Ein interessanter Rundgang durch Zielebach

| Di, 12. Jan. 2021

ZIELEBACH. «D’REGION» hat sich vergangene Woche in der Gemeinde Zielebach umgesehen. red

In Zielebach wird fleissig geboren
Unterwegs in Zielebach fallen Vornamen von Neugeborenen auf, die an Hausfassaden angebracht sind: Svenja Giulia, Leano Luis, Eline Fabiana, Leon Janis, Lena Lou, Fynn, Nora und Kilian. Letzterer scheint sich besonderer Beliebtheit zu erfreuen, prangt doch dieser Vorname gleich drei Mal an einer Holzwand – immer begleitet von lustigen Tieren (Fisch, Pinguin und Frosch). Apropos Frosch: Frösche scheint es in Zielebach tatsächlich zu geben – oder gegeben zu haben. Auf einer Tafel steht nämlich weiss auf blau «Fröschacherweg», während sich dieses Strässchen bei Google Maps «Frösch­ackerweg» nennt (also nicht mit «ch», sondern mit «ck»). Drängen sich hier bezüglich der korrekten Schreibweise Schlichtungsverhandlungen auf? Auf der anderen Seite der sich durch Zielebach schlängelnden Dorfstrasse befindet sich der «Chilchacher» mit dem – gemäss Google Maps – «Chilchackerweg», der trotz des Namens nicht durch den Acker zu einer nahe gelegenen Kirche führt. Auch der Kilchweg im Norden von Zielebach führt nicht zu einem Gotteshaus, sondern zum Vereinshaus der Hornussergesellschaft Gerlafingen-Zielebach, die beweist, dass es durchaus Sinn machen kann, Kräfte interkantonal zu bündeln. Nur einen Steinwurf vom «Chilchacher» entfernt gibt ein Gebäude an der Dorfstrasse mit auffallender Glaswand Rätsel auf. «Benvenuti» steht auf einem Holzbrett geschrieben. Darunter eine Klingel und der Name Simone Kaufmann. Hier wird wohl Gastfreundschaft gepflegt, laden doch zwei mit Schaffellen ausgestattete Stühle kälteresistente Menschen zum Ausruhen oder Verweilen ein.

Bushaltestelle «Gemeindehaus»
Da und dort sind noch Hinweise auf die Adventsfenster zu sehen – wie etwa bei Familie Danja und Patrick Jörg mit ihren zwei Kindern (2. Dezember, Verzicht auf Umtrunk wegen Corona) sowie bei der Kompostieranlage Schneider (18. Dezember). Bei der Haltestelle «Gemeindehaus» steigen zwei winterlich gekleidete ältere Personen in den Bus der BSU-Linie 2, der hier im Stundentakt wegfährt und bis zur Endstation in Lommiswil in Obergerlafingen, Gerlafingen, Biberist, Solothurn und Bellach Halt macht. Die 2016 entstandene Sitzbank aus Holz – eingeritzt ist in Grossbuchstaben «Zielebach» –  ist mit zwei Ketten gesichert. Wegen Nachtbuben, welche die Bank stibitzen könnten? Wenige Meter von der Haltestelle «Gemeindehaus» entfernt befindet sich an der Schulhausstrasse 2 die nur montags und donnerstags für je zwei Stunden geöffnete Gemeindeverwaltung in einem alten Holzbau mit vorgelagertem Steinbrunnen. Die Schilder an den beiden Briefkästen sind in die Jahre gekommen. Der Zahn der Zeit hat beim Wort «Gemeindeverwaltung» den Buchstaben «v» ebenso «weggeknabbert» wie nebenan beim Schild «Strähl» die beiden letzten Buchstaben «hl».

