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«Die Einschränkungen waren fast wie ein Arbeitsverbot»

| Do, 18. Jun. 2020

REGION: Obwohl das Reisen per se nicht verboten war, hat das Coronavirus auch die Carbranche schwer getroffen. zvg

Vor rund einem Monat richtete sich Daniel Gast der Gast AG in Utzens­torf mit einer Videobotschaft an die Bevölkerung. «Mit diesem Video will ich niemanden anklagen und auch nicht jammern. Ich möchte aufzeigen, welchen Herausforderungen unsere Branche gegenübersteht und dass sie auch Unterstützung braucht», spricht der Geschäftsführer und Inhaber der Gast AG im Video, das bisher mehrere Tausend Mal angeschaut wurde. Er macht darauf aufmerksam, dass es der Carbranche, obwohl die Fahrten nicht explizit verboten worden sind, durch die Umstände und Einschränkungen gar nicht möglich ist, Carfahrten anbieten zu können. «Wir haben unsere letzte Fahrt am 15. März 2020 mit wenig Gästen durchgeführt», erklärt Daniel Gast im Gespräch mit der «D’REGION». «Seitdem stehen unsere Cars still.» Er weiss, dass die Öffentlichkeit gar nicht wirklich wahrgenommen hatte, dass auch die Reisebranche von einem Tag auf den anderen keine Arbeit mehr hatte. «Ich habe viele schöne Reaktionen auf das Video erhalten», freut sich der Geschäftsführer. Die Gast AG ist ausserdem in der glücklichen Lage, dass sie auf mehreren Standbeinen steht, von welchen zumindest eines noch aktiv sei. Während Reisebüro und Carreisen komplett stillstehen, konnte in der Entsorgung zum Glück weitergearbeitet werden. So wurden dort auch die Carchauffeure eingespannt, um die finanziellen Einbussen der Mitarbeitenden trotz Kurzarbeit möglichst gering zu halten. «Als Familienbetrieb ist es uns besonders wichtig, dass wir einander helfen. Ich glaube auch, dass uns eine solche Erfahrung noch fester zusammengeschweisst hat», erklärt Daniel Gast.
Durch die Lockerungen der letzten Wochen gibt es aber wieder einen Lichtblick. «Diesen Mittwoch, 17. Juni 2020, führen wir unsere erste Fahrt durch. Es ist sozusagen die zweite Saisoneröffnungsfahrt. Wir hätten auch niemals damit gerechnet, dass sich so viele Leute anmelden würden», freut sich Daniel Gast. «So mit 10 bis 20 Gästen wären wir schon zufrieden gewesen, jetzt sind es etwa 40.» Mit einem Schutzkonzept werden sowohl Mitarbeiter wie auch Gäste geschützt. So wolle man, wenn möglich, die Cars nicht vollständig füllen, und auch Desinfektionsmittel und Schutzmasken stehen bereit. Zur zusätzlichen Hygiene werden auch Toilette und Kühlschrank geschlossen bleiben, dafür aber mehr Stopps auf den Reisen getätigt. Die derzeitige Situation sei, vor allem durch das zusätzliche Standbein mit der Entsorgung, noch verkraftbar, wie Daniel Gast feststellt. Er wünscht sich aber, dass man wieder Vertrauen in die Cars fasst und dass das Unternehmen bald wieder mit Mitarbeitern und Gästen die Schweiz und Europa bereisen darf und den Menschen so eine Freude bereiten kann.
Auch bei Bürki Reisen in Bäriswil wurde man durch das Coronavirus «gegroundet». «Um Fixkosten zu sparen, entschieden wir uns dafür, die Fahrzeuge stillzulegen», wie Heidi Bürki von Bürki Reisen erklärt. Auch sahen sie sich wie andere Carunternehmen gezwungen, Kurzarbeit anzumelden und auf einen kleinen Kredit zurückzugreifen. Mögliche Arbeiten an den Fahrzeugen waren nach wenigen Tagen nachgeholt, «zum Leidwesen unserer Fahrer, die natürlich lieber Zeit bei ihren Fahrzeugen als im Büro verbringen», wie Heidi Bürki ergänzt. Mittlerweile konnte der Betrieb aber wieder langsam hochgefahren werden. «Grosse Lücken sind aber noch immer vorhanden», weiss die Geschäftsleiterin. «Die vom BAG empfohlenen Massnahmen können wir aber im Moment gut und ohne massiven Mehraufwand einhalten. Bis jetzt hat sich keiner unserer Fahrgäste im Komfort negativ beeinflusst gefühlt.» Bei den Angeboten konzentriere man sich zurzeit vor allem auf die Schweiz. Gewisse Verunsicherung herrsche nach wie vor, vor allem auch deshalb, da rund 80 Prozent der Kunden Pensionäre seien und so auch zur Risikogruppe gehören. In diesen Fällen liess man auch Kulanz walten und konnte für alle Annullationen eine Lösung ausarbeiten. «Wir wünschen uns, dass sich so rasch wie möglich wieder eine Normalität einstellt», so Heidi Bürki. «Wir werden uns auf jeden Fall weiter dafür einsetzen, dass unsere Reisegäste weiterhin positive Erfahrungen beim Reisen erleben können und wir zahlreiche Buchungen entgegennehmen dürfen.»

David Kocher

 

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