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Mit Abstand die beste Aussicht

| Di, 26. Mai. 2020

AFFOLTERN I. E.: «D’REGION» unterhielt sich mit Frank Jantschik, Geschäftsleiter der Emmentaler Schaukäserei, über die Coronakrise. zvg

Die Coronakrise wird uns noch sehr lange beschäftigen. Einerseits die Krankheit selbst und dann die wirtschaftlichen Nachwirkungen. Das Thema schlägt aufs Gemüt und für viele Menschen hat sich die Verunsicherung punkto Abstandhalten ausserhalb des eigenen Haushaltes keinesfalls gelegt. Was tun in der Freizeit und welche Orte garantieren trotz vielen Einschränkungen Entspannung und vor allem endlich die lang ersehnte Abwechslung?
Die «D’REGION» hat einen solchen Ort gefunden. Unter dem Motto «Warum in die Ferne schweifen – das Gute liegt so nah!» wird der Weg ins Emmental unter die Räder genommen. Immer wieder erstaunlich ist der landschaftliche Wechsel nach wenigen Kilometern aus dem «Flachland». In Affoltern i. E. steht die weitherum bekannte Schaukäserei inmitten der bezaubernden Emmentaler Hügellandschaft. Schon der Ausblick nach der Ankunft ist an diesem prächtigen Maien­tag umwerfend und lässt einem die lähmenden Sorgen und Nöte schnell vergessen. Die grossen Touristenströme aus aller Welt sind momentan versiegt. Die weit auseinanderstehenden Tische und Stühle im und vor dem Restaurant sind noch spärlich besetzt. Die Wanderer, Biker, Töff- und Autofahrer entdecken plötzlich wieder ihre einmalige Heimat. Es ist wesentlich ruhiger als auch schon – man hört wieder vermehrt einheimische Dialekte.

Geschäftsführer Frank Jantschik erzählt über die aktuelle Situation
Die «D’REGION» begrüsst auf der Terrasse den Geschäftsleiter der Emmentaler Schaukäserei, Frank Jantschik, und befragt ihn, wie sein Unternehmen in Zeiten der Coronakrise reagiert hat und wie es heute funktioniert. Wie auch sein Team wirkt Jantschik keineswegs deprimiert und erklärt seine Situation wie folgt:
«Unser Motto ist ‹Es geht nur nach vorne und wir machen das Beste daraus!›. Natürlich haben die einschneidenden Massnahmen aufgrund der Pandemie unser Konzept gehörig durcheinandergebracht. Aber das Käsefachgeschäft blieb immer geöffnet. Täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr können wir die Produkte für den täglichen Bedarf weiter anbieten. Das Geschäft mit den Souvenirartikeln musste eingestellt werden. Glücklicherweise konnte die Produktion des Emmentaler Käses AOP mit täglich acht Laiben weiter­geführt werden. Da die Nachfrage weiterhin gut war, konnte die Produktionsfreigabemenge beibehalten werden, es gab hier also keine Einschränkungen. Gut und wichtig war und ist dies natürlich auch für unsere Milchlieferanten aus der unmittelbaren Nähe, die weiterhin produzieren können und für ihre Käsereimilch einen guten Preis erhalten. Im Hintergrund mussten die zentralen Dienste und die Administration weiter funktionieren. Kurzarbeitsanmeldungen, Liquiditätsicherung und viele weitere Hintergrundgeschäfte wurden auf Hochtouren bearbeitet. Natürlich war vieles auch für uns neu und musste dementsprechend eingearbeitet und umgesetzt werden, um den Betrieb wirtschaftlich und finanziell zu sichern. Die Massnahmen und Informationen des Bundesrates waren für uns fraglos schlüssig. Alle waren plötzlich extrem gefordert. Der Kontakt mit der Hausbank verlief positiv, das Prozedere wegen der Kurzarbeit war unproblematisch und viele Anpassungen und Umstellungen konnten umgesetzt werden. Das ganze Szenario entwickelte sich eigentlich zu einem Test, den überraschend viele Ämter und Unternehmen bis heute bestanden haben. Was es jetzt braucht, ist eine Kontinuität, damit sich die Leute sicher fühlen und die Ansteckungsrate hoffentlich niedrig bleibt. In der ersten Woche nach der Wiedereröffnung des Restaurants spürten wir doch eine grosse Zurückhaltung der Gäste. Es war also nicht so, dass alle in den Startlöchern standen, um nach der Lockerung schnellstens ein Restaurant zu besuchen. Ich denke, hier in unserem Restaurant verläuft die Situation problemlos. Wir haben die Gästekapazität auf 50 Prozent heruntergefahren, um den Regularien gerecht zu werden. Auch auf unserer grosszügigen Terrasse kann man mit genügend Abstand zum Nachbartisch Speis und Trank geniessen. Die Herausforderung wird sich an Wochenenden und Feiertagen zeigen, wenn deutlich mehr Gäste eintreffen werden. Zum Glück halten sich die meisten Menschen an die aktuellen Regeln und nur wenige reagieren ungehalten auf die Einschränkungen. Ein schöner Effekt ist die zunehmende Beliebtheit der «Herzroute» für Fahrrad- und E-Bike-Fahrer/innen. Wir liegen optimal auf der Etappe zwischen Burgdorf und Willisau. Bei uns können die Akkus während einer erfrischenden Pause wieder aufgeladen werden. Somit sind wir sozusagen ein Fixpunkt auf dieser Etappe. Natürlich kann man auch direkt bei der Schaukäserei ein E-Bike mieten, muss dieses aber wieder an den Ausgangsort zurückbringen. Wir hoffen nun auf eine weitere Lockerung der Einschränkungen nach dem 8. Juni 2020. Dann werden wir den ganzen Touristikbereich wieder öffnen können, wie zum Beispiel die Führungen in der Schaukäserei. Natürlich immer unter Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Vorsichtsmassnahmen.»
Später wird die Schaukäserei vielleicht wieder mit den Herausforderungen und Fragen vor der Coronazeit konfrontiert werden, die zum Beispiel heis­sen: «Wie viel Zuwachs verträgt das Touristikgeschäft? Wann verliert dieser Ort seinen Charme?» Aber der Zeitpunkt für Antworten ist im Moment sicher noch nicht gekommen...

Henry Oehrli

www.e-sk.ch

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