Das Geheimnis des Doktor Knock

  03.05.2023 Aktuell, Foto, Region, Vereine, Kultur, Gesellschaft

Das zahlreich erschienene Premierenpublikum wartete am vergangenen Freitag gespannt darauf, was die Mitglieder der «Bühne» Lyssach unter der Regie von Davina Siegen­thaler Hugi wohl einstudiert hatten.

Der Siegeszug der «modernen Medizin»
Im Mittelpunkt des Theaterstücks stand der ehrgeizige Doktor Knock, der dem alternden Arzt Dr. Parpalaid die ländliche Praxis abgekauft hatte. Zu seinem Leidwesen musste er feststellen, dass die Leute des gesamten Bezirks so kerngesund waren, dass sie weder für Krankheit, Seuchen noch Geburt und Tod einen Arzt benötigten. Als guter Menschenkenner, der sein Wissen in bare Münze umzuwandeln verstand, wusste Doktor Knock sich jedoch bestens zu helfen: Die Gemeinde-Ausruferin Louise brachte er durch Schmeichelei auf seine Seite, den Lehrer durch Einschüchterung, den Apotheker durch die Aussicht auf lukrative Geschäfte und die Landbevölkerung durch Gratis-Sprechstunden. Ganz nach dem Motto «Ein gesunder Mensch ist ein kranker, der noch nicht weiss, dass er krank ist» verwandelte er innerhalb kürzester Zeit die ganz und gar gesunde Bevölkerung in ein Heer von Dauerpatienten – so erfolgreich, dass die wenigen Stimmen des Widerstands gegen den Siegeszug der «modernen Medizin» nicht die geringste Chance hatten.

Bis ins Detail liebevoll ausgearbeitete Rollenporträts
Mit dem 1923 uraufgeführten Werk hat sich «die Bühne» Lyssach ein Stück ausgesucht, das mit seiner Karikierung einer Medizingläubigkeit, die jeglichen gesunden Menschenverstand ins Abseits drängt, durchaus auch heute noch etwas zu sagen hat. Regisseurin Davina Siegenthaler Hugi hat die satirische, zuweilen fast grotesk anmutende Geschichte dieses Verführers, der seine Kundschaft geschickt in eine regelrechte Massenpsychose führt, konsequent umgesetzt. Da sind in erster Linie die insgesamt 15 Amateurspieler/innen zu nennen, die allesamt mit liebevoll und sorgfältig bis ins Detail ausgearbeiteten Rollenporträts überzeugten. Aber auch die Bühnenbilder (Davina Siegenthaler Hugi) – insbesondere der wie ein expressionistisches Gemälde wirkende, bewegende Hintergrund im ersten Akt – zusammen mit all den zweckentfremdeten Gegenständen trugen das Ihrige zum Eindruck einer verzerrten Wahrnehmung der Wirklichkeit bei, die auch auf die Betrachtenden eine spannende Wirkung hatte. Nicht zuletzt war auch bei den Kostümen (Eveline Rinaldi) wunderbar zu sehen, wie sich die farblich klare, bunte Welt der «Gesunden» nach und nach in eine durch einen weissen Schleier getönte pastellfarbene Welt der Dauerpatienten verwandelte, in der die Geldverdienenden und der (aus zwei Leuten bestehende) «Widerstand» letztlich wie farbige Fremdkörper wirkten.

Andrea Flückiger
Vorverkauf und weitere Informationen unter www.buehne-lyssach.ch.


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