«Die Solidarität seitens der Bevölkerung ist immens»

| Mi, 03. Feb. 2021

BURGDORF: Im Interview mit der «D’REGION» äussert sich Pro-Burgdorf-Geschäftsführerin Rahel Peña über die Konsequenzen der Pandemie. red

Die Zeitung «D’REGION» traf sich mit Rahel Peña, Geschäftsführerin von Pro Burgdorf, infolge der Corona-­krise zu einem Gespräch. Der Verein ist Ansprechpartner für Detaillisten, Dienstleister, Gastronomen und Gewerbetreibende. Zu den vielseitigen Aufgabenbereichen gehören unter anderem die Interessenvertretung der Mitglieder gegenüber der Stadt, die Vernetzung mit privaten Organisationen, Marketing-Aktivitäten sowie die Durchführung verschiedener Märkte. Im Interview gibt Rahel Peña Auskunft über die Stimmung der Mitglieder und die Aktivitäten von Pro Burgdorf seit Ausbruch der Pandemie und äussert ihre Wünsche für das Jahr 2021.  

«D’REGION»: Das vergangene Jahr war aufgrund des Ausbruchs der weltweiten Pandemie äusserst schwierig und anstrengend. Wie erlebten Sie als Geschäftsführerin von Pro Burgdorf diese Krise?
Rahel Peña: Nachdem die Nachrichten aus China Anfang 2020 immer beunruhigender wurden und die ersten Covid-19-Erkrankungen in Europa auftraten, realisierte ich, dass auch auf unseren Verein grosse Herausforderungen zukamen. Das gesamte Ausmass der Krise konnte ich mir damals aber nicht ausmalen. Für mich war unvorstellbar, dass infolge der Pandemie die meisten Geschäfte sowie die Schulen schliessen mussten und ein Lockdown angeordnet wurde.
Sehr beeindruckt hat mich, wie schnell sich die Wirtschaft und die hiesigen Unternehmen auf die Situation einstellten und wie flexibel sie auf die neuen Gegebenheiten reagierten. In Burgdorf entstanden innert kürzester Zeit neue Lieferangebote, Dienstleis­tungen und Kooperationsformen. Dieses Innovationspotenzial hat mir ungemein imponiert.
Das Schwierige an der gegenwärtigen Situation ist sicherlich die fehlende Planungssicherheit. Es fällt momentan schwer, langfristige Perspektiven zu entwickeln. Flexibilität ist weiterhin unumgänglich. Dies ist sehr herausfordernd und kann mitunter auch frus­trierend sein – etwa, wenn eine Veranstaltung geplant wird, die kurzfristig abgesagt werden muss, oder sich ein mit viel Aufwand entwickeltes Konzept unmittelbar nach der Fertigstellung bereits wieder als überholt erweist.

«D’REGION»: Momentan befinden wir uns in einem zweiten Teil-Lockdown. Wie ist die Stimmung bei den Mitgliedern von Pro Burgdorf?
Rahel Peña: Alle versuchen, sich so gut wie möglich auf die schwierige Situation einzustellen, die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern und – nach Möglichkeit – innovative und neue Wege einzuschlagen. Für Pro Burgdorf und unsere Mitglieder hat der Schutz der Bevölkerung natürlich oberste Priorität. Nur wenn die angeordneten Massnahmen und Schutzkonzepte gewissenhaft umgesetzt werden, gelingt es uns, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen. Davon profitieren langfristig alle. Die Stimmung bei den Mitgliedern variiert natürlich und ist sehr unterschiedlich. Die Ungewissheit, wie es weiter gehen wird, ist für alle enorm belastend. Das Gros der Mitglieder zeigt sich aber nach wie vor positiv gestimmt und blickt optimis­tisch in die Zukunft.

«D’REGION»: Pro Burgdorf ist Ansprechpartner für Detaillisten, Dienstleister, Gastronomen und Gewerbetreibende. Welche Bereiche leiden gegenwärtig besonders stark unter der Krise?
Rahel Peña: Die Gastronomie, Hotellerie, Reisebranche sowie der Event-,
Sport- und Kulturbereich inklusive Zulieferer sehen sich vor existenzielle Herausforderungen gestellt. Pauschalisierende Aussagen sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Betriebe in anderen Sparten trifft die Krise ebenfalls mit grosser Wucht – wie etwa Modegeschäfte. Letztlich stellt sich die Situation für jedes einzelne Unternehmen anders dar. Aus diesem Grund ist es kaum sinnvoll, branchenspezifische Verallgemeinerungen vorzunehmen.  

