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Fürs Schulhaus ist es «fünf vor zwölf»

| Mi, 09. Okt. 2019
Heinz Fuhrimann (links) und Kurt Ruchti vor den neuen Plänen des Ersatz- und Erweiterungsbaus der Schulanlagen Rüegsauschachen.

RÜEGSAU: Das Initiativkomitee zu einer erneuten Abstimmung über das Schulhausprojekt wehrt sich gegen Vorwürfe. zvg

«Uns geht es nicht darum, unsere Gegner zu verunglimpfen, aber einige Sachverhalte müssen einfach richtig­gestellt werden.» So reagierte Heinz Fuhrimann, Initiant der Gemeindeinitiative zu einer neuen Abstimmung über Erweiterung und Ersatz der Schulanlagen Rüegsauschachen, auf die Medien­mitteilung des Nein-Komitees vom September 2019. Am vergangenen Freitag luden Heinz Fuhrimann und Kurt Ruchti zu einer Medien­konferenz, um auf die aus ihrer Sicht nicht stichhaltigen und teilweise unkorrekten Argumente einzugehen.

Das überarbeitete Projekt
Warum sich ein Rentner wie Heinz Fuhrimann überhaupt für eine millionenschwere Erweiterung der Schulanlagen einsetzt, wird schnell klar. «Bildung, besonders der Jugend, liegt mir am Herzen. Nach der Abstimmung habe ich mich trotz der vielen anstehenden Arbeit dafür entschieden, eine Initiative in Angriff zu nehmen und habe auch überraschend schnell Leute gefunden, welche bereit waren, einzusteigen», erklärte Heinz Fuhrimann. Einer davon war Kurt Ruchti, der als langjähriger Gemeinderat im Ressort Bildung viel Erfahrung mitbrachte. Nun sei im Komitee ein gutes Abbild der Bevölkerung vertreten, wie Fuhrimann berichtete. Nach der überaus erfolgreichen Gemeindeinitiative, bei welcher rund ein Drittel der stimmberechtigten Bevölkerung (900 von 2500 Personen) unterschrieben hatte, wurde das Schulhausprojekt überarbeitet und auf mögliche Kostensenkungen hin überprüft. Das neue Projekt sieht nun einen Kredit von 14,255 Millionen Franken vor, während das im September 2018 zur Abstimmung gebrachte Projekt mit 17,935 Millionen Franken zu Buche schlug. «Im vernünftigen Bereich wurde auf Komfort verzichtet», erläuterte Kurt Ruchti die Kostensenkungen. «Im Gegensatz zur Vorlage von 2018 konnten die Baukosten um 1,17 Millionen reduziert werden.» Weiter soll der geplante Bau über eine Etappierung verlaufen. Da das Platzproblem dringender sei als die Sanierung des bestehenden Schulgebäudes im Umfang von circa 2,5 Millionen Franken, würde diese erst im 2022/23 wieder zur Abstimmung kommen, womit die Kosten für das neue Projekt auch deutlich gesenkt werden konnten.

Keine «Mogelpackung»
Einer der Hauptkritikpunkte des Nein-Komitees, welches bei der Abstimmung vom 24. November 2019 ebenfalls eine Nein-Stimme fordert, ist, dass es sich beim neuen Schulhausprojekt um eine «Mogelpackung» handeln würde, da der zweite Kredit für die  spätere Sanierung von circa 2,5 Millionen Franken vom Bauprojekt getrennt wurde. Dem widersprach Kurt Ruchti vehement: «Diesen Vorwurf müssen wir ganz klar zurückweisen. Die Etappierung wurde vom Gemeinderat klar kommuniziert. Ausserdem können so zusätzliche Kosten vermieden werden.» So könne etwa durch die Etappierung das alte Schulhaus während der Bauarbeiten genutzt werden, wodurch zusätzliche, kostenintensive  Ersatzlösungen wie weitere temporäre Contai­ner entfallen würden.

