Bibliotheks-Lesung mit Hans Jürg Zingg
25.02.2026 Rüegsau, Rüegsau, RüegsauschachenDas Team der Bibliothek Rüegsau bot dem einheimischen Liedermacher und Lyriker Hans Jürg Zingg und dem erwartungsvollen Publikum ein herzliches Willkommen.
Zingg öffnete während vergnüglichen und berührenden anderthalb Lesestunden seine literarische Schatzkiste. Er las und intonierte pointiert Texte aus fünf Jahrzehnten, zusammengefasst im Sammelband «und im ärnschtfall ischs luschtig» (Neptun-Verlag Bern). Kritisch richtet Zingg in diesem poetischen Rückblick sein Auge aufs Weltgeschehen und reisst sein Publikum in einen Strudel der Gefühle.
Ernstfall
«und im ärnschtfall ischs luschtig, generell und überhoupt, wüll geng alls nume dervo schnuret, aber niemmer dra gloubt», so seine Einleitung ins Zeitgeschehen eines halben Jahrhunderts. Keine Bilanz, aber ein augenzwinkerndes Erinnern an Vergangenes, das zwar vergangen ist, aber die Welt nicht zum Guten verändert hat.
Gesellschaftlich, politisch und persönlich hält Zingg den Finger dahin, wo‘s weh tut, er benennt, was schiefläuft und zeigt, wo hingeschaut werden soll. Nicht verbittert, mahnend oder zurechtweisend, sondern behutsam und wortstark das Bewusstsein weckend. Seine Texte verbinden Realismus mit Witz, Prägnanz und brillanter Wort-
akrobatik.
Gesang ohne Begleitung
In Texten wie «Ds nöje Mühlebärger Lied», «Beton Polka», «Chatzehatz», «Grillparty», «Büssi» oder «Ein Mann des Geistes» reflektiert Zinggs Blick das Zeitgeschehen. Es sind persönlich gefärbte Glossen, daneben auch Ausdruck von Lust und Leidenschaft. Zingg singt heute seine Lieder ohne instrumentale Begleitung. Gelegentlich benutzt er neben eigenen auch bekannte Melodien, was die im Text angelegte Bissigkeit des Lieds dämpft. Sein «Schätzelilied» zum Beispiel ist ein Potpourri wohlbekannter Schweizer Volkslieder: witzig sprühend stellt es uns vor die Wahl, fröhlich sein zu wollen oder traurig sein zu müssen.
Die politisch-philosophischen Betrachtungen des Autors zu Themen wie Strassenverkehr, Zweisamkeit, Wirtschaftskrisen und persönlichen Werten zeugen von viel «Gspüri», Lebenslust und einem wachen (Frei)-Geist.
Entstanden sind manche der neueren Texte erst im Ruhestand. Zingg (82), der von 2012 bis 2022 als ältester Slam-Poet der Schweiz unterwegs war, zeigt auch heute noch Bühnenpräsenz.
Ein Spass für Seele und Geist war dieser Abend, geprägt von Leichtigkeit und feinsinnigem Humor.
Text: Sylvia Mosimann
Bilder: Fritz Steiner

