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Wie sich Schüler selbst organisieren

| Di, 24. Mär. 2020
Manuel Flückiger an seinem Arbeitsplatz, wo er mit seinen Mit­schülerinnen und Mitschülern vernetzt ist.

BURGDORF: Der Gymnasiast Manuel Flückiger hat für seine Klasse ein Online-Klassenzimmer eingerichtet. red

Wer denkt, dass die Schülerinnen und Schüler, die aufgrund der geschlossenen Schulen zu Hause sitzen, auf der faulen Haut liegen, irrt sich gewaltig. Manuel Flückiger, der das Gymnasium Burgdorf besucht, hat für seine Klasse mit dem Chat- und Sprachprogramm «Discord» ein virtuelles Klassenzimmer eingerichtet, wo sich die Schülerinnen und Schüler täglich zum gemeinsamen Lernen treffen. «Wir verbringen fast gleich viel Zeit mit dem Schulstoff wie in der Schule», erzählt der 16-Jährige. «Natürlich braucht es Selbstdisziplin, und bei Themen, die einen mehr interessieren, investiert man auch ein bisschen mehr Zeit, aber das ist in der Schule auch nicht anders.»

Das «virtuelle Klassenzimmer»
Am Freitag, 13. März 2020, informierte das Sekretariat die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Burgdorf über den Ausfall des regulären Unterrichts und schlug als Lösung für den Online-Unterricht «Google Hangouts» vor. Doch Manuel Flückiger bemerkte schon erste Probleme: «Wir sind 26 Leute in der Klasse, ‹Google Hangouts› unterstützt gar nicht so viele gleichzeitige Nutzer», stellte der Schüler fest. Schnell kam ihm die Idee, das bei Gamern beliebte Programm «Discord» zu benutzen, und er schrieb noch am selben Abend ein Handout, welches er an die Schulleitung und das Sekretariat weiterleitete. Aus datenschutzrechtlichen Gründen konnte seine Idee aber nicht grossflächig umgesetzt werden. Manuel Flückiger liess sich jedoch nicht entmutigen und erstellte trotzdem das «virtuelle Klassenzimmer», welches von seiner Klasse mittlerweile rege genutzt wird. Statt im normalen Klassenzimmer trifft man sich nun online. «Pünktlich zum Schulbeginn treffen wir uns dort und arbeiten an den Aufgaben, die wir per E-Mail zugeschickt bekommen. Die Aufgaben schicken wir nach Lektionsende zurück», erklärte Manuel Flückiger. «Auch einige wenige Lehrer nutzen mittlerweile das Programm und können uns per Bildschirmübertragung etwa Beispiele zeigen oder sitzen im ‹Lehrerraum›, um bei Fragen zu helfen.» Da das Gymnasium jeder Schülerin und jedem Schüler den Erwerb eines vergünstigten Laptops ermöglicht hat, haben nun auch alle Zugriff auf diese Funktionen. Alle Mitschülerinnen und Mitschüler seien überrascht gewesen, wie schnell und einfach das Programm funktionere, schilderte Manuel Flückiger die Rückmeldungen. Früher habe man den Schul-Laptop zu Hause eigentlich gar nie benutzt. Auf die Frage, ob dieses Online­modell in Zukunft vielleicht sogar dem klassischen Schulmodell Konkurrenz machen könnte, antwortete der Gymnasiast: «Dafür ist es sicher noch nicht weit genug entwickelt, etwa auch was das Datenschutzrecht angeht, aber wenn ein Lehrer mal ausfällt, ist das eine super Lösung.» Trotz Coronavirus ist es Manuel Flückiger aber auch wichtig, nach einem Tag am Bildschirm noch genügend Bewegung zu kriegen, und er ist nun öfters auch mit dem Velo unterwegs, statt die öffentlichen Verkehrsmittel zu nehmen.

David Kocher

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