Ein Abenteuer durch den Süden Afrikas

  21.01.2026 Fotoalben, Foto, Region, Gesellschaft

Nun bin ich schon über vier Monate unter­wegs. Imani, meine Landrover-Lady, und ich haben rund 11 000 Kilometer zurückgelegt. Meine Prüfung zum Safariguide habe ich bestanden und beim Spurenlesen habe ich das zweithöchste Level erreicht. Wahrscheinlich werde ich ja nie als Guide arbeiten, aber es gibt mir Sicherheit, wenn ich allein unterwegs bin. Ich habe mir viel Wissen über Tiere und Pflanzen angeeignet und kann nun bei­spielsweise erkennen, welche Tiere mich in der Nacht direkt neben meiner Imani besucht haben. Mein Interesse an der afrikanischen Wildnis ist nun noch grösser als zuvor, alles ist so spannend und es gibt soviele interessante Facts. Zum Beispiel, dass die Zunge einer Giraffe 45 Zentimeter lang ist und dass das Tier rund 18 Stunden am Tag frisst. Elefanten fressen rund 5 Prozent ihres Körpergewichts. Somit frisst ein 6 Tonnen schwerer Elefant rund 300 Kilogramm Gras, Blätter, Wurzeln und kleine Zweige. Davon werden nur circa 45 Prozent verwertet, der Rest, rund 135 Kilogramm, kommen dann als Dung wieder raus. Zum Glück gibt es die Mistkäfer, die Dung aus rund 80 Metern Entfernung riechen und für eine rasche Verwertung sorgen. Sie formen Ballen aus Dung, das Weibchen legt dann seine Eier hinein. Der Ball wird weggerollt und vergraben, da er dem Nachwuchs als Nahrungsquelle dient. Der Gabelschwanzdrongo, ein Vogel, kann Alarmrufe mehrerer Tiere imitieren. Unter anderem den Alarmruf der Erdmännchen. Dies tut er, wenn diese gerade eine Beute aufgespürt haben. Sie lassen von der Beute ab und rennen in ihr Versteck. So hat der Drongo leichtes Spiel und schnappt sich den Leckerbissen – echt clever. 
Die Ausbildung war anstrengend und ich kam zwischendurch an meine Grenzen, aber es hat sich absolut gelohnt. Gerade jetzt, während ich das schreibe, pfeift ein Vogel hinter mir. Ohne ihn zu sehen, weiss ich, dass es der Graukopf-Buschwürger ist.
Weihnachten und Neujahr verbrachte ich in Mozambique. Das Land mit seinen fröhlichen Menschen, seinen Farben, den tollen Stränden, dem guten Fisch und der lebensfrohen Musik hat mich sofort begeistert. Ich schlenderte über den Markt von Vilanculos, schwamm mit Schildkröten und schaute stundenlang den Fischern zu, wie sie den Fisch einbrachten und direkt am Strand an Lodgebesitzer verkauften, und plapperte mit den Fischerfrauen. Aber Mozambique hat auch eine andere Seite: Die Korruption ist omni­präsent. In zwei Fahrtagen kam ich durch 27 Radar- und Polizeikontrollen. Immer wurde ich nach kleinen Gaben wie kühlen Getränken oder auch Geld gefragt. In einer Radarkontrolle hat es mich dann erwischt, es war eine 60er-Zone. Sie zeigten mir die Kamera, mit meinem Auto, darunter stand die gemessene Geschwindigkeit: 67 Kilometer pro Stunde. Ich sollte 1000 Meticais bezahlen, das sind rund 13 Franken. Diese gab ich ihnen auch. Als ich nach einer Quittung fragte, meinten sie nur, sie hätten hier draussen kein Quittungsbuch, ich solle jetzt doch fahren. Das sah ich anders und schnappte mir das Geld, das immer noch in der Hand des Polizisten steckte, und sagte: «Ohne Quittung kein Geld.» Ich weiss nicht, ob der Polizist mehr entsetzt oder amüsiert war, dass ich mich das getraut hatte. Nach kurzer Diskussion einigten wir uns auf 300 Meticais ohne Quittung. In der Regel mache ich bei solchen Korruptionsspielen nicht mit. Ich war aber mehr als neun Stunden unterwegs und wollte nur noch ankommen. Später stellte ich fest, dass der Kamerabeweis ein Fake gewesen war. Merkwürdigerweise waren verschiedene andere Touristen, die in die gleiche Radarfalle getappt waren, auch genau 67 Kilometer pro Stunde gefahren! Eins muss man ihnen lassen: Einfallsreich sind sie, die Polizisten in Mozambique.
Anfang Januar ging ich zurück nach Südafrika. An der Grenze kam dann eine unangenehme Überraschung. Da ich zwischenzeitlich nicht in der Schweiz gewesen war, gab es fürs neue Jahr keine erneuten 90 Tage Aufenthaltsbewilligung. Es blieben mir gerade sieben Tage. Dies warf meine Pläne, im Februar ab Kapstadt zu verschiffen, über den Haufen. Und wie es halt so ist, eine Panne kommt selten alleine. Meine Speditionsfirma, mit der ich nach Kapstadt verschifft hatte, existierte in dieser Form nicht mehr. So musste ich mir auf die Schnelle einen neuen Verschiffungspartner suchen, den ich zum Glück nach wenigen Tagen fand. Imani wird Ende Februar nun ab Walvis Bay (Namibia) nach Basel verschifft. 
Meine letzten sieben Tage in Süd­afrika nutzte ich, um die Venda-Dörfer im Norden der Provinz Limpopo zu besuchen. Hier stiess ich auf ein ganz anderes Afrika. Extrem grün, hügelig, teilweise nebelverhangen und mit einigen heiligen Seen und Wasserfällen. Die Vendas sind bekannt für ihre tollen Holzschnitzereien und Keramikarbeiten. Ich besuchte mehrere Kunstateliers und kaufte meine ersten Souvenirs. Unter anderem war ich bei einem Metallkünstler. Er sucht auf Schrottplätzen nach Altmetall und gestaltet daraus richtige Kunstwerke. Nach dem Glauben der Vendas stehen die Künstler in Verbindung mit den Seelen der Ahnen. Diese liefern ihnen die Inspirationen für ihre Kunstwerke. Naja, da mussten die Ahnen doch etwas sehr verwirrt gewesen sein, als sie ihn dazu inspirierten, auch Donald Trump aus Altmetall zu kreieren. Da macht für mich Nelson Mandela als Gefangener auf Robben Island deutlich mehr Sinn und meine gekauften Kunstwerke, ein Elefant und ein maisstampfender Bauer, gefallen mir deutlich besser. Der Ahnenkult ist übrigens sehr wichtig in der Venda-Kultur. Deshalb werden Kinder und alte Menschen sehr geschätzt. Kinder waren erst vor Kurzem bei den Ahnen und ältere Menschen werden es bald sein. 
Inzwischen bin ich wieder in Botswana, wo ich übermorgen meine Mutter und Kurt, ihren Mann, treffe. Sie kommen mich besuchen und wir werden die nächsten zwei Wochen zusammen verbringen. Danach bleibt mir noch ein knapper Monat, um Namibia zu erkunden. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Text und Bilder: Claudia Buschor


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