Anlass zum Thema «Wie sicher ist die Schweiz?»
28.01.2026 Politik, Politik, RegionAm Montag, 19. Januar 2026, lud die FDP Emmental alle politisch Interessierten zu einem öffentlichen Anlass ins Klangtheater in Burgdorf ein. Das Thema lautete: «Wie sicher ist die Schweiz?». Andreas Wyss, Präsident der FDP Emmental, durfte als prominente Gäste die beiden Berner Regierungsräte Philippe Müller (FDP), Vorsteher der Sicherheitsdirektion, und Pierre Alain Schnegg (SVP), Direktor der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion, sowie Raphael Lanz (SVP), Stadtpräsident von Thun und Mitglied des Grossen Rats, begrüssen. Alle drei befassen sich unter verschiedenen Aspekten intensiv mit dem Thema Sicherheit. Moderiert wurde der Anlass von Markus Hofer, Geschäftsführer der Zeitung «D’REGION».
Alarmierende geopolitische Lage
In seinem Inputreferat ging Sicherheitsdirektor Philippe Müller auf die Sicherheitssituation auf internationaler, nationaler und kantonaler Ebene ein. Die geopolitische Lage bezeichnete er als alarmierend. Demokratische Staaten, so Müller, gerieten weltweit immer stärker unter Druck, während sich autokratische und diktatorische Regime auf dem Vormarsch befänden. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine herrscht in Europa wieder Krieg. Die gegenwärtige Situation erinnere an die 1930er-Jahre. In diesem Kontext erachtet Philippe Müller sicherheitspolitische Passivität als grob fahrlässig. Angesichts des Gefahrenpotenzials sei es unumgänglich, dass die Schweiz sofort massiv in ihre Sicherheit und Verteidigung investiere – auch wenn dies mit hohen finanziellen Kosten verbunden ist. Um seine Positionen zu unterstreichen, zitierte er einen Ausspruch des ehemaligen SP-Bundesrats Willi Ritschard: «Die Schweizer sind ein Volk, das früh aufsteht, aber spät erwacht.» Regierungsrat Müller hofft, dass die Schweiz nicht zu spät erwachen wird.
Auch innenpolitisch gelte es, sich gegen Gefahren zu wappnen. Zustände wie in Belgien oder in Schweden, wo Bandenkriminalität eskaliert und verbrecherische Clans immer mehr an Macht gewinnen, wünsche sich in der Schweiz niemand. Ebenso entschieden müsse gegen Cyberkriminalität, gewalttätige Demonstrierende, Gewaltverbrechen und
Hooligans vorgegangen werden. Zur Verbrechens- und Kriminalitätsbekämpfung müssten die gesetzlichen Mittel ausgeschöpft und bestehende Gesetze allenfalls verbessert werden.
So fordert Müller unter anderem eine Verlängerung der Ausschaffungshaft, Rückübernahmeabkommen mit weiteren Ländern und legislative Massnahmen, um gegen Gewalttätige bei unbewilligten Kundgebungen vorgehen zu können. Als bedenklich bezeichnet der Regierungsrat die Tendenz, dass sich der demokratische Prozess immer mehr von den Parlamenten in den Gerichtssaal verlagere. So würden notwendige gesetzliche Anpassungen im sicherheitspolitischen Bereich nicht auf dem politischen Weg, sondern mit juristischen Mitteln bekämpft. Insgesamt, so Müller, seien der Kanton Bern und die Kantonspolizei gut gerüstet, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Herausforderungen für unser
Gesundheitssystem
Essenziell für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ist ein gut funktionierendes Gesundheitssystem. Die Covid-19-Pandemie, erläuterte Regierungsrat Pierre Alain Schnegg, habe aufgezeigt, dass die Schweiz in der Lage ist, flexibel auf Krisen zu reagieren. Alle einheimische Patientinnen und Patienten konnten damals in unserem Land behandelt werden. Der Kanton Bern stellte sogar Betten für Erkrankte aus anderen Kantonen und Staaten zur Verfügung, deren Gesundheitssystem an Grenzen stiess. Die Pandemie lasse sich allerdings nicht mit dem schrecklichen Grossereignis in Crans-Montana vergleichen, bei dem die Verletzten sofort eine Spitalbehandlung benötigt hatten. Aber auch in dieser Situation haben sich gemäss Pierre Alain Schnegg das hiesige Gesundheitssystem und die schweizweite Zusammenarbeit bewährt. Alle Schwerverletzten konnten in den hiesigen Spitälern sofort stabilisiert und versorgt werden. Das Insel-Spital behandelte zahlreiche Opfer des Brandunglücks. Weitere Notfall-Patientinnen und -Patienten wurden sofort in andere kantonale Spitäler überwiesen. Die Schweiz stehe im internationalen Vergleich gut da.
