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Viele Steine und ein wenig Gold

| Mi, 13. Okt. 2021

LÜTZELFLÜH: Der Verein Goldkammer Schweiz lud zusammen mit Geologe Dr. Michael Soom zu einem Streifzug durch das Flussbett der Emme ein. zvg

Dass man in den Bächen des Luzerner Napfgebietes und des Emmentals Gold finden kann, ist seit Langem bekannt. Weniger interessant scheint die Suche nach dem raren Edelmetall in der Emme zu sein. Natürlich wird man beim Goldwaschen im Emmental kein eigentliches Vermögen anhäufen. In der Emme wird der Ertrag auch bei längerem Einsatz mit Waschpfanne und Schleusen eher bescheiden sein. Aber dies hat bei den meisten Goldwäschern/-innen keinesfalls Priorität. Es ist eigentlich fast eine sinnliche Tätigkeit mitten in der Natur, begleitet vom ewigen Rauschen des Wassers. In dieser natürlichen Umgebung offenbart sich dem Auge vor allem zuerst die unglaubliche Vielfalt von Steinen, die meistens rund geschliffen von ihrem Weg durch das Gewässer vor uns liegen. Gerade dieses Zusammentreffen von sichtbarem Gestein und dem gut verborgenen Gold wurde vergangenen Samstag Interessierten eindrücklich vor Augen geführt. Der Verein Goldkammer organisierte unter der Leitung von Werner Lüthi und dem Geologen Dr. Michael Soom einen äusserst interessanten Streifzug in der Emme bei der Gohlhausbrücke Lützelflüh. Schaufeln, Waschpfannen und Schleusen lagen einsatzbereit am Ufer und ebenso eine ausgebreitete Militärblache, um gesammelte Steine zu sortieren und ihre mögliche Herkunft zu bestimmen. Werner Lüthi orientierte die altersmässig durchmischte Gruppe über die Handhabung der Goldwäscher-Utensilien und relativierte zugleich zu grosse Erwartungen an eine mögliche Goldausbeute. Die Schleusen wurden nun im fliessenden Wasser positioniert und regelmässig mit Kies befüllt. Später entdeckte man die winzigen Goldflitter in den Gummirillen. Hier wie auch in den Wasch­pfannen gestaltete sich die «Ernte» des Goldes als äusserst knifflige Angelegenheit, braucht es dazu doch gute Augen und bestes Fingerspitzengefühl. Denn in den Bächen des Emmentals und Entlebuchs findet sich das Gold in Form von mehr oder weniger bescheidenen Flittern. Dr. Michael Soom erläuterte dann die Herkunft und die Winzigkeit der Goldflitter in der Region. Das Edelmetall wurde vor circa zehn Millionen Jahren als Flussablagerung verfrachtet, in winzige Teilchen zerrieben und wird jetzt wieder aus dem Nagelfluhgestein herausgewaschen. Das Gebirge hatte damals eine völlig andere Form. Die Wasserscheide befand sich weiter südlich, wo Goldvorkommen eingeschlossen waren, und ein Flusssystem schuf ein grosses Delta, in dem heute Emme und Aare fliessen. Das alte Märchen von der Goldader im Napfgebirge kann man also vergessen. Winzig, aber von ausserordentlichem spezifischem Gewicht, im Gegensatz zu Steinen und anderen Metallen, setzen sich die Goldflitter an bestimmten Stellen im Fliessgewässer nieder. Vor allem dort, wo sich die Fliessgeschwindigkeit an der Innenseite einer Biegung oder nach Hindernissen verlangsamt. Unglaublich klein sind sie, die wenigen Goldflitter in den Waschpfannen und Schleusen. Aber auch ohne Sonnenschein leuchten die winzigen gelben Sterne im übrig gebliebenen dunklen, feinen Sand und man versteht auf einmal die Faszination der Menschheit für das edle Metall. In der Ausstellung des Goldmuseums des Vereins Goldkammer im Schloss Burgdorf wird das Thema Gold in der Schweiz übrigens umfassend dargestellt.
Wer nicht mit Goldwaschen beschäftigt war, sammelte Steine im Flussbett, welche nach eigenem Gutdünken interessant schienen. Schliesslich auf der Plane ausgebreitet, begutachtete der Geologe Dr. Soom die Steine, sortierte sie nach ihrer Herkunft oder Beschaffenheit und erklärte mit wissenschaftlichen Informationen die Fundstücke. Das kurze Eintauchen in das einzigartige Thema Steine offenbarte einige Facetten aus der langen Entstehungsgeschichte unserer Erde und macht uns bewusst, wie unglaublich kurz unser Dasein im Vergleich zum Gestein ist.

Henry Oehrli

www.goldkammer.ch

 

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