Das Gesundheitsnetz Emmental will Kräfte bündeln
06.05.2026 GesellschaftAm vergangenen Donnerstag lud die Regionalkonferenz Emmental gemeinsam mit dem Verein «gesund i. E.» zum RegioDay 2026 ein. Die Veranstaltung zum Thema Gesundheitsnetz Emmental fand im dahlia Lenggen in Langnau statt. Andreas Wyss, Präsident der Regionalkonferenz Emmental, führte als Moderator durch den Abend. Dem
Anlass wohnten zahlreiche kommunale Politiker/innen sowie Vertretende aus dem Gesundheitsbereich bei.
Das Gesundheitswesen im Kanton Bern steht vor grossen Herausforderungen. Zum einen führen die demografische Entwicklung, die hohe Erwartungshaltung der Bevölkerung und der medizinisch-technische Fortschritt zu einer wachsenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen, zum andern sehen sich die Leistungserbringenden mit Fachkräftemangel und steigenden Kosten konfrontiert. Mit der Gesundheitsstrategie 2020-2030 erarbeitete der Kanton ein Instrument für eine bedarfsgerechte, integrierte und patientenorientierte Entwicklung des bernischen Gesundheitswesens, das als Grundlage für weitere Entscheide in der Gesundheitspolitik dient. Philipp Banz, Vorsteher des Gesundheitsamts des Kantons Bern, ging in seinem Referat auf die aktuellen Entwicklungen in der Gesundheitsversorgung ein und erläuterte die Teilstrategie Integrierte Versorgung. Ziel des Kantons ist es, die Gesundheitsversorgung in grösseren Regionen zu vereinen. Konkret soll es 4+ Versorgungsregionen geben: Bern-Mittelland, Berner Oberland, Biel/Bienne-Seeland-Berner Jura sowie Emmental-Oberaargau, wobei das plus (+) für die französischsprechende Region im Jura steht.
Regionale Gesundheitsnetzwerke
Kern des Transformationsprozesses bilden regionale Gesundheitsnetzwerke, in denen sich Leistungserbringer aus unterschiedlichen Sektoren zusammenschliessen, um Synergien zu nutzen, die Kooperation voranzutreiben und die medizinische, pflegerische und betreuerische Grundversorgung sicherzustellen. Unnötige Leistungen und Doppelspurigkeiten gilt es künftig zu vermeiden. Um diese Vorgaben umzusetzen, schlossen sich das Spital Emmental, sämtliche Spitexorganisationen in der Region und mehrere Langzeitpflegeinstitutionen zum «Gesundheitsnetz Emmental» zusammen. Ebenso sind Hausärzte im Rahmen des Vereins «gesund i. E.», der als Bindeglied zwischen den verschiedenen Akteuren fungiert, in das Projekt eingebunden. Philipp Banz beurteilt das Konzept des Gesundheitsnetzes Emmental, dessen Herzstück die sozialmedizinische Koordinationsstelle (SMK) bildet, als äusserst sinnvoll und als Schritt in die richtige Richtung. Langfristiges Ziel, so der Vorsteher des Gesundheitsamts, sei die Bildung eines Netzwerks pro Region – dies könne allerdings nicht von heute auf morgen realisiert werden. Das oberste Ziel der kantonalen Gesundheitsstrategie bestehe nicht darin, zu sparen, sondern eine adäquate medizinische Versorgung anzubieten, versichert er.
Anlaufstelle für die Bevölkerung und die Leistungserbringenden
Projektleiterin Dr. phil. Nicola Julia Aebi stellte das Gesundheitsnetz Emmental vor. Dieses basiert auf der Gesundheitsstrategie des Kantons und wirkt entlang des gesamten Patientenpfades – also von der Prävention und Gesundheitsförderung bis zur ambulanten und stationären Betreuung. Die sozialmedizinische Koordinationsstelle des Gesundheitsnetzes nahm vor zwei Monaten ihre Arbeit auf. Das Angebot richtet sich an Menschen mit Unterstützungsbedarf, an Angehörige, aber auch an die Leistungserbringenden aus dem Gesundheits- und Sozialbereich. «Zu letzteren zählen auch die kommunalen Behörden – etwa in Zusammenhang mit Beistandschaften», erläuterte Projektleiterin Aebi. «Insgesamt definieren wir drei Leistungsstufen von unterschiedlicher Intensität: Die erste beinhaltet Informationen und Beratung im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe; die zweite eine kurzfristige Fallsteuerung – wie die Vermittlung eines Pflegeheims oder einer Kur; und die dritte Stufe bildet die Übernahme des case-managements im Sinne einer engen Unterstützung und Begleitung durch den gesamten Versorgungsprozess.» Bisher meldeten sich rund 90 Personen bei der Koordinationsstelle. «Die Rückmeldungen fielen positiv aus. Für die Bevölkerung stellt die Anlaufstelle einen grossen Mehrwert dar», hält Nicola Julia Aebi fest. Die sozialmedizinische Koordinationsstelle ist frei von persönlichen, institutionellen und kommerziellen Interessen, ihre Leistungen sind kostenlos.
Für das effiziente Funktionieren des Gesundheitsnetzes sind die Schnittstellen entscheidend: «Wir arbeiten gegenwärtig daran, diese effizienter zu gestalten – etwa durch eine Vereinheitlichung der Anmeldungen für Pflegeplätze oder die Erleichterung des Labordatenaustauschs zwischen den einzelnen Institutionen über das elektronische Patientendos-
sier.»
Podiumsdiskussion
Im Anschluss diskutierten Regula Feldmann, CEO Spital Emmental, Claudia Sommer, Geschäftsleiterin Spitex Burgdorf-Oberburg, Patrik Walther, Geschäftsführer Alterszentrum Sumiswald AG Sumia, sowie Dr. med. Damian Meli, CEO Espace Health Group.
Ziel des Gesundheitsnetzes ist es gemäss Spital-CEO Regula Feldmann, dass Patienten die richtige Behandlung zur richtigen Zeit am richtigen Ort erhalten. Es sei richtig und wichtig, konsequent Synergien zu nutzen. Claudia Sommer bezeichnete die Koordinationsstelle als Entlastung: «Suchten wir bislang für Klienten nach einem Pflegeplatz, war dies jeweils mit einem grossen Aufwand verbunden. Nun reicht eine Anfrage an die Koordinationsstelle.» Patrik Walther erklärte, dass dem Alterszentrum Sumia von der SMK bereits einige neue Bewohnende vermittelt wurden. Hausarzt Damian Meli wies darauf hin, dass der Austausch zwischen den einzelnen Institutionen mit der Koordinationsstelle von entscheidender Bedeutung sei.
Allgemein wurde festgehalten: Ziel sei es, das Netzwerk permanent weiterzuentwickeln, dessen langfristige Finanzierung sicherzustellen und den Informationsfluss zwischen den Akteuren weiter zu vereinfachen.
Text und Bilder: Markus Hofer

