«Im richtigen Moment am richtigen Ort»
23.09.2026 Kirchberg, Gesellschaft, RegionEin ganz spezieller, atmosphärischer Abend fand am vergangenen Donnerstag in der Kirche Kirchberg statt. Die reformierte Kirchgemeinde hatte im Rahmen ihrer Vortragsreihe «Konkret – mein Weg» eingeladen und begrüsste das Publikum aus der erweiterten Region mit geschulter Lautsprecherstimme. In kurzen Zügen wurde der Talk-Gast Adolf Ogi als «inspirierende Persönlichkeit, als Mann von Welt, der in den Bergen verwurzelt ist», vorgestellt. Er habe die Schweiz geprägt und Wirkung weit über die Landesgrenzen hinaus erzielt. Auf die Frage von Moderator Paul Hulliger, wie er ihn anreden solle, lautete die Antwort: «Eifach nume Ogi.» Auf keiner seiner Visitenkarten seien seine zahlreichen Auszeichnungen, seine Ehrendoktortitel, die Mitgliedschaften in namhaften Vereinigungen, die Ehrenbürgerschaften oder die Stationen seines politisch-beruflichen Werdegangs erwähnt. «Das ist das Besondere an Ogi: Er bleibt nahbar», betonten zu Beginn der Veranstaltung angesprochene Besuchende, die wie alle Beteiligten im Publikum erleben wollten, ob der 1942 in Kandersteg geborene, spätere Politiker immer noch so «aufgestellt» ist wie früher. Ulrich Hegnauer als Dirigent der MG Kirchberg-Ersigen und Daniel Wirtschi von der früheren MG Lyssach etwa hatten wegen des berühmten «Ogi-Marsches» Kontakt zum Namensgeber. An private Berührungspunkte mit ihm erinnerten sich die beiden Utzenstorfer Jules Weber und Martin Gasche. Die zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besuchern drückten ihre Freude am farbigen Erzählstil des Politikers mit grossem Beifall aus. Allgemeines Urteil: «Er het sy Sach guet gmacht.» Oder als filmische Einspielung: «Mir hei ihn schuderhaft gärn gseh, wenn er im Fernseh cho isch.»
Beispielloser Lebensweg
Ganz kurz erwähnt seien hier wichtige Ereignisse auf seinem Lebensweg, der ihn nach der obligatorischen Schulzeit und der Handelsschule in La Neuveville zu einem Industriepraktikum nach England führte. Seine Sprachkenntnisse kamen ihm danach in der Leitung des Verkehrsvereins Meiringen-Hasliberg zugute. Schon als 31-Jähriger wurde der sportliche Mann zum Direktor des Schweizer Skiverbandes gewählt. Damit war er gerüstet für die im Jahr 1981 übernommene Leitung von Intersport. Ogi trat der SVP bei und wurde nach achtjährigem Wirken im Jahr 1987 bereits in den Bundesrat gewählt. Als Vorsteher des Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartements setzte er sich – auch auf Wunsch der am flüssigen Durchgangsverkehr interessierten Nachbarstaaten – für die Umsetzung der «Neat», der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale, ein. Im Jahr 1995 übernahm er das Militärdepartement in der schwierigen Zeit des Jugoslawienkriegs und setzte sich für die Entsendung der SWISSCOY ein. Auf die Frage der Schreibenden an Ogi am Rande der Versammlung, wie er denn die jetzige milliardengestützte Neutralitätsinitiative beurteile, hielt er sich mit der Bemerkung zurück, er sei lange genug Politiker gewesen. Noch kurz angefügt: Von 2000 bis 2007 war Ogi Sonderberater der UNO für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden.
Der Optimist: Lieber Chancen statt Probleme sehen
Moderator Hulliger vertiefte mit etlichen Schwerpunkten aus Ogis Leben die Erkenntnis, dass hier der «richtige Mann zum richtigen Moment am rechten Ort» gestanden hatte. Ogi selbst würdigte die Vorbildfunktion seiner Eltern und deren Förderung, da sie ihm beigebracht hatten, «lieber Chancen als Probleme» zu sehen. Auf spannende Art und Weise gab er etliche Episoden zum Besten, etwa die Auseinandersetzungen mit Finanzminister Otto Stich um die Neat. Erwähnt wurden ebenso sein unvergessener Ratschlag zum Stromsparen beim Eierkochen und das Gespräch mit Claude Nicollier im Weltraum, das zur national bekannten Aussage «Freude herrscht!» und schliesslich zur gleichnamigen Stiftung im Jahr 2011 führte. Ogi erläuterte die Ziele und Prinzipien der gemeinnützigen Stiftung, die sich an den Grundsätzen seines im Jahr 2009 verstorbenen Sohns Mathias orientiert und Kinder und Jugendlichen Bewegung und Sport näherbringen will. Es gab noch viele weitere private und öffentliche Einblicke in das Leben des geschätzten Einwohners von Fraubrunnen, der zwar, wie er betonte, mit «Leib und Seele» auch Kandersteger geblieben sei. Abschliessend unterstrich er seine persönlichen Wegmarken für ein gutes Leben, die aus Gesundheit, der Pflege von Interessen, der Hilfe für andere und der Unterstützung der Politik – «aber nicht etwa im ‹Drischnurre›» – bestehen. «Wir wollen dankbar sein für jeden Tag und den Frieden, den wir hier erleben.»
Text und Bilder: Gundi Klemm

