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Schloss Burgdorf – zum ersten Mal beim Schweizer Schlössertag dabei

| Di, 06. Okt. 2020
Schweizer Schlössergag auf dem Schloss Burgdorf

Burgdorf: Mit einem abwechslungsreichen Programm zum Thema Gesundheit feierte das Schloss Burgdorf mit 24 andern bedeutenden Schweizer Schlössern. Der erste Grossanlass auf dem umgebauten Schloss bot Attraktionen für Gross und Klein, ein erfolgreicher Tag. hkb

Nach der erfolgreichen Schlosseröffnung im Juni 2020 war der Schweizer Schlössertag mit dem Titel «Bleib gesund» der erste grössere Anlass auf dem Schloss. Dieser bot zahlreiche Attraktionen und Erlebnisse für Gross und Klein. Die Gäste tauchten ein in vergangene Zeiten. Die Verantwortlichen dürfen auf einen erfolgreichen Tag zurückblicken.
Bereits die Vorbereitungen forderten das Museumsteam. Infolge der Covid-19-Schutzmassnahmen war die Besucherzahl beschränkt. Die Tickets wurden online und am Veranstaltungstag vor Ort verkauft. Im Schlosshof und dem Schlossgarten achteten die Gäste auf die Distanzregeln, im Innern des Schlosses wurden konsequent Masken getragen. Das Thema «Bleib gesund» passte zur aktuellen Pandemiesituation und wurde mit verschiedenen Aktivitäten akzentuiert.

Umgang mit Gesundheit und Hygiene im Mittelalter
Beim Schlosseingang stand ein mittelalterlicher Wächter, der sich bei den ankommenden Gästen nach ihrer Gesundheit erkundigte. Niemand Krankes sollte das Schloss betreten. Auf dem steilen Weg hinauf zur Jugi und zum Museum begegneten die Besucher/innen weiteren Figuren aus dem Mittelalter (alle vom Zähringervolk Burgdorf dargestellt), wie beispielsweise dem Pestarzt Hadrian oder einer Frau, welche am Brunnen frisches Wasser in Holzkessel schöpfte. Diese hängte sie an einen Stab, welchen sie über die Schulter legte, um das kostbare saubere Wasser nach Hause zu schleppen. Wer sich krank fühlte, erhielt von kräuterkundigen Beginen Hilfe. Diese Frauen führten ein andächtiges Leben, waren aber nicht an ein Gelübde gebunden wie die Klosterfrauen. Zusammen lebten sie – unabhängig von Männern, was damals sonst nicht möglich war – in einem Haus unter dem Schutz eines Klosters. Die «grauen Frauen» kochten Suppe für Mittellose, pflegten Bedürftige und verrichteten Jahrzeitgebete, die von den Angehörigen mit Geldspenden vergütet wurden. Im Schloss Burgdorf berieten sie Gäste und erklärten ihre natürlichen Heilmethoden.
Über die Wirkung von Kräutern sprach zudem eine Kräuterfrau, die mit ihrem pflanzengefüllten Korb im Schlosshof ihr Wissen feilbot. Bei einem Wildkräuterspaziergang erklärte ein Fachmann, was heute Gesundes rund ums Schloss wächst.  
An der Mitmachstation im Turmgarten standen Salz und getrocknete Kräuter bereit. Unter Anleitung wurden Tüten gefaltet und verziert. Jede Person konnte die Zutaten nach Wunsch mischen, mörsern und ein eigenes Kräutersalz, persönlich verpackt, mit nach Hause nehmen.
Viele Schlossgäste machten bei einem Parcours mit, bei dem sie mit hölzernen Unterschuhen aus dem Mittelalter, den Trippen, eine kurze Strecke gingen. Der Weg war wie damals mit Rossbollen (Pferdeäpfeln) verschmutzt.

Mit dem Zähringervolk Burgdorf an einer «mittelalterlichen Siechenschau»
Im Rittersaal folgte das Publikum einem Kurztheater aus dem Mittelalter. Eine Frau, die möglicherweise an Lepra erkrankt war, musste sich vom Infirmarius des Klosters Kreuzlingen kontrollieren lassen. Gemeinsam mit der Schultheissin und dem Stadtmedicus untersuchte dieser die Frau. Im Falle eines positiven Befundes hätte der Siechenvogt sie mit einer Maske, einem auffälligen Siechenkleid, einem Bettelstab und einer Rassel ausgestattet, damit sie als Kranke erkennbar gewesen wäre.

«Eine gefährliche Reise mit Henri Schiffmann» führte Familien ins letzte Jahrhundert
Ein edel gekleideter junger Mann rief im Schlosshof nach seinen Reisebegleitenden. Es war der 1872 im Kreuzgraben Burgdorf geborene Heinrich Schiffmann, der im Jahr 1901 zu seiner zweiten Weltreise aufbrach. Der junge Abenteurer konnte durch eine Erbschaft seinen Traum vom Reisen in die Tat umsetzen. Der tuberkulosekranke Schiffmann folgte damit auch dem Rat seines Arztes, der ihm zu frischer Luft riet, was seiner kranken Lunge guttun würde. Schiffmann sammelte neben Waffen zahlreiche Andenken aus allen Kontinenten und fotografierte leidenschaftlich. Während der fiktiven Reise mit den Schlossgästen gab er jedoch zu, dass viele Fotos nicht das wahre Leben der Eingeborenen zeigten, sondern teilweise im Studio mit verkleideten Menschen arrangiert wurden. Damit hätten sich Reisende gerne profiliert. Schiffmann kaufte sich als junger Mann in Ouchy am Genfersee ein grosses Anwesen, dessen Innenräume mit all ihren Schätzen im Museum Schloss Burgdorf nachempfunden wurden.
Schiffmann vermachte seine ethnografische Sammlung dem Gymnasium Burgdorf, das er als junger Mann selbst besucht hatte. Er legte damit den Grundstein für das Völkerkundemuseum. Wer die Reisen von Schiffmann miterleben möchte, kann das in einem Ausstellungsraum im Museum Schloss Burgdorf tun, wo neben seinen Waffen auch andere Andenken, die Fotoausrüs­tung und viele Fotos ausgestellt sind.
Natürlich blieb neben allen Aktivitäten in und ums Schloss auch Zeit für einen individuellen Besuch des Museums. Für das kulinarische Wohl der Besuchenden sorgte die Verpflegung im Restaurant, im Schlosshof oder im idyllischen Turmgarten.

Helen Käser

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