«D’REGION»: Ziehen alle Mitglieder an einem Strang oder spüren Sie auch gegensätzliche Interessen?
Rahel Peña: Wir alle wollen diese schwierige Zeit möglichst rasch hinter uns bringen und wieder nach vorne blicken. Dieser Wunsch verbindet alle Pro-Burgdorf-Mitglieder. Deshalb ist es unumgänglich, zusammenzustehen, und die Massnahmen gemeinsam zu tragen. Der Zusammenhalt untereinander ist gross und deutlich spürbar. Solidarität wird nach Möglichkeit gelebt.

«D’REGION»: Wie versucht der Verein Pro Burgdorf seit Ausbruch der Krise, seine Mitglieder zu unterstützen?
Rahel Peña: Grundsätzlich stehen wir immer für Anliegen zur Verfügung und helfen, wo wir können. In der ersten Phase – während des Lockdowns im März / April 2020 – stand die Informationsbeschaffung im Vordergrund. Wir erarbeiteten eine Übersichtsdarstellung mit allen Geschäftslokalen und Betrieben, die geöffnet bleiben durften beziehungsweise einen Lieferservice, Abholmöglichkeiten oder einen Online-Verkauf anboten, und publizierten die entsprechenden Angaben auf unserer Website. Auch in der gegenwärtigen Situation, in der erneut verschärfte Massnahmen gelten, finden die Kundinnen und Kunden der hiesigen Fachgeschäfte und Betriebe alle relevanten Informationen bequem unter www.proburgdorf.ch.
Im Sommer des vergangenen Jahres lancierten wir gemeinsam mit der Stadt die Aktion «Lueg, dass dr Taler deheim blibt». Sämtliche Haushaltungen erhielten eine kunstvoll geprägte Münze im Wert von einem Franken, die als Zahlungsmittel in den hiesigen Betrieben verwendet werden kann. Der Taler widerspiegelt Burgdorfer Werte und die Einzigartigkeit unserer Geschäfte: Er steht für Qualität, Wertigkeit, Präzision und Beständigkeit. Die Resonanz fiel äusserst positiv aus. Mit der Kampagne «Weihnachten 2020 findet statt – Burgdorf erfüllt Wünsche» rückten wir ebenfalls die Vorzüge des hiesigen Standorts ins Zentrum.
Die Aufgabe von Pro Burgdorf besteht darin, die Stärken des einheimischen Gewerbes aufzuzeigen und nach aussen zu kommunizieren. Unsere Stadt bietet ein unglaublich breites und reichhaltiges Angebot. Die Kundinnen und Kunden finden hier alles, was das Herz begehrt, und schätzen den persönlichen Kontakt mit den Inhaberinnen und Inhabern sowie den Angestellten. Die Geschäfte, Unternehmen und Restaurants tragen entscheidend zur hohen Lebensqualität in der Zähringerstadt bei. Die entscheidende Botschaft in der momentanen Situation lautet: Kaufen Sie regional ein, unterstützen Sie die lokalen Betriebe und profitieren Sie vom vielseitigen Warensortiment sowie den Freizeit- und Dienstleitungs­angeboten in unmittelbarer Nähe Ihres Zuhauses.
Weiter setzt Pro Burgdorf auch auf eine verstärkte Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen den Betrieben und Geschäften. Gerade in der Krise hat sich erneut gezeigt, wie wertvoll Ko­operationen und Nutzung von Synergien sind. Nur zusammen sind wir stark und erfolgreich. Dies wird auch in Zukunft ein Schwerpunkt unserer Arbeit sein.

«D’REGION»: Befürchten Sie irreparable Schäden für das hiesige Gewerbe und den Standort Burgdorf?
Rahel Peña: Diese Möglichkeit besteht leider. Das Ausmass der Schäden hängt natürlich davon ab, wie lange die momentane Situation noch andauert, wie rasch die finanziellen Hilfeleis­tungen für Härtefälle fliessen und ob die Unterstützungsmassnahmen von Bund und Kanton auch greifen und ausreichend bemessen sind.

