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Das fantasievollste Hobby der Welt

| Di, 06. Okt. 2020

UTZENSTORF: Die 11-jährige Alena von Gunten verbringt einen grossen Teil ihrer Freizeit damit, Geschichten zu schreiben. red

Was gibt es Fantasievolleres und Kreativeres, als eine Geschichte zu schreiben? Orte können komplett erfunden oder bereits bestehende ausgeschmückt werden, Figuren werden aus dem Nichts erschaffen und fantastische Geschehnisse finden statt. Für Alena von Gunten gehört dies mittlerweile beinahe zum täglichen Leben. Ein Blick auf ein schönes Hobby, welches wahrscheinlich gar nicht so präsent ist, wie man meinen könnte.

Ein neues Hobby
Schon sehr früh hat Alena von Gunten ihre Liebe zum Lesen entdeckt. «Von klein auf habe ich mit meinen Eltern Geschichten gelesen», berichtet die junge Utzenstorferin. «Richtig gepackt hat es mich dann beim Buch ‹Die Kinder aus Bullerbü› (von Astrid Lindgren).» Danach hat sie sich der Harry-Potter-Reihe gewidmet und war begeistert. Begeistert aber nicht nur vom Inhalt der Geschichte um den jungen Harry Potter, der zum Zauberer ausgebildet wird, sondern vor allem auch von der Idee, dass man einfach so solche fantasievollen Geschichten erschaffen kann.
«Geschrieben hat Alena schon sehr früh, schon fast als sie die ersten Buchstaben schreiben konnte», lacht Mutter Tonia. Erste Kurzgeschichten veröffentlichte Alena etwa in ihrer eigenen Zeitung, welche sie in Utzens­torf an den Haustüren verkaufte. Im Mai 2020 erschien die fünfte Ausgabe «Alenas Zeitung über Utzenstorf», komplett mit einem Interview, einer Witzseite, einer Kurzgeschichte, einem Wettbewerb und echten Inseraten. «Es macht mir einfach Spass, eine Zeitung zu schreiben», berichtet Alena.

«Lowia von Stein»
Mit der Geschichte «Lowia von Stein» begann Alena von Gunten Ende 2019. Schon davor habe sie geschrieben, doch wollte sie endlich mal eine Geschichte fertigschreiben. Die erste Hälfte der Geschichte schenkte Alena ihrer Mutter zum Geburtstag, von Hand in ein kleines Buch geschrieben. «So zu schreiben war aber sehr zeitaufwendig und mühsam», berichtet Alena von Gunten. «Um weiterzuschreiben habe ich mir deshalb das Zehnfingersystem beigebracht.» Seitdem schreibt sie, je nachdem wo sie ist, am Computer oder von Hand. Tonia von Gunten hat ihre Tochter zum Weiterschreiben ermuntert und ihr damals versprochen, dass man aus der fertigen Geschichte ja ein Buch machen könnte. Nun liegt das Buch auf dem Tisch im Wohnzimmer, ganze 69 Seiten lang. «Eigentlich habe ich das damals gar nicht so ernst gemeint», schmunzelt Tonia von Gunten. «Aber sie hat einfach immer weitergeschrieben.» Erschienen ist das Buch im Blue Bubble Verlag von Alenas Eltern Stefan und Tonia von Gunten, in welchem diese bereits eigene Bücher veröffentlicht haben. So verfügt «Lowia von Stein» auch über eine ISBN-Nummer und ist im regulären Buchhandel erhältlich. «Zuerst haben wir 50 Exemplare gedruckt», so Tonia von Gunten. «Doch die waren schnell weg. Mittlerweile sind schon einige mehr verkauft worden.» Auch Alena von Gunten freut sich: «Ich habe auch schon Briefe von Lesern bekommen. Die meisten finden es cool und spannend.» Doch eine Karriere als Journalistin oder Autorin strebt Alena nicht an: «Ich möchte Kleintierärztin werden. Ich liebe Tiere und finde es auch spannend, was in den Tieren geschieht.»