Sorgen bereitet dem Gesundheitsdirektor dagegen der demografische Wandel in Kombination mit dem Fachkräftemangel. Die Lösung für die damit verbundenen Herausforderungen sieht er in der Ambulantisierung und im 4+-Regionen-Modell im Kanton Bern. Letzteres sieht eine Reduktion von bisher sechs auf vier Regionen vor, nämlich Bern-Mittelland, Berner Oberland, Biel-Seeland / Berner Jura und Emmental-Oberaargau. Das Ziel lautet, Kooperationen zu fördern, Doppelspurigkeiten abzubauen, Ressourcen zu schonen, das Kostenwachstum einzudämmen und eine integrierte, abgestufte Versorgung sicherzustellen. Auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen trage dazu bei, die Effizienz zu steigern und die Kosten in den Griff zu bekommen. Einen weiteren problematischen Aspekt stellt gemäss Pierre Alain Schnegg die Medikamentenknappheit dar. Für die Pharmaindustrie sei die Schweiz kein attraktiver Markt. Deshalb müssten gewisse Prozesse überdenkt werden. Es sei nicht zielführend, wenn unser Land spezifische Normen definiere, die nicht mit den europäischen Standards kompatibel sind und für Pharmaunternehmen Mehraufwand und Mehrkosten verursachen.
Die sicherheitspolitische Bedeutung der Stadt Thun
Raphael Lanz steht der Stadt Thun, die traditionell eng mit der Armee verflochten ist, seit mittlerweile 16 Jahren als Stadtpräsident vor. In der Zähringerstadt des Berner Oberlands befindet sich der grösste Waffenplatz der Schweiz. Stationiert sind dort unter anderem die Lehrverbände Panzer und Artillerie sowie Logistik. In seinen Ausführungen hob der Stadtpräsident die sicherheitspolitische Bedeutung des Standorts Thun hervor, die weit über die Region und den Kanton hinausreicht. Im Bereich Cyberabwehr und -sicherheit nimmt der von der RUAG geschaffene C5I-Campus eine bedeutende Rolle ein. Dieser dient als Innovationszentrum für hochsichere IT-Systeme. Weiter befindet sich in Thun das armasuisse-Technologiezentrum «Wissenschaft und Technologie» (W+T) des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), wo zukunftsweisende Lösungen für die Sicherheit der Schweiz entstehen und unter anderem auch im Bereich Drohnen geforscht wird. Die armasuisse arbeitet bei Forschungsprojekten zudem eng mit dem ETH-Bereich Empa zusammen. «In Thun bildet sich gegenwärtig ein Cluster von Projekten und Unternehmungen mit entscheidenden Schlüsselkompetenzen in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit, die auch für den zivilen Bereich von grösster Wichtigkeit sind», so Stadtpräsident Lanz. «Als Planungsbehörde versucht die Stadt möglichst günstige Bedingungen und Voraussetzungen zu schaffen, um diese Entwicklung zu fördern. Davon profitiert letztlich die gesamte Schweiz.»
Die drei Gäste beantworteten Fragen des Moderators sowie des Publikums. Philippe Müller, Pierre Alain Schnegg sowie Raphael Lanz treten als Kandidaten bei den anstehenden Regierungsratswahlen im Kanton Bern an. Zum Abschluss des Anlasses stellte Andreas Wyss, Präsident der FDP Emmental, zudem die anwesenden Kandidierenden der FDP sowie weiterer bürgerlicher Parteien für die Grossratswahlen vor.
Text: Markus Hofer
Bilder: zvg

