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Lieber auf zwei Rädern unterwegs

| Di, 23. Jun. 2020

BURGDORF: Die Velobranche erlebte in den vergangenen Monaten einen ungeahnten Boom. red

Diesen Frühling erlebte die Rennshop Wüthrich AG eine regelrechte emotionale Achterbahnfahrt. «Anfang März hatten wir so viele Velos im Laden wie noch nie zuvor», erinnert sich Martin Wüthrich, CEO des Fahrradgeschäfts Rennshop Wüthrich AG. Als dann der Bundesrat Mitte März den Lockdown bekanntgab, war der Schock zunächst gross: «Wir haben schon gedacht, ‹jetzt gheit d Wäut zäme›, und meldeten sofort Kurzarbeit an.» Was sich zum damaligen Zeitpunkt aber nicht voraussehen liess: Die Schweizerinnen und Schweizer nutzten in der Ausnahmesituation das Velo weitaus häufiger als normalerweise ... Nach nur zwei Wochen konnte die Kurzarbeit wieder eingestellt werden. Die Verkaufsfläche blieb zwar geschlossen, doch konnte in der Werkstatt gearbeitet werden und auch der Onlineshop lief sehr gut. «Ein Veloboom ist absolut spürbar. Auch jetzt ist es immer noch extrem», so Wüthrich. «So etwas haben wir in der 45-jährigen Geschichte unseres Geschäfts noch nie erlebt, das ist wirklich eine einzigartige Zeit.»

Velo statt Ferien
Dass das Velo einen so enormen Zulauf erhielt, kann mehrere Gründe haben. Manchen Menschen mag die übliche Fahrt mit dem ÖV und der dortige Kontakt mit fremden Personen in Zeiten von Corona Unbehagen bereiten. Besonders wer keine Lust auf ein Auto hat, der greift gerne zum beliebten Drahtesel. Durch das E-Bike wird das Velo auch immer stärker als Fortbewegungsmittel für Pendler wahrgenommen, erklärt Martin Wüthrich. «Mit dem E-Bike lässt sich auch ein langer Arbeitsweg bewältigen, den man früher nie zurückgelegt hätte. Und wer jetzt nicht ins Fitnessstudio oder in den Sportclub kann, der fährt halt Velo.» Einige haben während des Lockdowns
ihre alten Velos entstaubt und in den Service gegeben. Auch die für viele Schweizerinnen und Schweizer ausgefallenen Auslandsferien sind ein nicht zu vernachlässigender Faktor, wie der Geschäftsleiter aus Erfahrung berichtet: «Einige Kunden haben ihr diesjähriges Ferienbudget in Fahrräder investiert, um damit in der Schweiz ihre Ferien zu verbringen.» Auch vermutet Martin Wüthrich, dass während der ausserordentlichen Situation in den vergangenen Wochen viele Gefallen an der Fahrt auf zwei Rädern gefunden haben. Er erhielt viele positive Rückmeldungen: «Einige sind vielleicht früher als Kind mit dem Velo gefahren und haben erst jetzt wieder gemerkt: ‹Hey, das fägt!›.»

Höhere Auslastung
Wer sein Fahrrad zurzeit beim Rennshop Wüthrich in den Service bringen möchte, der muss sich zweieinhalb bis drei Wochen gedulden. Das ist etwa eine Woche länger als während der «Velohochsaison» üblich. Und auch sonst sind einige Spuren des Velobooms sichtbar. «Letztes Jahr waren ebenfalls einige Fahrräder ausverkauft, aber dieses Jahr sind durchs Band viele Modelle und Marken nicht mehr erhältlich.» Von Juli bis September 2020 würden sie  aber von den Veloherstellern wieder nachgeliefert. Durch die gute Veloinfrastruktur in Burgdorf und die beliebte E-Bike-Route Herzroute finden zudem gemäss Wüthrich Touristinnen und Touristen ihren Weg in die regionalen Velogeschäfte.

Tipps vom Experten
Wüthrich weiss, dass besonders Unsicherheit zu Unfällen führen kann. Deshalb rät der Veloenthusiast Personen, welche sich für Fahrräder interessieren, aber wenig Erfahrung besitzen, Velokurse zu besuchen: «Es gibt sehr gute Angebote in jeder Sparte. Bereits kleine Hilfen können einen grossen Unterschied machen. Und besonders beim schnellen E-Bike gilt: Kopf einschalten!» Auch rät er, vor allem teurere Modelle unbedingt in der Velostation unterzustellen. «Es wäre wirklich schade, wenn etwas passiert. Oft geschieht dies nicht einmal mutwillig.»

David Kocher

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