Matthias Steiner holt Gold an den WorldSkills 2026
07.10.2026 Region, Aefligen, Lyssach, Bildung / SchuleIn Shanghai konnten zwei junge Berufsleute aus dem Einzugsgebiet der Zeitung D’REGION ihr Können unter Beweis stellen: Jara Galli und Matthias Steiner traten vom 22. bis 27. September an den WorldSkills 2026 gegen die besten Nachwuchsfachkräfte der Welt an. In einem mehrtägigen Wettkampf setzte sich der 21-jährige Matthias Steiner gegen 31 andere Teilnehmende durch. Er gewinnt die Goldmedaille
und ist somit Weltmeister im Skill «Plumbing & Heating». Auch Jara Galli zeigte ihre Fähigkeiten und trat im Skill «Beauty Therapy» an. Die 22-Jährige erreichte dabei Rang 16.
WorldSkills Shanghai 2026
Die Berufsmeisterschaften WorldSkills entstanden ursprünglich in den 1950er-Jahren mit dem Ziel, Lehrberufe für junge Leute zugänglicher und attraktiver zu machen. In seiner heutigen Ausführung soll der Wettbewerb, der alle zwei Jahre stattfindet, den internationalen Austausch zwischen jungen Berufstätigen in nicht akademischen Berufen fördern. An den diesjährigen WorldSkills in Shanghai traten 1400 Teilnehmende aus 70 Ländern in 64 Skills (Berufsfelder) an. Für das SwissSkills National Team 2026 konnten 42 Talente in 38 Skills an den Meisterschaften teilnehmen: Sie überzeugten mit einer starken Leistung und gewannen 12 Medaillen, davon vier goldene, zwei silberne und sechs bronzene. Damit belegt die Schweiz als erfolgreichste europäische Nation den dritten Rang in der Nationenwertung. Mit diesem starken Resultat zeigten die jungen Menschen, dass sie ihren Beruf beherrschen und die Chancen nutzen, die eine Berufslehre bieten kann.
Jara Galli und Matthias Steiner bereiteten sich auf Shanghai vor
Jara Galli aus Aefligen ist Kosmetikerin EFZ und arbeitet derzeit in Burgdorf bei der Schoenzeit GmbH. Nach einem kurzen Abstecher ans Gymnasium entschied sie sich für die Ausbildung zur Kosmetikerin, einen Beruf, den sie schon seit ihrer Kindheit ausüben wollte. Die Berufswahl wurde duch ihre Eltern unterstützt, wodurch sie sich auf diesem Weg gut aufgehoben fühlte.
Matthias Steiner aus Lyssach ist Sanitärinstallateur EFZ und arbeitet bei der Bill Haustechnik AG in Utzenstorf. Seine Faszination für diese Tätigkeit wurde geweckt, als er in der Berufswahlphase zu Hause bei der Erneuerung eines Waschtisches und Wassererwärmers mithelfen durfte. Danach schnupperte er nochmals richtig in den Beruf herein – was ihm so gut gefiel, dass er sich für diesen Weg entschied.
Im Vorfeld zu den WorldSkills in Shanghai stand eine mehrmonatige, intensive Vorbereitungsphase mit Teamwochen, internationalen Trainings und simulierten Freundschaftswettkämpfen an. Auch zu Hause und im Arbeitsbetrieb nutzten die beiden jede Gelegenheit, um zu üben und sich zu verbessern. Mit zusätzlichen Trainings und Weiterbildungen eigneten sie sich neue Fähigkeiten an, die erforderlich waren, um sich mit den Teilnehmenden aus aller Welt zu messen. Die beiden wurden dabei eng durch ein persönliches Coaching sowie von Experten/-innen begleitet, damit sie ihr Handwerk weiter verfeinern und neue Kompetenzen lernen konnten. Im Gespräch mit der Zeitung «D’REGION» erzählen Jara Galli und Matthias Steiner von ihren Erfahrungen in Shanghai.
«D’REGION»: Mit welchen Eindrücken seid ihr in Shanghai gelandet und wie habt ihr die ersten Tage erlebt?
