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Ausstellung und Dorfrundgang

| Di, 13. Okt. 2020

WYNIGEN: Die Ausstellung von alten Zeit-Dokumenten, Büchern und Gegenständen im Löschgerätemagazin und die Führungen durch den Dorfkern zeigen die Entwicklung des Dorfes während mehreren hundert Jahren auf. rst.

Die neunköpfige Arbeitsgruppe «Ortsgeschichte Wynigen» unter der Leitung von Fritz Schürch und Daniel Dähler befasst sich seit einiger Zeit mit der baulichen Entwicklung der Gemeinde. Ihr Ziel ist es, Ergänzungen zu den beiden Ortsbüchern «800 Jahre und 825 Jahre Wynigen» zu erarbeiten. Sie sammelt historisch wertvolle Dokumente und Objekte und unterstützt und berät Besitzer beim Sichten und Entziffern von alten Schriften. In einem ersten Schritt ist eine Broschüre erschienen, welche die Entwicklung des Dorfes vom Bahnhofquartier bis zur Dorfbrücke zeigt und die einzelnen Häuser porträtiert.
Zur Eröffnung des Dorfrundganges am vergangenen Samstag fanden sich die geladenen Gäste in der Kirche ein, wo sie von Fritz Schürch offiziell begrüsst wurden. Im Zuge der einleitenden Worte zur Ausstellung und dem zu erwartenden Rundgang nutzte er die Gelegenheit, den Sponsoren für ihre finanzielle Unterstützung zu danken.
Gian-Enrico Rossi, Pfarrer von Wynigen seit dem Jahr 2007, gab den Besuchern einen umfassenden Einblick in die Geschichte der Kirche, des Pfarrhauses und des Pfarrhausstöcklis. Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Kirche im Jahr 1275. Architektonisch trägt sie Spuren aus verschiedenen Epochen. Von den vier Kirchenglocken stammen deren drei aus dem  Jahr 1927, die vierte sogar aus dem Jahr 1619, genannt «Späckglogge», weil sie den Bauern die Zeit zum Essen anzeigte. Das 1630 erbaute Pfarrhaus gehört seit einigen Jahren der Kirchgemeinde Wynigen-Rumendingen. Das Ofenhaus-Stöckli von 1672, das heutige Pfarrhausstöckli, bildet zusammen mit dem Pfarrhaus eine geschlossene Baugruppe. Es diente ursprünglich als Ofenhaus, vermutlich für das ganze Dorf. Fritz Schürch gab beim anschliessenden geführten Rundgang von der Dorfbrücke bis zum Bahnhofquartier den Gästen viel Interessantes aus seinem Wissensschatz über Architektur und die bauliche Entwicklung des Dorfes preis. Wynigen ist bis heute ein Gewerbe-, Bauern- und Wohndorf ohne Industrie geblieben. Reine Wohnhäuser gab es lange Zeit gar keine. In den Gewerbe- und Dienstleistungsgebäuden, öffentlichen Bauten und Bauernhöfen befanden sich immer auch Wohnungen. Als älteste Bauten finden sich im Dorfkern die Kirche und das Pfarrhaus, der ehemalige Gasthof zum Wilden Mann, der Wildstock und der Dorfbrunnen. Das Bahnhofquartier entwickelte sich erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese Zeit steht im Zeichen der Eisenbahn, denn 1857 wurde die Strecke Bern–Olten eröffnet. Zu dieser Zeit erlebten die Menschen im Mittelland auch den Übergang von der «gelben Schweiz», die vom Getreidebau geprägt war, zur «grünen Schweiz», die für eine Landwirtschaft mit Viehzucht, Milchwirtschaft und der Produktion von Gras steht.
Fritz Schürch erinnert sich gerne an die Zeit seiner Jugend im Dorf, ans «Nyffeler Marthi» (1906–1998), dessen Lädeli zu den vorgegebenen Zeiten ohne Ferien bis 1992 immer offen war, in dem man alles kaufen konnte, und an das zur Strasse gekehrte Schaufenster, wo Hösli, Söckli und Nastüechli zum Verkauf ausgestellt hingen. Es war auch die Zeit, in der Zucker, Mehl, Gries, Reis und Teigwaren mit einem «Schüfeli» aus der Schublade in Papiersäckli abgefüllt wurden. Salz konnte man nur in der Salzbütti kaufen. Heute noch sichtbar auf der linken Seite des Wohnteils vom Kohler-Hof an der Dorfstrasse ist ein Ladenfenster. Dahinter befand sich die Salzbütti, welche bis in die 1970er-Jahre exklusiver Verkaufsort für Salz aus dem Staatsbesitz war.
Die momentane Ausstellung im Löschgeräte-Magazin zeigt eine Fülle von alten Dokumenten, Büchern und Gegenständen, die zur Ansicht zur Verfügung gestellt worden sind. Auch die Arrestzelle mit dem vergitterten Rundfenster, der Liegepritsche und der Eisentür mit der Essklappe ist erhalten geblieben und kann besichtigt werden. Bis in die 1970er-Jahre diente sie dem damaligen Polizeiposten im Dorf für das Festhalten von mutmasslichen Delinquenten und als Ausnüchterungszelle. Ausserdem ist ein 26 Meter langes Wolfsnetz aus dem 17. oder 18. Jahrhundert zu besichtigen. In der Broschüre ist zu lesen, wie der Wolf dem ausgelegten Garn entgegengetrieben wurde, bis er erlegt werden konnte.  
Ein Büchertisch gibt die Möglichkeit, die neu erarbeitete, umfangreiche Broschüre «Dorfrundgang Wynigen 2020» im A4-Format, die beiden Wyniger Jahrbücher und die Familienchronik der «Kohler von Wynigen», Teil 1 und Teil 2, der Autorin Trudi Kohler aus Pfäffikon zu erstehen.
Die Arbeitsgruppe ist weiterhin auf der Suche nach alten Flurnamen. Sollten sich in Nachlässen alte Dokumente in schwer lesbaren Schriften oder alte Pläne finden, werden deren Besitzerinnen und Besitzer ermuntert, sich bei den Leitern der Arbeitsgruppe zu melden: Fritz Schürch, Tel. 034 415 10 69 / E-Mail schuerch.fank@bluewin.ch,
oder Daniel Dähler, Tel. 079 394 66 42 / E-Mail daniel.daehler.wy@gmail.ch zu melden.

Rosmarie Stalder

Nächste Führungen und Öffnungszeiten im Oktober 2020:
Mittwoch, 14. Oktober, 17.00 – 20.00 Uhr
Freitag, 16. Oktober, 17.00 – 20.00 Uhr
Samstag, 17. Oktober 10.00 – 16.00 Uhr

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