Die bürgerlichen Parteien künden Kandidatur für das Stapi-Amt an

  27.05.2026 Politik, Burgdorf

Das Bündnis «Bürgerliches Burgdorf», bestehend aus FDP, Die Mitte und SVP, wird bei den Burgdorfer Gemeindewahlen im November 2028, also in ungefähr zweieinhalb Jahren, mit einer eigenen Kandidatur für das Amt des Stadtpräsidenten antreten. Dieser Entscheid sei das Resultat einer intensiven politischen Standortbestimmung, heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Weiter schreiben die drei Parteien: «Das Bündnis ist überzeugt, dass Burgdorf 2028/2029 nach zwölf Jahren unter Stefan Berger einen politischen Neuanfang braucht. Bereits seit längerer Zeit fehlt der heutigen Stadtführung die notwendige Dynamik, Prioritäten zu setzen und Projekte konsequent durchzuziehen. Viele Burgdorferinnen und Burgdorfer haben zunehmend den Eindruck, dass in unserer Stadt zwar viel geplant und diskutiert wird, konkrete Projekte am Ende aber zu oft nicht oder nur verzögert umgesetzt werden. Deutlich zeigt sich dies bei der Schulraumproblematik. Trotz den seit Jahren erkannten Entwicklungen fehlt bis heute eine überzeugende Gesamtstrategie.» 
Mit der Ankündigung wolle man den Wählerinnen und Wählern bereits heute signalisieren, dass sich die bürgerlichen Parteien einen politischen Wechsel beim Stadtpräsidium zum Ziel setzen, erläutert Alt-Gemeinderätin Charlotte Gübeli von der Mitte-Partei auf Anfrage der Zeitung «D’REGION». Sie amtiert als Wahlleiterin des überparteilichen Komitees. 
Bei den letzten Gemeindewahlen im November 2024 verzichteten die Bürgerlichen auf eine eigene Stapi-Kandidatur. Dieser Entschluss habe bei der Basis zu kritischen Rückmeldungen geführt, da den Wählerinnen und Wählern keine echte Auswahl präsentiert wurde. Stadtpräsident Stefan Berger setzte sich damals deutlich gegen den chancenlosen Aussenseiter Jonas Lauwiner durch, selbst ernannter «König von Burgdorf», der ohne Unterstützung der etablierten Parteien zur Wahl angetreten war. 
Im Gespräch mit der Zeitung «D’REGION» führt Charlotte Gübeli aus, dass das aufwendige Stadtpräsidiums-Amt viel Kraft und Energie koste – und dass sich mit der Zeit unweigerlich gewisse Ermüdungserscheinungen einstellten. In seiner Medienmitteilung verweist das bürgerliche Bündnis deshalb auf den Beschluss des Stadtrats aus dem Jahr 2024, die Amtszeit künftiger Stadtpräsidentinnen und Stadtpräsidenten auf maximal zwölf Jahre zu beschränken. Auch wenn dieser Entscheid nicht rückwirkend gelte, widerspiegle er einen breit abgestützten politischen Grundsatz. Deshalb beabsichtigen die bürgerlichen Parteien, frischen Wind in die Stadtpolitik zu bringen und eine glaubwürdige Alternative zur heutigen Stadtführung aufzustellen. Wer 2028 für das Bündnis als Kandidatin bzw. Kandidat für das Stapi-Amt antritt, steht gegenwärtig aber noch in den Sternen. 

Stefan Berger will es nochmals wissen
Beim Bündnis Rot-Grün-Mitte, bestehend aus SP, Grüne und EVP, sind die Würfel dagegen bereits gefallen. Stefan Berger gab auf Anfrage der Zeitung «D’REGION» bekannt, dass er gewillt ist, im November 2028 nochmals als Kandidat für eine vierte Amtsperiode als Stadtpräsident ins Rennen zu steigen. «Die Arbeit für unsere Stadt bereitet mir nach wie vor grosse Freude. Wir haben viele wichtige Projekte aufgegleist, die ich gerne weiterführen möchte. Ich bin bereit, auch über 2028 hinaus Verantwortung zu übernehmen und mich erneut dem Vertrauen der Wählerinnen und Wähler zu stellen», hält er fest. 
Anette Vogt, Präsidentin der SP Burg-dorf, betont den bisherigen Leistungsausweis von Stefan Berger und weist die Kritik der Bürgerlichen an dessen Amtsführung entschieden zurück: «Der Stadtpräsident ist topmotiviert und voller Tatendrang – von Ermüdungserscheinungen ist nichts zu spüren.» Sie weist darauf hin, dass bei den Gemeindewahlen 2028 drei Mitglieder des Gemeinderats infolge Amtszeitbeschränkung nicht mehr zur Wiederwahl antreten dürfen. Es sind dies Beatrice Kuster-Müller, EVP, Theo-phil Bucher, Grüne, sowie Francesco M. Rappa von der Partei Die Mitte. 
Anette Vogt hält fest, dass angesichts dieser Ausgangslage infolge personeller Wechsel automatisch für frischen Wind gesorgt werde: «Deshalb ist es umso wichtiger, eine gewisse Kontinuität in der Stadtführung sicherzustellen. Gegenwärtig stehen in Burgdorf zahlreiche Grossprojekte an. Stefan Berger ist mit allen Geschäften bestens vertraut und hat sich tief in die Materie eingearbeitet. Er ist die geeignete Persönlichkeit, um die Übersicht zu behalten und die Grossprojekte kompetent weiterzuführen bzw. erfolgreich zum Abschluss zu bringen.» Bereits bei der Nachanalyse zu den Wahlen 2024 einigte sich gemäss Anette Vogt das Bündnis von SP, Grüne und EVP auf eine erneute Kandidatur von Stefan Berger: «Links-Grün-Mitte steht geschlossen hinter ihm», betont sie. 
Auch wenn bis im Herbst 2028 noch viel Wasser die Emme hinunterfliessen wird, lässt sich bereits heute festhalten: Die kommenden Burgdorfer Gemeindewahlen versprechen, spannend zu werden.

Text: Markus Hofer/zvg
Bild: zvg


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