Für Roland Jost sind die kleinen Fahrzeuge keineswegs Spielsachen, vielleicht mit Ausnahme vom Lego Enzo Ferrari 1:10-Modell, das sich in der Sammlung versteckt. «Es sind definitiv Sammlerstücke, bei einigen Modellen kann man zum Beispiel die Räder nicht einmal bewegen», erklärt der leidenschaftliche Sammler. In seiner Sammlung finden sich Modelle in den Massstäben 1:43, 1:24, 1:18, 1:12 und 1:8, welche einen ausführlichen Überblick über die Geschichte von Ferrari abbilden. So berichtet der Ferrari-Begeisterte: «Von der Formel 1 habe ich seit 1950 von jedem Jahr mindestens ein Fahrzeug in meiner Sammlung.»

Faszination Ferrari
Roland Jost verbindet Ferrari aber nicht nur mit seinem Hobby, so ging im Verlauf seiner Arbeitskarriere auch ein Bubentraum in Erfüllung, als er in Hinterkappelen selbst an Autos der Marke Ferrari arbeiten konnte. Dadurch erhielt er auch Zugang zu verschiedenen originalen Autoteilen, wie unter anderem einer Motorhaube, einer Stossstange und einem Kolben, welche nun das kleine Museum schmücken. «Ich habe damals ein Arbeitsjournal geführt, nicht für meinen Chef, sondern für mich selbst. Ich könnte noch genau sagen, an welchem Tag ich an welchem Fahrzeug gearbeitet habe», schwärmt Roland Jost. Er erinnert sich noch gut, wie sie in Hinterkappelen Nachbarskinder in die Garage eingeladen hatten, welche die Fahrzeuge bestaunen konnten. «Genau so ging es mir als Kind auch. Es ist einfach eine Faszination, die diese Fahrzeuge ausstrahlen», weiss Jost. «Ferrari erzeugt für mich nach wie vor Hühnerhaut.» Neben Modellen und Autoteilen ist die Sammlung durch weitere Accessoires ergänzt. So finden sich auch verschiedene Bordwerkzeugtaschen, Ferrari-Geschirr, zahlreiche Bilder umd über hundert Magazine und Bücher rund um Ferrari.  

Austausch mit anderen Liebhabern
Wie Roland Jost erzählt, war seine Sammlung bis vor Kurzem im grös­sten Zimmer seines Hauses, im «Ferrari­Zimmer», untergebracht. Vor rund acht Jahren haben Freunde Roland Jost dazu ermuntert, seine Sammlung doch öffentlich zu machen. Als er schliesslich auf die Räumlichkeiten an der Tiergartenstrasse gestossen ist, war der Fall klar. «Ich will meine Leidenschaft auch mit Menschen teilen können, die ich nicht persönlich kenne. Durch meine Arbeit und meine umfangreiche Sammlung habe ich auch viele Anekdoten zu erzählen», freut sich Jost. Traurig darüber, dass seine Sammlung nicht mehr zu Hause ist, sei er nicht. «Jetzt habe ich hier meine Rückzugsmöglichkeit, wo ich in meine Traumwelt eintauchen kann», erzählt Jost. «Ich kann gut Stunden in diesem Zimmer verbringen und immer wieder fällt mir eine neue Geschichte zu einem Auto oder zu einem Modell ein.»
An einer Wand hängt auch ein Ortsschild von Maranello, der Heimatstadt von Ferrari. «Ich war schon so oft dort, dass ich die Stadt beinahe besser kenne als Burgdorf», lacht Jost. Auch ist seine Sammlung noch nicht beendet. Wie Roland Jost verrät, hat er sein neustes Modell vor rund 14 Tagen gekauft.
Wer die umfangreiche Sammlung selbst besichtigen möchte, kann mit Roland Jost über Tel. 079 654 82 90 einen Termin für eine (kostenlose) Besichtigung vereinbaren.

David Kocher

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