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Solidarität in einer Krisenzeit

| Mo, 23. Mär. 2020

REGION: «Wir müssen in dieser Situation mehr denn je zusammenstehen» – In Burgdorf und der Region sind zahlreiche Solidaritätsaktionen zum Schutz und Hilfe von besonders anfälligen Personen entstanden. Auch Menschen ohne Internet können sich über Telefondienste Hilfe holen. red

Im Einzugsgebiet der Zeitung «D’REGION» sind angesichts der Corona-Krise verschiedene Solidaritätsaktionen entstanden. Die grosse Herausforderung besteht – in einer Zeit, in der Abstand halten unumgänglich ist und Leben retten kann – in der Kontaktherstellung zwischen Hilfebedürftigen und Helfern/-innen.

Der Verein «healthyEmmental» lanciert eine regionale Vernetzungsinitiative
Deshalb hat der Verein «healthyEmmental», der sich für die aktive Förderung von Informations- und Kommunikationstechnologien sowie innovativer Projekte im Gesundheitswesen einsetzt, unter dem Motto «hE-hilft» eine regionale Vernetzungsinitiative lanciert: Auf der Website www.healthy­emmental.ch können sich sowohl Personen, die Hilfe anbieten, als auch solche, die Unterstützung benötigen, registrieren. «Wir vermitteln für die verschiedenen Anfragen – für Menschen, die durch die Corona-Krise isoliert sind oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung benötigen – die passenden Angebote», erläutert Vereins­präsident Yves Aeschbacher das Konzept. Zudem wird in Zusammenarbeit mit der reformierten Kirche Burgdorf von 9.00 bis 12.00 Uhr (unter Tel. 034 426 21 21 und 034 426 21 22) und von 13.00 bis 17.00 Uhr (Tel. 034 530 03 50) ein Telefondienst angeboten, bei dem sich Personen ohne Internetzugang melden können.
Bis zum vergangenen Freitag stellten sich bei «hE-hilft» rund 60 Helfer/innen zur Verfügung. «Wir sind somit in der Lage, Hilfsanfragen rasch zu bearbeiten. Wir wollen die Distanzen möglichst kurz halten und spezifische Aufgaben nach Möglichkeit geeigneten Partnern abgeben. Weitere Organisationen, die Menschen unterstützen möchten, können sich daher ebenfalls bei uns melden.» Die Suche nach Freiwilligen wird fortgesetzt. Aeschbacher geht davon aus, dass die Nachfrage nach Hilfsangeboten in nächster Zeit sprunghaft ansteigen wird: «Je besser wir uns vorbereiten, desto weniger Engpässe sind zu befürchten.» Bisher konnten Kontakte erfolgreich vermittelt werden. «Der Corona-Notstand sorgt für ungewöhnliche Herausforderungen. Eine Bäuerin, die normalerweise Teilzeit in der Intensivpflege arbeitet, benötigt Hilfe für die Versorgung ihrer rund 50 Kühe, da sie in den kommenden Wochen im Spital voraussichtlich vermehrt eingespannt wird. Dank der Freiwilligenarbeit ist nun das Wohl der Tiere sichergestellt», freut sich Yves Aeschbacher.

Unkomplizierte Hilfe aus Oberburg für Oberburg
«hE-hilft» steht in Austausch mit zahlreichen lokalen Initiativen – unter anderem mit «Oberburg-hilft». Die Nachbarschaftshilfe für die Region Oberburg wurde unter dem Patronat der «Unabhängigen Ortspartei» (UOP) ins Leben gerufen. «Unser Angebot richtet sich an Personen, die gemäss BAG zur Risikogruppe gehören, aber auch an Familien und Gewerbetreibende, die aufgrund der ausserordentlichen Lage auf Unterstützung angewiesen sind. Gefragt sind vor allem Hilfen für Einkäufe und Botengänge für all jene, die das Haus nicht verlassen sollten. Weiter können Arbeitnehmende in systemrelevanten Berufen infolge der Schulschliessungen bei der Kinderbetreuung unterstützt werden. Alle Leistungen erfolgen kostenlos. Wir legen Wert auf direkte, verbindliche und rasche persönliche Hilfe aus Oberburg für Oberburg», erläutert Daniel Krebser, Vorstandsmitglied UOP. Alle relevanten Informationen finden sich unter www.oberburg-hilft.ch.
Damit auch Senioren/-innen ohne Internetzugang vom Unterstützungsangebot profitieren, verteilen Mitglieder der Gruppe «Oberburg-hilft» Quartierflyer mit Kontaktdaten in den Briefkästen. Wer bisher keinen Flyer erhalten hat, wendet sich am besten an eine Vertrauensperson, die den Kontakt zu den Initianten herstellt. Krebser erklärt: «Aktuell engagieren sich über 150 Personen in unserer Gruppe, täglich melden sich weitere an. Alle Einwohner/innen sowie Vereine sind herzlich willkommen. Wir halten uns strikt an die Richtlinien von Bund und Kanton, damit gut gemeinte Hilfsaktionen nicht ins Gegenteil umschlagen und zu einer Weiterverbreitung der Krankheit führen. Personen der Risikogruppen sind sehr dankbar über die unkomplizierte, generationenübergreifende Solidarität. Der ganzen Gemeinde ist bewusst, dass wir in dieser Situation mehr denn je zusammenstehen und zueinander Sorge tragen müssen.»

Untere Emme: Jugendliche stehen für Hilfeleistungen bereit
In den Gemeinden Untere Emme ist ebenfalls eine Plattform entstanden, um einander gegenseitig zu helfen. «In der gegenwärtigen Situation ist die Bewegungsfreiheit der Seniorinnen und Senioren eingeschränkt. Jugendliche gehören dagegen nicht zu den Risikogruppen und haben tendenziell mehr Freizeit als normalerweise», erläutert Pascal-Olivier Ramalet, Pfarrer in Wiler b. Utzenstorf, die Ursprungsidee. Rund 30 junge Frauen und Männer erklärten sich deshalb bereit, Einkäufe zu erledigen, Botendienste auszuführen, Medikamente abzuholen und weitere Aufgaben zu übernehmen. Zusätzlich wurde die Facebook-Seite «Nachbarschaftshilfe Untere Emme» gegründet, die bereits weit über 100 Mitglieder zählt. Erwachsene springen ein, wenn die Jugendlichen gewisse Aufträge nicht ausführen können. Mit der Verteilung von Flyern und mittels Mund-zu-Mund-Propaganda wird auf die Aktion aufmerksam gemacht. Die Helfer-Hotline 032 665 70 21 ist jeweils von 9.00 bis 19.00 Uhr erreichbar; zudem wurde eine Seelsorge-Telefon für Gläubige (Pfarrkreis Utzenstorf unter Tel. 032 665 41 02 und Pfarrkreis Wiler, Zielebach und Utzenstorf Nord unter Tel. 032 665 03 40) eingerichtet.
Auch Betriebe versuchen, Unterstützung zu leisten. So hat sich etwa das Finanzunternehmen Combinvest, das mit einer Niederlassung in der Region Burgdorf präsent ist, entschieden, nach Möglichkeit betroffenen Menschen aktiv unter die Arme zu greifen, um Einkäufe zu erledigen oder Fahrdienste zu übernehmen (combinvest.ch/blog/article/solidarität).

Markus Hofer

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