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Eine schöne Erinnerung – auch nach 70 Jahren

| Di, 28. Jul. 2020

BURGDORF: Am 30. Juli 1950 brachen Fritz Muster und seine zukünftige Frau Vreni Gerber zu einer abenteuerlichen Reise auf. Auch heute schwelgt das Ehepaar noch gerne in den Erinnerungen. red

Heutzutage werden wahrscheinlich so viele Bilder gemacht wie nie zuvor. Schnell ist das Smartphone gezückt und der Moment festgehalten, sei es, um ihn mit Freunden zu teilen, oder einfach nur als Erinnerung. Etwas, das durch die digitalen Möglichkeiten aber teilweise in Vergessenheit geraten ist, ist das gute alte Fotoalbum. Warum es sich immer noch lohnt, Bilder und die damit zusammenhängenden Erinnerungen in einem Album zu verewigen, veranschaulicht das Ehepaar Fritz und Vreni Muster aus Burgdorf.

Eine Reise fürs Leben
Fast genau 70 Jahre ist es her, dass sich Fritz Muster und Vreni Gerber (heute Muster) auf eine einwöchige Motorradreise an die Riviera aufgemacht hatten. Die Reise führte von Burgdorf nach Marseille, über Nizza und Imperia nach Genua und schliesslich von Belgirate via Airolo zurück nach Burgdorf – eine Gesamtstrecke von 1787 Kilometern.
Einige Monate zuvor hatten sich die beiden in Kirchberg kennengelernt und nach einem gemeinsamen Essen, welches Vreni Gerber zubereitet hatte, war Fritz Muster klar: «Diese Frau muss ich haben.»
So wollte Fritz Muster die Chance nutzen, seine Freundin und zukünftige Ehefrau auf dieser Reise besser kennenzulernen. Das scheint auch bestens geklappt zu haben, denn ein Jahr später, also 1951, heirateten sie und sind auch heute noch ein glückliches Ehepaar. «Ich würde meinen Mann wieder heiraten», ist sich Vreni Muster auch knapp siebzig Jahre später noch sicher. Sie schwelgen nach wie vor in den schönen Erinnerungen, welche sie mit dieser Tour verbinden, und wissen: «Diese Reise hat uns definitiv enger zusammengeschweisst.»

Fritz Muster führte Buch
Am 30. Juli 1950 ging die Reise los. Frühmorgens starteten die beiden auf dem Jawa-Motorrad Richtung Marseille.
700 Kilometer mit einem Motorrad, mit dem man höchstens 80 km/h fahren konnte, wie Fritz Muster auch heute noch genau weiss. Autobahnen gabs damals noch keine. Trotzdem erreichte das Paar Marseille noch am ersten Tag. «Das war wirklich ganz speziell, dass man so etwas unternommen hat», lacht Vreni Muster heute. Für die Verpflegung sorgte damals Vreni Gerber selbst: Mit einem Meta-Kocher bereitete sie die Mahlzeiten zu, einmal sogar in einem Hotelzimmer, um Geld zu sparen. Im Fotoalbum wurde die Reise nicht nur auf Bildern festgehalten. Säuberlich hat Fritz Muster auch weitere Informationen erfasst, etwa den Benzinverbrauch, Ausgaben und einen Reisebericht. Gekrönt wurde die Reiseerinnerung mit einem selbst geschriebenen Gedicht. Während Vreni Muster das Gedicht vorliest, bewegen sich Fritz Musters Lippen mit – das langjährige Ehepaar kann das Gedicht auswendig. «Es ist eine schöne Erinnerung, die man im Leben nicht vergisst», sind sich Musters einig.

Abenteuer im Ausland
Im Gespräch erzählt das Ehepaar von abenteuerlichen Erlebnissen während der Reise. Etwa vom ersten Abend ihrer Reise in Marseille, wo sie ihr Hotel zuerst nicht finden konnten. Als sie schliesslich einen hilfsbereiten Ortskundigen gefunden hatten, gab Vreni Gerber den Platz für ihn frei und er zeigte Fritz Muster den Weg zum gesuchten Hotel. Fündig geworden, fuhr Fritz Muster schliesslich zurück, um seine Freundin wieder abzuholen.
Auch der Übertritt an der Grenze ist ihnen in Erinnerung geblieben. «Nachdem wir die Papiere gezeigt hatten, hat der Zöllner selbst die Barriere gehoben», erzählt Fritz Muster, zeigt die entsprechenden Bilder im Album und ergänzt: «Wir mussten wirklich auf alles vorbereitet sein.» Das wird auf einigen Bildern auch sofort ersichtlich, so landeten sie etwa bei der Rückkehr über den Sustenpass plötzlich im Schnee. Gekostet hat die Reise für zwei Personen damals 290 Franken, inklusive Benzin, Hotels und Verpflegung. Heute entspräche das rund 1240 Franken (laut LIK-Teuerungsrechner des Bundesamtes für Statistik).
Diese Motorradreise durch Frankreich und Italien ist aber nicht die einzige schöne Urlaubserinnerung des Ehepaars geblieben. Ihre Wohnung ist mit zahlreichen Bildern von gemeinsamen Ausflügen und Ferien geschmückt. Heute verreist das Paar nicht mehr weit weg, doch dank den vielen Bild- und Videoaufnahmen können die Erinnerungen zu Hause wiederbelebt werden.

Jung geblieben
Dass man dem mittlerweile 94-jährigen Fritz und der 89-jährigen Vreni Muster ihr Alter nicht ansieht, ist den beiden bewusst: «Wir werden oft zehn bis fünfzehn Jahre jünger geschätzt», lachen sie. «Es ist ein grosses Glück, dass es uns immer noch so gut geht.» Sicherlich hat es auch mit ihrem aktiven Lebensstil zu tun. Fritz Muster war jahrelang im Turnverein aktiv und ist immer noch jeden Tag mit dem Fahrrad unterwegs. Für die glückliche Beziehung haben sie ebenfalls ein Rezept parat: «Auch heutzutage ist miteinander zu sprechen  sicher das Wichtigste.»
Nächstes Jahr steht für die Familie Muster ein wahrlich festliches Jahr an: Vreni Muster wird 90 Jahre und Fritz Muster 95 Jahre alt, ausserdem feiern sie ihr 70-Jahr-Hochzeitsjubiläum und ein Grosskind heiratet.

David Kocher

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