Gewässerrichtplan «Emme Unterlauf»

  28.01.2026 Aktuell, Region, Natur, Burgdorf

Burgdorf verdankt seinen Namenszusatz «Stadt im Emmental» der Emme, die meist gemächlich, gelegentlich jedoch wie ein wilder Strom durch die Stadt fliesst. Die Emme hat zusammen mit der Ilfis eine Gesamtlänge von rund 100 Kilometern und ihr Einzugsgebiet in den Kantonen Luzern, Bern und Solothurn umfasst knapp 1000 Quadratkilometer.
Der Kanton Bern ist gesetzlich verpflichtet, für die Emme einen Gewässerrichtplan (GRP) zu erarbeiten. Dieser definiert die Entwicklung des Flusses in den nächsten 30 Jahren, ist also ein wichtiges Steuerungselement. Der GRP regelt die Massnahmen in den Bereichen Hochwasserschutz und Ökologie. Er stimmt unterschiedliche Interessen aufeinander ab und ist Schnittstelle für Landwirtschaft, Grundwasser, Wassernutzung, Wald und Naherholung. Damit soll Planungssicherheit geschaffen und sollen künftige Projekte schneller umgesetzt werden. 25 Prozent der entstehenden Kosten tragen die Gemeinden. 
Im Oberlauf der Emme ist der Richtplanprozess seit 2024 im Gange. In einem partizipativen Prozess haben Vertretungen der Gemeinden, Schwellenkorporationen, Behörden und Interessenverbände die Themen definiert. Der Oberingenieurkreis IV koordiniert diesen Prozess, der nächstes Jahr abgeschlossen wird. Vergangene Woche startete, gestützt auf die Erfahrungen im Oberlauf, die Bearbeitung des GRP  für den Emme-Unterlauf zwischen Rüderswil und Bätterkinden. 
Die geladenen Gäste aus den Gemeinden, dem Kanton, dem Bundesamt für Umwelt, der Landwirtschaft, sowie aus Wasserbau- und Umweltverbänden zeigten grosses Interesse an der Informationsveranstaltung von vergangener Woche.

Grundlagen, Ziel und Zweck des Gewässerrichtplans
Patrick Maurer, Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern, Tiefbauamt, Oberingenieurkreis IV, erklärte, dass der partizipative Prozess beim Erstellen eines GRP bedeutend sei. Die Planung und Ausführung werden in verschiedene Etappen aufgeteilt. Die erste begann mit dieser Informationsveranstaltung und beinhaltet die Erarbeitung der Grundlagen. Dazu müssen alle Interessengruppen angehört werden, damit der GRP breit abgestützt ist. In einem zweiten Schritt wird ein Leitbild erstellt, in einem dritten werden die Massnahmen unter fachlicher und politischer Begleitung erarbeitet und danach beschlossen. Im vierten Schritt, voraussichtlich im dritten Quartal 2029, wird der GRP mit der Genehmigung durch den Regierungsrat abgeschlossen. Dann ist er behördenverbindlich und hat für die nächsten drei Jahrzehnte Gültigkeit.
Der Kanton verfolgt eine Strategie für die ganze Länge der Emme. Dazu gehören Themen wie der Geschiebetransport, der Hochwasserschutz oder die ökologische Längsvernetzung. Konkret bringt der GRP für den Emme-Unterlauf Planungssicherheit und speditivere Umsetzungen von Projekten. Der Lead liegt beim Kanton, was die Gemeinden entlastet. Zudem liefert der GRP Grundlagen für die Subventionen von Wasserbauprojekten der Wasserbauverbände.
Georg Heim, Bereichsleiter Wasserbau des Kantons Bern, wies auf den Handlungsbedarf im Bereich Hochwasser hin. Für Burgdorf sei die Lochbachbrücke eine Schwachstelle, die bei massivem Hochwasser zu Überschwemmungen im Siedlungsgebiet der Stadt führen könne. Aufgrund der Dämme entlang der Emme finde das Wasser keinen Weg zurück in sein Bett. Verschiedene Nutzungsinteressen wie Stromgewinnung, Landwirtschaft oder die Natur (beispielsweise die wachsende Biberpopulation) verlangen Kompromisse. Damit habe er nur ein kleines Spektrum an Themen erwähnt, so Heim. Er erwartet die Beteiligung aller Interessengruppen. Zudem müsse die Gefahrenkarte revidiert werden, was subventionsrelevant sei. Er wies darauf hin, dass die Anwesenden nach den Referaten ihre Ideen, ihre Erfahrungen und ihre Bedenken mit Post-its auf einer Landkarte der Emme positionieren sollen. 
Das Herzprodukt des GRP wird eine Landkarte der Emme sein, welche die Spielregeln in jedem Abschnitt für die nächsten 30 Jahre definiert. Sie ist der zentrale Leitfaden. 
Nach dem Informationsanlass über den GRP genossen die Anwesenden einen Apéro und führten Gespräche.

Text und Bilder: Helen Käser


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