Eine Kostenfrage
Der finanzielle Aspekt ist eines der am stärksten umstrittenen Themen des Projekts. In der Medienmitteilung argumentierte das Nein-Komitee, dass die Gemeinde Rüegsau durch die hohen Kosten die höchste Pro-Kopf-Verschuldung im Kanton Bern aufweise und dadurch eine Steuererhöhung von drei Steuerzehnteln notwendig sein werde. Auch in diesem Punkt wehrte sich das Initiativ­komitee: «Selbst wenn wir die ganzen Kosten selber stemmen müssten, wären wir nicht einmal im Emmental die am höchsten verschuldete Gemeinde», äusserte sich Kurt Ruchti. «Auch sind nicht Folgekosten von 1,2 Millionen, sondern von circa 700 000 Franken vorgesehen. Eine Steuererhöhung von zwei Steuerzehnteln reicht völlig aus.» Denn seit 2013 zahlen die umliegenden Gemeinden Hasle bei Burgdorf, Lützelflüh und Affoltern i. E. Beiträge von rund 460 000 Franken (mit steigenden Prognosen) für die Infrastruktur der Schule.

Modulschulhaus ist keine Lösung
Als Ersatzlösung sieht das Nein-Komitee eine Möglichkeit bei Modulschulhäusern wie beispielsweise in Hasle bei Burgdorf. «Unser Projekt mit dem Modulbau in Hasle gleichzusetzen, ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen», antwortete Kurt Ruchti auf die Kritik. «Es geht bei uns um komplett andere Flächen, Räume und um eine Turnhalle.» Bei der neuen Turnhalle handelt es sich dabei um ein ganz zentrales Standbein des Bauprojekts. «Aus Sicherheits- sowie Norm­gründen ist eine neue Turnhalle nötig. Die jetzige Turnhalle entspricht nicht einmal der kleinsten Turnhallen-­Normgrösse», so Fuhrimann. «So hat das Nein-Komitee zwar ein Bau­konzept im Umfang von 10 bis 12 Millionen Franken präsentiert, aber bei diesem Vorschlag ist keine Turnhalle eingeplant. Bei Gebäudekosten von rund 3,6 Millionen Franken für die Turnhalle sind wir bei unserem Kostenvoranschlag also gar nicht wahnsinnig weit voneinander entfernt.»

Die Uhr tickt
Für eine Erweiterung der Schulanlagen sei man jetzt schon spät dran, meinte Kurt Ruchti. So müsse man momentan schon bei 369 Schülerinnen und Schülern in 22 Klassen auf Containerlösungen ausweichen, im Jahr 2021 rechnet man mit 426 Schülerinnen und Schülern bei 24 Klassen. Das Urteil von Kurt Ruchti war eindeutig: «Jetzt ist es fünf vor zwölf.» Auch für Heinz Fuhrimann war klar, dass es vorwärts gehen muss: «Es war uns wichtig, mit dem gleichen Projekt weiterzufahren. Der Zeitfaktor ist enorm wichtig. Wenn dieser Vorschlag im November abgelehnt wird, muss noch einmal neu begonnen werden, und das bei bisherigen Planungskosten von 1,3 Millionen Franken.»
Doch zeigte man sich durchaus zuversichtlich: «Der Ausgang der letzten Wahl zeigt, dass man sich nie sicher sein kann, doch wir wollen uns nicht vorwerfen müssen, dass wir nicht alles versucht haben. Wir wollen in der Kommunikation aktiv bleiben und auch den Dialog mit der Stimmbevölkerung suchen. So hoffen wir etwa, auch mehr junge Wählerinnen und Wähler auf die Wahl aufmerksam machen zu können», wie Kurt Ruchti erklärte.
Wer sich vor der Wahl vom 24. November 2019 selbst ein Bild von der Schule Rüegsau machen möchte, hat am 1. November 2019 beim Tag der offenen Schule die ideale Gelegenheit dazu.

David Kocher

 

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