Ein Ort von Schönheit und innerem Frieden

  02.08.2023 Aktuell, Foto

Noch immer erinnert sich Christian Studer, diplomierter Landwirt mit Meisterdiplom und diversen Zusatzausbildungen, an die Worte seines Ausbildners auf der Rüti in Zollikofen: «Land ist ein nicht zu vermehrendes Gut.» Die mahnenden Worte und seine lebenslange Freude an Bäumen haben Christian Studer zeitlebens begleitet und sein Handeln bestimmt.
 
Faszinierendes Baumkreis-Buch
«Bäume sind mir seit meiner Kindheit sehr wichtig. Damals sicher wegen der Früchte», erinnert sich Studer. «Ein Baum fasziniert mich noch heute, wegen seiner Gestalt, seiner Art, seinem Wachstum, seinem Jahreszyklus und dem, was wir von ihm lernen können.» Er hätte auf seinem Landwirtschaftsbetrieb Brunnenhof in Grafenried schon immer gerne eine grössere Baumanlage gehabt, aber der damalige Baumbestand sei mit den Jahren immer weniger und altersschwach geworden. Langsam habe sich gezeigt, dass eine völlig neue Anlage nötig werde.
Als er im Jahr 1994 seine heutige Partnerin Thesi Anneler kennenlernt, ist sie von seinen Plänen begeistert. Gemeinsam beginnen sie mit der Planung eines neuen Baumparks auf seiner nicht weit vom Hof gelegenen, 5000 m² grossen Parzelle am Riedweg. Gemeinsam haben Thesi Anneler und Christian Studer Bäume in Gärtnereien und Baumschulen besichtigt, sich so umfassend wie möglich informiert
und sind auf ein Buch von Michael Vescoli gestossen: «Keltischer Baumkreis. Träumerei über den Menschen, die Zeit und die Bäume». Darin wird die Bedeutung der Bäume bei den Kelten thematisiert und ihr Baumhoroskop. Letzteres beinhaltet 22 verschiedene Bäume, die ihre Zeitperioden haben.
 
Beeindruckende Mammutbäume
«Das alles hat uns bestens gepasst», so Studer. «Die Realisation eines solchen Baumparks setzt ein Viereck voraus, dafür war passendes Gelände vorhanden. Gepflanzt haben wir zwei Reihen à neun Bäume und zwei Verbindungen mit je zwei Bäumen, total 22 Bäume. Dazwischen befinden sich Freiflächen, genau wie im vorderen Teil der Parzelle. Hier haben wir Obstbäume gepflanzt, was uns ebenfalls ein Anliegen war.»
Studer erwähnt alte Obstsorten wie Grafensteiner, Berner Rose, Goldparmäne und viele mehr, die sie in Zäziwil kaufen konnten. Weiter wachsen im Baumpark Birnen der Marken Williams, Conference, die gute Luise sowie Obstbäume mit anderen Früchten wie Zwetschgen, Pflaumen, Mirabellen, Reineklauden und mehr.
Weil immer noch Platz vorhanden gewesen ist, haben die zwei Pioniere 1996 einen asiatischen Ginkobaum und zwei Mammutbäume gepflanzt. Während der Pflanzung haben sie darauf geachtet, dass alle Bäume genügend Platz (10 x 12 m) für die normale Ausbildung ihre Krone erhalten – was sich bewährt hat: «Am meisten beeindruckt hier die Ulme mit ihrem Volumen. Auch die zwei Mammutbäume ähnelten seinerzeit zwei Weihnachtsbäumen unter zwei Metern Höhe. Heute beträgt der Umfang des grösseren Mammutbaums rund vier Meter und die Höhe beider Bäume rund 20 Meter.»
 
Schon grössere Bäume gepflanzt
«Ich habe seinerzeit Urs Anliker, Senior-Chef der Seeland Baumschulen, erklärt, dass wir nicht nur kleinste Bäumchen setzen möchten, sondern gerne bei normaler Lebenserwartung die Bäume mit ihren arttypischen Stämmen und Rinden kennenlernen möchten. Das ist erfreulicherweise mehr als eingetroffen. Das Baummaterial hat sich als ausgezeichnet erwiesen. Wenn wir wegen Schneedruck oder Sturm und Blitzschlag Bäume ersetzen mussten, kam der Ersatz erfreulich gut. Es gibt keinen Baum, der endlos ‹kümmert›. Einige Bäume mussten wir auf Hügel setzen, weil ihre Wurzeln bereits das Grundwasser erreicht hatten», führt Studer weiter aus. Er erwähnt das unterschiedliche Lebensalter der Bäume, das bei einer Pappel zwischen 80 bis 100 Jahre liegt, bei einer Eiche 800 bis 1000 oder mehr Jahre und bei einem Mammutbaum noch wesentlich mehr (bis zu 3000 Jahre) betragen kann.
 
Offen nach Absprache
Christian Studer vermietet den Baumpark ab und zu für gesellige Anlässe wie Geburtstage, Hochzeiten, Jubiläen, Vereinsanlässe oder er vermietet ihn an Schulen oder Vereine. Auch die Amtsburger und der Gemeinderat von Fraubrunnen haben sich bereits vom Keltenbaumpark beeindrucken lassen. Wenn gewünscht, bietet Studer auch Führungen mit entsprechenden Erklärungen zu den Bäumen und dem Keltischen Baumhoroskop an. Bei manchen Anlässen haben die Gäste ein Zelt aufgestellt und Catering kommen lassen. Eine fest installierte Toilette ist vorhanden. Der Aufenthalt lohnt sich während der Baumblüte, im Sommer und während der Erntezeit. Auch im Herbst, wenn sich das Laub färbt, ist ein Aufenthalt im Baumpark ein wahrer Genuss.
Vom Hochsitz (sieben Meter hoch) in der Mitte des Baumparks hat man einen guten Überblick auf den Baumbestand und darüber hinaus bis zum weit entfernten Horizont. Burgdorf mit seinen drei Sandsteinflühen ist gut sichtbar.
 
Nachfolger noch offen
Die Frage nach Pflege und Unterhalt des Baumparks beantwortet der 72-jährige Christian Studer wie folgt: «Ich bin im Sommer mindestens einen Tag pro Woche im Baumpark beschäftigt. Ich mache es nach wie vor gern. Es ist für mich sowohl Erholung als auch Arbeit. Schade ist, dass wir bis jetzt keine Nachfolger gefunden haben, die den Park einmal weiterführen. Die Aufgabe ist mit viel Idealismus verbunden; es ist kein Geschäft, das Geld abwirft. Aber die Atmosphäre im Park ist einmalig, die Luft auch im Hochsommer wesentlich kühler als rundherum. Der Aufenthalt unter den Bäumen macht frei, macht glücklich, die Aura stimmt.»

Gerti Binz

 


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