«Rue des Fleurs» und Schulhaus
Zielebacher haben Humor. Dies zeigt sich an einer Holzwand mit Wintergesteck-Schmuck. Hier an der Schulhausstrasse 1 – es war das fünfte Haus seit Bestehen der Gemeinde und diente damals als Schulhaus – haben Stefan Schär und Stephanie Marti ein Strassenschild angebracht, auf dem «Rue des Fleurs» steht. An der Schulhausstrasse 5 steht ein altes, 1600 erbautes Alemannenhaus – auch Hochstudhaus genannt. Am Schulhausgebäude an der Schulhausstrasse 11 ist der eine von drei Briefkästen fein säuberlich angeschrieben mit «Schule untere Emme», «Schulhaus Zielebach», «N. Rothenbuehler», «Ch. Probst-Fischer». Ob es sich um «N. Rothenbuehler», «Ch. Probst-Fischer» oder ein anderes weibliches Wesen handelt, das hier soeben zur Türe rauskommt und mit einem Rucksack am Rücken sowie einer Migros-Einkaufstasche in der rechten Hand eleganten Schrittes dem Turnplatzweg entlanggeht? Hier in der Nähe ist einem gelben Wegweiser zu entnehmen, dass es zu Fuss nach Wiler 25 Minuten sind, nach Gerlafingen 30 Minuten und in die entgegengesetzte Richtung nach Ersigen 1 Stunde und 10 Minuten, nach Burgdorf 3 Stunden und 20 Minuten. Letzteres mag reizvoll sein, aber bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nur Hartgesottenen zu empfehlen.

Sehenswürdigkeiten in Zielebach
An der Oberdorfstrasse 13 fällt das prächtige Gebäude mit wehender Schweizerfahne auf. Heinz Schlichtings Hund «Newfy», ein Neufundländer, nimmt es hier mit der Bewachung ernst und bellt laut, wenn sich Unbekannte nähern. Bauer Fritz Begert an der Oberdorfstrasse 24 (gleich gegenüber) wirbt mit Bildern für sein Angebot an Kürbissen aller Art. Luftlinienmässig nahe liegt gleich dahinter im «Armewald» die «Bläji», ein schmaler, langer und gewundener Weiher, der sich durch den Grundwasseraufstoss gebildet hat. Ein weit grösseres Gewässer ist der in einem Naturschutzgebiet gelegene Entenweiher, der, umgeben von Gerlafingen und Wiler, auf Gemeindegebiet liegt. Zurück zur breitesten Strasse Zielebachs: Am Steinerhof an der Dorfstrasse 1 fährt so­-eben ein Traktor in Richtung Wald. Der Steinerhof gilt als Top-Adresse für Feiern aller Art (Taufen, Hochzeiten, Geburtstage, Firmenfeste), und das dazugehörende Ofenhaus bietet sich für Pizzaabende an. Das Chäsi-Beizli an der Dorfstrasse 13 bietet die Möglichkeit zum täglichen Einkauf. Das Haus nebenan von Leny Brügger stammt aus dem 17. Jahrhundert und war ursprünglich eine Bäckerei, die bis 1963 als solche von drei Bäckern betrieben wurde. 1963 kauften es die Eltern von Marianne Brügger, Vizepräsidentin von Zielebach. Sie machten ein Lebensmittelgeschäft daraus – einen typischen Tante-Emma-Laden. Seit 1997 ist der Laden nicht mehr in Betrieb.
 
Hingucker: Dorfstrasse 26 und 35
Auf der Liste der Zielebacher Kulturgüter ist auch das aus dem 18. Jahrhundert stammende ehemalige Doppelbauernhaus an der Dorfstrasse 26 aufgeführt, das ebenso ein Hingucker ist wie das Gebäude an der Dorfstrasse 35 von Jörg und Verena Kaufmann, die auch Kutschenfahrten anbieten. Hier tummeln sich im Wasser des kleinen Teiches Enten, von denen die zwei Hühner am Ufer jedoch kaum Notiz nehmen. Das Gebäude ist mit dem Berner Wappen und jenem von Zielebach dekoriert. Letzteres hat seinen Ursprung im Namen «Ziel der Bäche». Daraus entstand später der Name Zielebach und so das Wappen mit oben und unten grünen Matten sowie den Bächen in der Mitte. Als «schützenswerte Baudenkmäler» sind im Bauinventar des Kantons Bern unter «Zielebach» deren 18 eingestuft.

Naherholungsgebiet Zielebach
Viele Spaziergänger wählen aus allen Richtungen die Route über Zielebach. Jeden Tag begegnet man naturverbundenen Mitmenschen – allein, zu zweit oder als ganze Familien mit und ohne Hund. Die Wege durch das beschauliche Dorf mit Sicht auf den Weissenstein sind Erholung pur. Weiter geht es über Felder am Waldrand oder durch den Wald Richtung Emme. Wer mag, spaziert bis zum «Änteliweiher». Das ist abwechslungsreich und genau das Richtige nach einem hektischen Tag. An den Wochenenden herrscht reges Kommen und Gehen. Fazit: Zielebach ist eine Gemeinde, die etwas zu bieten hat.

Hans Mathys

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