«D’REGION»: Wie sieht die Situation in der Altstadt aus? Die dortigen Geschäfte erhofften sich ja neue Impulse durch die Eröffnung des Schlosses im vergangenen Jahr…
Rahel Peña: Die Schlosseröffnung im vergangenen Sommer war ein absoluter Höhepunkt. Das Schloss für alle mit Jugendherberge, Gastrobetrieb, Museum und Trauungslokal lockte zahlreiche neue Gesichter aus nah und fern nach Burgdorf, kurbelte den Tourismus an und führte zu einer spürbaren Belebung der Altstadt. Sobald sich die Corona-Situation wieder normalisiert, wird die positive Entwicklung weitergehen.

«D’REGION»: Gibt es – trotz Krise – auch Lichtblicke und positive Aspekte, die Sie zuversichtlich stimmen?
Rahel Peña: Der Aufruf, die lokalen Betriebe zu berücksichtigen, verhallte keineswegs wirkungslos, sondern fand enormen Widerhall. Die Solidarität seitens der Bevölkerung, aber auch der Stadt selbst und der Burgergemeinde, war und ist immens. Dies zeigt sich auch an den Verkaufszahlen der Pro Burgdorf Card, die sich gegenwärtig grösster Beliebtheit erfreut und für die Konsumentinnen und Konsumenten das einfachste und effektivste Mittel darstellt, um das hiesige Gewerbe zu unterstützen.

«D’REGION»: Pro Burgdorf organisiert auch Wochenmärkte und Spezialmärkte. Wie sieht die Situation in diesem Bereich aus?   
Rahel Peña: Der Wochenmarkt in der Burgdorfer Altstadt findet nach wie vor jeden Donnerstag und Samstag – natürlich mit einem entsprechenden Schutzkonzept – statt. Die Marktstände sind aufgrund der Abstandsregeln grosszügig über die ganze Schmiedengasse verteilt. Im Angebot steht ein breites Sortiment für den täglichen Bedarf, wobei ein besonderes Augenmerk auf saisonale Frischwaren und Produkte aus der Region gelegt wird. Die Auswahl wurde im vergangenen Jahr sogar noch vergrössert.
Der Wochenmarkt erfüllt ein grosses Bedürfnis und wird sehr gut besucht. Während des Lockdowns im vergangenen Jahr erhielten die Marktfahrenden zahlreiche Bestellungen für Heimlieferungen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Bevölkerung die Qualität und Frische enorm schätzt.
Betreffend Organisation von grösseren Spezialmärkten prüfen wir natürlich alle Optionen. Verlässliche Aussagen sind gegenwärtig nicht möglich – wir müssen abwarten, wie sich die Lage in den nächsten Wochen weiterentwickelt.

«D’REGION»: Was wünschen Sie sich für das Jahr 2021?
Rahel Peña: Ich persönlich wünsche mir, dass wir alle gemeinsam die Krise bewältigen und schon bald wieder persönliche Begegnungen in einem unbeschwerten und fröhlichen Rahmen möglich sind – sei dies anlässlich eines Konzerts, eines privaten Festes oder bei einem feinen Abendessen im Restaurant. Weiter wünsche ich allen eine gute Gesundheit, Durchhaltevermögen und die notwendige Zuversicht, um diese schwierige Zeit zu überstehen.

«D’REGION»: Was können Sie den Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmern mitteilen, die schon lange dem nächsten Burgdorfer Nachtmarkt entgegenfiebern?
Rahel Peña: Ihr seid nicht allein, auch wir vermissen die vollen Gassen und den Nachtmarkt. Sobald es die Situation zulässt, wird dieser natürlich wieder stattfinden. Bis dahin schwelgen wir in farbigen und unterhaltsamen Erinnerungen und freuen uns schon jetzt auf den Zeitpunkt, wenn es wieder heisst: Altes, Neues, Kunst, Kitsch und Sounds am Burgdorfer Nachtmarkt.

 

Markus Hofer

www.proburgdorf.ch

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