Feine Hände und ein genaues Auge

  12.04.2023 Aktuell, Kirchberg, Foto, Kultur, Gesellschaft

In Kirchberg und Umgebung ist Daniel Künzli für seine Kunstwerke aus Holz bestens bekannt. Das neuste Kunstwerk seines Schaffens hat er vor seinem Haus ausgestellt und es verdeutlicht das Können des Kirchbergers. Daniel Künzli hat nämlich sein Elternhaus, welches er selbst bewohnt, in Miniaturgrösse nachgebaut. Wer an den beiden Häusern, sowohl dem Original als auch dem detailgetreuen Miniaturbau, vorbeigeht, bemerkt augenscheinlich die Genauigkeit und die Präzision. Jedes noch so kleine Detail des Nachbaus stimmt mit dem 1923 erbauten Haus an der Eystrasse überein. Doch wie kam Daniel Künzli auf die Idee, sein Elternhaus nachzubauen? «Ich sah im Internet, dass jemand das Dach seines Hauses in Miniaturgrösse auf den Briefkasten gestellt hat. Da wusste ich, dass ich das auch versuchen will. Es genügte mir jedoch nicht, nur das Dach nachzubauen, ich wollte das ganze Haus anfertigen», erzählt der 69-Jährige lächelnd.
Als gelernter Schreiner kennt und schätzt Daniel Künzli den Umgang mit Holz und bringt das nötige Können und die Affinität für solche Kunstwerke mit. «Ich stamme gewissermassen aus einer Künstlerfamilie, schon mein Vater bastelte gerne und war jeweils in der Werkstatt aktiv.» Genau zu arbeiten sei wohl in seinen Genen. Das Talent im Umgang mit Holz zeigte sich bei Daniel Künzli schon in jungen Jahren. «Schon mein Lehrer sagte mir stets, dass aus mir ein Schreiner werden würde», erinnert er sich. Der Lehrer sollte recht behalten.


Nichts ist nicht umsetzbar
Der Miniaturnachbau seines Elternhauses ist das neuste in einer ganzen Reihe von Kunstwerken. Für Daniel Künzli gilt der Grundsatz, dass für ihn mit Holz grundsätzlich jede Idee irgendwie umsetzbar ist. Er weiss um seine Fähigkeiten, bringt aber auch die nötige Ausdauer und Geduld mit für jeweilige langwierige Vorhaben.
Ob ein Brettspiel, ein Nachbau seines Motorrads oder Tischkärtchen für Feierlichkeiten, Daniel Künzlis Werke decken eine grosse Bandbreite ab. «Die Leute kommen jeweils mit einer Idee auf mich zu. Ich tüftle dann gerne daran herum. Das Schönste ist, wenn ich mit dem vollendeten Werk jemandem eine Freude bereiten kann», so der ehemalige Hauswart des Elsaesser-Areals. Sein Hobby nimmt manchmal ziemlich viel Zeit in Anspruch. Mit dem Miniaturbau seines Elternhauses begann Daniel Künzli im Oktober 2022, im Februar 2023 konnte er es, pünktlich zum 100-Jahr-Jubiläum des Gebäudes, fertigstellen. Zahlreiche Stunden verbrachte er in seiner eigenen kleinen Werkstatt. Das Resultat kann sich definitiv sehen lassen. Daniel Künzli ist fasziniert von der Vielseitigkeit der Möglichkeiten, was mit Holz alles gemacht werden kann. So erstaunt es nicht, dass auch der Esstisch oder die Treppe in seiner Wohnung aus seiner Hand stammen. «Holz ist eine sehr warme Materie, das gefällt mir. In meiner Wohnung könnte ich niemals Laminat verlegen. Auch mit Eisen möchte ich nicht arbeiten.» Noch eindrücklicher macht Daniel Künzlis Schaffen die Tatsache, dass er für seine Miniaturbauten keine Pläne fertigt oder Messungen vollzieht, sondern einzig und allein sein Augenmass dafür verwendet. «Ich schaue das Original an und mache dann alles aus dem Kopf heraus», bestätigt der Vater zweier erwachsener Söhne.
Für dieses Hobby ist eine gewisse Detailversessenheit eine Voraussetzung. «Man muss auch etwas perfektionistisch veranlagt sein», gesteht Daniel Künzli schmunzelnd.
Seinem Hobby geht der Rentner fast wie einer herkömmlichen Arbeit nach. Morgens um 8.00 Uhr steht er in seiner Werkstatt und sägt, schleift und bohrt. Es folgt eine Mittagspause, danach wird erneut bis gegen Abend gesägt, geschliffen und gebohrt. «Ich kann nicht einfach nichts machen», lacht Daniel Künzli, «ich muss stets etwas tun».

Handwerkliches Geschick
Ist er doch einmal nicht in seiner Werkstatt beschäftigt, ist Daniel Künzli als langjähriges Mitglied eines Minigolf-Clubs auf den Minigolfbahnen anzutreffen. Auch dort kommt sein handwerkliches Geschick zum Zuge: «Ich überziehe die Schläger zahlreicher Spielerinnen und Spieler mit 8 Millimeter dicken Gummistücken, welche zuvor genau geschliffen und zugeschnitten werden müssen.» Auf sein Können wird in der Szene vertraut: Um dies zu veranschaulichen zieht Daniel Künzli in seiner Werkstatt eine Schublade eines grossen Regals aus, zum Vorschein kommen zahlreiche Minigolfbälle. «Darunter sind auch diejenigen von Europameis­terinnen und Vize-Europameistern, für die ich die Schläger präparierte», erklärt er stolz. Die Frage, wer das elegante Möbel mit den Schubladen, welche an Minigolfbahnen erinnert, hergestellt hat, stellt sich nicht. Die Antwort ist klar.

Joel Sollberger


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