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Aufregung im Zentrum Mösli

| Do, 21. Mai. 2020

UTZENSTORF: Das Zentrum Mösli wappnet sich für die Zeit nach der Pandemie und eröffnet eine Besucherbox. zvg

Anfang Mai 2020 wurden die Bewohner und deren Angehörige vom Zentrum Mösli in Utzenstorf informiert, dass Besuche ab Montag, 11. Mai 2020, wieder möglich sind. Natürlich nicht wie gewohnt, sondern in einer eigens dafür hergestellten Besucherbox. Vorerst ist diese an drei Tagen pro Woche geöffnet. Die Termine in der ersten Woche waren rasch ausgebucht. Mit grosser Vorfreude, fast aufgeregt, wurden die lang ersehnten Treffen erwartet.
Diese Meldung überschnitt sich mit der Corona-Lockerung, welche Anfang Mai 2020 bekannt gegeben wurde. Wird nun die Eröffnung der Besucherbox im Mösli dadurch nicht hinfällig? Der Heimleiter Jürg Kruger erklärt: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfahl Anfang Mai den Kantonen trotz einigen Lockerungen die aktuellen Schutzmassnahmen in den Bereichen Langzeitpflege nach wie vor vollumfänglich aufrechtzu­erhalten. Einige Tage später wurden weitere Lockerungen vom BAG vorgenommen. Jedoch ist jeder Kanton frei in der Umsetzung. Der Kanton Bern verzichtet auf eine generelle Regelung «von oben» herab und hat den Heimen die Umsetzung unter den gültigen Hygienemassnahmen überlassen. Schnell zeigte sich, dass die Heime, welche notabene seit Anfang März 2020 komplett geschlossen sind, mit ihren Massnahmen erfolgreich waren. So ist zum Beispiel das Mösli coronafrei geblieben und möchte dies nicht aufs Spiel setzen. Nach wie vor gilt zum Beispiel die Zwei-Meter-Abstand-Regel, obwohl dies im Heimalltag schwierig umzusetzen ist. Eine Cafeteria darf nur geöffnet werden, wenn sie nicht ins Heim integriert ist. Dadurch fällt dieser «Besuchsbereich» im Mösli auch weg. So geht es übrigens den meisten Heimen im Kanton. Laut Jürg Kruger sind sich die Bewohner, die Angehörigen und auch das Personal einig, dass die getroffenen Massnahmen richtig waren und Lockerungen nun massvoll angegangen werden können. Anstatt einer generellen Besuchsregelung scheint also die Besucherbox genau das Richtige zu sein.
Die Besucherbox ist neben dem Eingangsbereich, direkt vor dem Fens­ter des Besucherzimmers aufgestellt. Dadurch sind der Bewohner- und der Besucherbereich durch das Fenster getrennt. Der Heimbewohner und seine Angehörigen treffen sich zu reservierten Terminen und sprechen miteinander durch ein Telefon. Nach 20 Minuten sollte das Gespräch langsam beendet werden, eine Mitarbeiterin desinfiziert die Box und bereitet diese für die nächs­ten Besucher vor. Der Zugang zur Box ist in Utzenstorf klar gekennzeichnet. Allfällige Bewohner im Aussenbereich kommen so nicht mit den Gästen in Kontakt.
Als die dritte Besucherin des «Eröffnungstages» aus der Box kommt, sieht man ihr die Freude an. Ihre Mutter nach über acht Wochen wieder zu sehen, auch wenn es nur durch eine Scheibe ist, tut gut. Das Empfinden bei einem persönlichen Treffen ist halt doch anders. Laut dieser Besucherin war ihre Mutter übrigens den ganzen Tag «chribbelig». Weiter erwähnt sie, dass der Heimleiter für diese gute Idee einen Orden erhalten sollte. Dem Pflegepersonal ist es wichtig, dass der persönliche Kontakt wieder aufgebaut wird, weil Rituale wie wöchentliche Besuche für die Psyche wichtig sind. Wenn diese nicht mehr möglich sind, verschlechtert sich der Zustand bei einigen Bewohnern schneller. Natürlich gibt es nicht nur Positives zu berichten. So ist es vorgekommen, dass ein Bewohner seine Frau nach acht Wochen nicht mehr erkannte.
Auch trotz traurigen Vorkommnissen wird das Mösli in der nächsten Zeit Kraft und Geld investieren, damit die «Möslianer» nicht infiziert werden, der Alltag jedoch nicht zu langweilig wird. Seit rund zwei Wochen finden Balkonkonzerte statt. Eine Dorfbewohnerin fand die Idee gut und bietet nun Balkonturnstunden für die Siedlungsbewohner an. In England hat sich während der Corona­pandemie ein Ritual eingebürgert: Kinder malen Regenbögen und hängen diese als Zeichen der Hoffnung an Fenster und Türen. Auf der Besucherbox ist deshalb das bekannte «Mösli»-Logo nun mit Regenbogen­farben umrahmt.

Alexandra Weber

 

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