Jara Galli: Wir sind als Schweizer Nationalteam zusammen über Hongkong angereist. Wir waren etwa 120 Personen, darunter die Teilnehmenden, die Experten/-innen, die Teamleitenden und das Physioteam. In den ersten vier Tagen ging es vor allem darum, sich zu entspannen, mit dem Ziel, dass alle ruhig und ohne Nervosität in den Wettkampf starten können. Wir sind beide mit einer kleinen Gruppe in der Hotelanlage geblieben und haben die Freizeit genossen – sozusagen etwas Ferien gemacht.
Matthias Steiner: Es war ziemlich beeindruckend in so einer riesigen Stadt zu sein. Da wir uns das von zu Hause nicht gewohnt sind, war es zum Teil auch etwas überfordernd. Wir haben dann die ersten vier Tage in einem Hotel mit Park, dem Precamp, verbracht, dort war es ziemlich ruhig und so konnten wir den Jetlag auskurieren und uns akklimatisieren. Ab und zu haben wir dennoch zusammen für den Wettkampf gelernt. Nach den vier Tagen ging es weiter in ein anderes Hotel, welches zentraler in der Stadt und auch näher am Wettkampfgelände lag.
«D’REGION»: Wie sieht ein Wettkampftag konkret aus?
Matthias Steiner: Ich konnte meinen Arbeitsplatz und die Pläne für meine Aufgaben schon zwei Tage zuvor anschauen und mich vorbereiten. An den vier Wettkampftagen mussten wir je ein Modul mit einer Aufgabe bis am Abend fertigstellen. Dabei konnten wir uns die Zeit selber einteilen. Alle Teilnehmenden aus derselben Kategorie absolvierten die Aufgabe zeitgleich. Am Abend bewertete eine Jury, bestehend aus Experten/-innen und einer unabhängigen Person, die Arbeiten.
Jara Galli: Am Abend vor dem Wettkampf gab es einen ersten Einblick in einige der Aufgaben, aber nicht in alle. Wir erhielten auch Überraschungsaufgaben, über die wir erst zehn Minuten vor Beginn informiert wurden. Der Wettkampf selber war ähnlich einem Postenlauf organisiert. In Gruppen absolvierten wir dann jeweils einzeln die verschiedenen Module. Pro Tag waren das zwei Module zu je drei Stunden. Da ich in meinem Skill an Menschen gearbeitet habe, hat die Jury laufend bewertet.
«D’REGION»: Welche Aufgaben waren bei der Meisterschaft zu absolvieren?
Jara Galli: Ein grosses Thema bei der diesjährigen Meisterschaft waren Nägel nebst Make-up, Enthaarung, Gesichtsbehandlungen und Körperbehandlungen mit diversen Geräten.
Matthias Steiner: Ich musste eine Vorwand mit Dusche und Urinalanschluss installieren. Anschliessend stand eine klassische Kellerinstallation mit Wäschetrog und sichtbaren Leitungen auf dem Programm und am letzten Tag eine kunstvolle Darstellung unter Verwendung von Leitungsrohren. Dabei ging es zum Teil nicht nur um Präzision und Schnelligkeit, sondern auch um Wirtschaftlichkeit; das heisst, ich musste material- und kostensparend arbeiten.
«D’REGION»: Wie ging es euch während des Wettkampfs?
Jara Galli: In diesem Jahr gab es viele neue Themen in meinem Skill. Der Wettkampf war dadurch deutlich schwieriger. Das und die Überraschungselemente machten mich oft nervös, vor allem zu Beginn des jeweiligen Moduls. Sobald ich aber zu arbeiten begann, konnte ich mich gut konzentrieren. Mir hat das Modul Schminken gut gefallen. Das Thema lautete Fantasy Make-up und ich konnte frei wählen, wie ich diese Aufgabe angehe.
Matthias Steiner: Ich hatte meistens Spass bei meinen Aufgaben. Nach der langen Vorbereitungszeit war ich froh, dass der Wettkampf endlich begann. Die Nervosität konnte ich während des Arbeitens gut ausblenden und verspürte deshalb keinen Druck.