Nichts für schwache Nerven
Auch wenn «Lowia von Stein» von einer 11-Jährigen geschrieben wurde, ist das Buch nicht unbedingt etwas für schwache Nerven. Die Handlung dreht sich um die namensgebende Lowia von Stein, eine 15-jährige Zirkusakrobatin. Auf der Suche nach einem Geheimnis aus ihrer Vergangenheit verschlägt es die Heldin von Österreich in die Schweiz nach Burgdorf, wo auch das Schloss Burgdorf eine wichtige Rolle spielt. Doch auch zahlreiche dunklere Themen werden in der Geschichte angesprochen wie etwa Selbstmord und schwere Krankheiten (echte und erfundene). «Ich mag es gerne dramatisch und möchte auch, dass man beim Lesen erschrickt und schockiert ist», so Alena von Gunten. Inspiriert wird die junge Autorin von ganz verschiedenen Dingen, so sieht sie das Schloss Burgdorf etwa regelmässig bei ihren Trainings im Hallenbad Burgdorf: «Ideen kommen oft plötzlich. Es muss halt einfach in die Geschichte passen.»

Tipps für angehende Autoren
Wer nun selber Lust kriegt, eine eigene Geschichte zu schreiben, für den haben Alena und Tonia von Gunten einige Tipps parat. Der wichtigste von allen kommt direkt von Alena: «Sich ein Blatt schnappen und einfach drauflosschreiben!» Aus der Sicht der Eltern gibt auch Tonia von Gunten einige wertvolle Ratschläge. «Man sollte bei den Kindern bloss nicht zu viel korrigieren. Darüber war auch Alena froh. Es muss schliesslich nicht perfekt sein. In der Schule müssen Kinder das tun, was sich Autoren und Lehrpersonen mal ausgedacht haben. Das schränkt die Lust am Schreiben ein,» ist Alenas Mutter überzeugt.
Alena von Gunten möchte auch andere zum Schreiben anregen: «Ich finde es cool, wenn andere auch schreiben. Es gibt schliesslich so viele verschiedene Bücher in unterschiedlichen Richtungen.» So tauscht sie sich etwa regelmässig mit einer Freundin aus, welche ebenfalls gerne schreibt.

Mehr Zeit zum Schreiben
Dass Alena etwas mehr Zeit zum Schreiben hat als andere Schülerinnen und Schüler in ihrem Alter, ist für sie ein Glücksfall. So wird sie nun im zweiten Jahr zu Hause im Homeschooling unterrichtet. «Ich lerne wirklich sehr gerne», erzählt Alena von Gunten mit glänzenden Augen. «Jetzt kann ich mich in Sachen vertiefen, die mich wirklich interessieren.» Vor der Coronapandemie wurden in der Schweiz rund 2500 Kinder zu Hause unterrichtet. Im Kanton Bern benötigen Eltern dazu die Anleitung einer pädagogisch ausgebildeten Person. Tonia von Gunten ist selbst Pädagogin und seit längerer Zeit in verschiedenen Bildungsbereichen tätig. Auch sie lobt das Homeschooling: «Alena ist Feuer und Flamme dafür. Wir halten uns an den Lehrplan 21 und lernen dabei mit Freude und Begeisterung. Wir haben auch einen Sohn, der weiterhin die reguläre Schule besucht.»
Alena von Gunten arbeitet schon am zweiten Teil: «Das nächste Buch soll dicker werden. Man lernt ja auch, mehr zu beschreiben und auszufüllen. Leserinnen und Leser können gespannt sein, in was für bedrohliche Lagen Lowia von Stein als Nächstes kommt.»
Doch Alena schreibt nicht nur viel, auch das Lesen kommt nicht zu kurz. Alle drei Wochen besucht sie die Biblio­thek Burgdorf für neuen Lesestoff, wie die junge Autorin verrät.

David Kocher

 

«Lowia von Stein – Blut ohne Wunde» von Alena von Gunten. ISBN: 978-3-9524454-4-0. Weitere Informationen auf der Website www.bluebubble.ch unter «Verlag & Shop».

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