Umbruch und Verjüngungskur für die Wizards Bern Burgdorf

| Mi, 16. Sep. 2020

BURGDORF: Routiniers weg, vielversprechende Talente da – Risiken und Potenziale der Wizard’schen Verjüngungskur. zvg

Simone Wyss ist eine der verbliebenen Stammkräfte. Die 29-Jährige weiss, worauf es nun ankommt. «Mit Mentalität und Teamgeist können wir allenfalls verlorene Qualität wieder wettmachen», sagt sie und weist gleichzeitig darauf hin, dass sie und ihre Teamkolleginnen nun womöglich etwas unterschätzt werden. «Wir haben nichts zu verlieren», sagt Wyss kämpferisch.
Bei den Wizards Bern Burgdorf hat ein Umbruch stattgefunden. Mirco Torri übernahm die Mannschaft im Sommer 2018. Seit Abbruch der vergangenen Saison versucht der Bündner, das neue Kollektiv zu formen: «Vom ursprünglichen Team sind nur gerade etwas mehr als zehn Feldspielerinnen geblieben, mittlerweile konnten wir das Kader mit Zuzügen aus dem eigenen Nachwuchs sowie gezielten nationalen und internationalen Transfers aufstocken.»

Die Wizards wollen wieder angreifen
Ein konkretes Ziel für die neue Saison will Torri nicht angeben: «Ich weiss noch nicht genau, wo wir stehen. Das Team hat ein neues Gesicht, aber mein bisheriger Eindruck ist sehr positiv. Wir wollen ambitioniert in die neue Spielzeit gehen. Es ist schon unser Anspruch, dass wir wieder ganz vorne mitspielen können. Die ersten Spiele der neuen Saison werden für uns eine Standortbestimmung.» Immerhin – zuletzt liess er den Verein sogar von einem Finaleinzug träumen. Bern Burgdorf beendete die Qualifikation auf dem hervorragenden dritten Rang und hatte sich beim Abbruch der Saison bereits souverän für die Play-off-Halbfinals qualifiziert. Ausserdem waren die Zauberinnen im Kalenderjahr 2020 noch ungeschlagen, nach doch sieben Qualifikations- sowie drei Play-off-Partien.
Wie sieht es nun um die Erwartungshaltung in Burgdorf aus? Sportchefin Sarah Renggli führt aus: «Wir müssen mit den Füssen auf dem Boden bleiben. Wir haben einige erfahrene Spielerinnen verloren und sind in einem Verjüngungsprozess. Ausserdem hat die Konkurrenz über den Sommer auch nicht geschlafen. Aber ich habe – nicht zuletzt aufgrund der Leistungen am Supercup – ein gutes Gefühl. Und selbstverständlich sind wir der Überzeugung, dass wir im Kampf um die vorderen Plätze ein Wörtchen mitreden können.»

Es tut sich was in Burgdorf
Nach vielen Jahren in gewohnter Konstellation und einem gewissen Mass an Sättigung weht in Burgdorf nun ein frischer Wind. Verteidigerin Sara Christen, die auf diese Spielzeit den Sprung aus der U21 ins Fanionteam geschafft hat, ist Sinnbild dieser neuen Identität: «Für uns Jungen eröffnete sich aufgrund des Umbruchs die Möglichkeit, den Schritt in die NLA zu vollziehen. Ich bin positiv überrascht, dass uns der Staff, aber auch die langjährigen Spielerinnen sofort ihr Vertrauen entgegengebracht haben. Das macht es natürlich viel einfacher, auf diesem Niveau Fuss zu fassen».
Man wolle dem Prozess zwei bis drei Jahre Zeit geben, entsprechend müssen die sportlichen Ziele fortan etwas vorsichtiger formuliert werden. «Priorität hat für uns die Entwicklung der Mannschaft und der einzelnen Spielerinnen. Unser Ziel ist es, dass wir wiederum über eine sattelfeste Defensive verfügen und danach unserer Offensive den Feinschliff geben können», betont Torri.
Ins gleiche Horn bläst Stürmerin Wyss, die bereits in ihre siebte Saison bei den Emmentalerinnen steigt: «Wir wollen Schritt für Schritt nehmen. Die einzelnen Rochaden haben uns gutgetan und die Neuen haben sich bestens integriert. Aber natürlich bedarf es nun an Geduld. Schlussendlich muss die Form dann in den Play-offs stimmen.»
In Anbetracht der Leistungen am Supercup, der spürbaren neuen Energie sowie dem fortwährenden Erfolgshunger wäre es jedoch alles andere als verwunderlich, wenn die Wizards Bern Burgdorf bereits diese Saison wieder für Furore sorgen würden. zvg

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