«D’REGION»: Wie wurde nach einem Wettkampftag entspannt?
Matthias Steiner: Meist gab es eine kurze Austauschrunde mit den Freunden/-innen, danach Abendessen und vielleicht noch eine Runde UNO. Ich war zweimal in der Massage bei der Physio. Nach den langen Tagen hat mir das beim Entspannen geholfen.
Jara Galli: Wir genossen unsere Freizeit und spielten zwischendurch. Wir bildeten eine Gruppe von sechs Personen, die sich alle schon aus der Vorbereitungszeit kannten. Die meiste Zeit verbrachten wir zusammen.
«D’REGION»: Wie habt ihr die Siegerehrung erlebt und seid ihr mit den Ergebnissen zufrieden?
Matthias Steiner: Nach dem Wettkampf hatte ich ein gutes Gefühl, ich wusste, dass dieser für mich gut lief, konnte aber nicht genau einschätzen wie gut. Bei der Rangverkündigung war ich unglaublich aufgeregt und die Erinnerungen daran sind etwas schwammig. Ich freute mich riesig über meine Platzierung, hatte aber in diesem Moment nicht viel Zeit dazu und fieberte schnell wieder mit anderen Teilnehmenden mit. Erst später wurde mir richtig bewusst, dass ich in meinem Skill Gold geholt habe.
Jara Galli: Die Rangverkündigung war sehr schnell getaktet. Ich hatte gar nicht viel Zeit über mein Resultat nachzudenken. Während des Arbeitens hatte ich kein schlechtes Gefühl. Es lief ein bisschen unglücklich, weil dieses Jahr vieles anders war. Zudem wurden am Wettkampf Verfahren geprüft, die bei uns in der Schweiz verboten sind oder eine spezielle Ausbildung erfordern. Dadurch ergaben sich einige Nachteile gegenüber Teilnehmenden aus anderen Nationen. Das ist schade und ich bin etwas enttäuscht. Schlussendlich lässt sich am Resultat aber nichts ändern. Mir war immer bewusst, dass es viele Nationen gibt, die in meinem Skill besser aufgestellt sind. Trotzdem war es eine aufregende und schöne Erfahrung, an den WorldSkills teilnehmen zu können.
«D’REGION»: Gab es einen Empfang in der Schweiz?
Matthias Steiner: Offiziell war keiner geplant, aber schon bei der Gepäckausgabe am Flughafen konnten wir den Jubel und die Kuhglocken hören.
Jara Galli: Es versammelten sich viele Personen am Flughafen, um uns zu empfangen. Nach dem langen Flug war ich zwar müde, trotzdem bereitete mir dieser Empfang grosse Freude. Die Stimmung war aufregend und speziell.
«D’REGION»: Was nehmt ihre aus der Teilnahme an den World Skills mit?
Matthias Steiner: Wir haben uns schon während der Teamwochenenden in dieser kleinen Gruppe gefunden und praktisch die gesamte Vorbereitungs- und Wettkampfzeit zusammen erlebt. Diese Freundschaften bleiben mir sicher lange erhalten. Auch für den Wettkampf erwies sich der Zusammenhalt als Vorteil. Ich denke nicht, dass wir es ohne einander geschafft hätten, eine so gute Zeit zu haben und diese Ergebnisse zu liefern.
Jara Galli: Das Beste sind die Erfahrungen, die ich während der Zeit sammeln konnte. Ich habe in der Vorbereitung durch das Training und die Kurse viel Neues dazugelernt, was sich auch positiv auf meine berufliche Tätigkeit auswirken wird. Ich lernte viele Menschen kennen und es entstanden durch unsere gemeinsame Zeit in dieser Gruppe neue Freundschaften. Die Teilnahme bringt auch eine persönliche Entwicklung mit sich und vor allem ein sehr schönes Erlebnis, das mir immer in Erinnerung bleiben wird.
Text: Benjamin Siegrist
Bilder: SwissSkills/Tatjana Schnalzger und Michael Zanghellini





