«Tote Kuh» vor der Burgdorfer Stadtkirche

  09.09.2020 Aktuell, Foto, Burgdorf, Kultur

Wer den Weg zur Stadtkirche unter die Füsse nimmt, staunt nicht schlecht. Neben dem Eingang liegt eine Kuh, rot und wahrscheinlich bereits gestorben. Des Rätsels Lösung: Das holzige tote Tier gehört zum «Stadtrundgang Burgdorf 2020», welcher verschiedenste Eichenholz-Figuren des Künstlers Werner Neuhaus zeigt (weitere Informationen und einen Plan gibt’s auf der Website www.wernerneuhaus.ch).
Die Objekte selbst fertigte der Künstler mit der Motorsäge an, eigentlich nichts Aussergewöhnliches. Wer die Anfertigungen aber genauer betrachtet, kann sich vorstellen, mit wie viel Gefühl der Künstler die motorisierte Säge angesetzt hat. Unterwegs begegnet man den verschiedensten Figuren, die es dem Betrachter überlassen, was sie bedeuten. Dies ist auch die Intention des Künstlers: Neuhaus überlässt es dem Publikum, was es in den Figuren sieht. Auf dem Weg macht man Bekanntschaft mit einer Wolfs-Mensch-Frau, einem liegenden Gasmasken-Träger oder einem Trio vor dem Technikum, das an eine Gruppe von Studenten in einer Diskussion erinnert. Der Rundgang führt an die schönsten Orte in Burgdorf. Wer bei der alten Holzbrücke (innere Wynigenbrücke) startet, kann die Figuren entlang dem Emme­ufer, beim Schloss Burgdorf, in der Schmiedengasse, bei der Stadtbibliothek, der Stadtkirche, beim Technikum, im Stadtzentrum und in der Kornhausgasse bestaunen. Und auch unter der inneren Wynigenbrücke sind Figuren unter dem Dach angebracht, die es sich zu entdecken lohnt.
An der Organisation der Ausstellung ist neben Neuhaus auch der Kulturmanager Christoph Balmer von Pro Burgdorf beteiligt. Vor einiger Zeit entdeckte Balmer Neuhaus’ Figuren vor dem Franz-Gertsch-Museum. So entstand die Idee zur Ausstellung und wurde danach von einem engagierten Team umgesetzt. Dass die Ausstellung gefällt, zeigte sich auch an der Vernissage von vergangenem Samstag. Stefanie und Koni Kunz vom Kleidergeschäft Vestita: «Die Figuren sind gross­artig und regen zum Nachdenken an.»
Figuren im öffentlichen Raum sind mittlerweile nichts Neues mehr. Burgdorf nahm in dieser Beziehung jedoch schon früh eine Pionierrolle ein, bereits um 1970 wurden hier Kunstobjekte im öffentlichen Raum ausgestellt, zum ersten Mal in der Schweiz. Die Ausstellung von Werner Neuhaus knüpft also an eine bewährte Tradition an. Die Ausstellung dauert mindestens drei Monate, einige Objekte sind aber sicher noch länger zu sehen.

Roman Bertschi

 


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