«Die Industrienacht verfügt über eine enorme Ausstrahlungskraft»
15.04.2026 Wirtschaft, Burgdorf, GesellschaftDer Freitag, 24. April 2026, steht ganz im Zeichen des regionalen Werkplatzes. Zum mittlerweile vierten Mal findet die Industrienacht Burgdorf & Emmental statt, an der es viel Spannendes zu entdecken und zu erleben gibt. Es lohnt sich also garantiert, dieses Datum in der Agenda zu reservieren. Das vielseitige Programm rückt die hiesigen Industriebetriebe ins Scheinwerferlicht, zeigt ihr Potenzial auf und bietet einen exklusiven Einblick in Arbeitswelten, innovative Technologien und hochmoderne Produktionsstätten. Der Anlass, organisiert von der Stadt Burgdorf, richtet sich an Schülerinnen und Schüler, also an die Fachkräfte von morgen, aber auch an Berufsleute und die breite Öffentlichkeit.
Rund 35 Unternehmen, Bildungsinstitutionen und Verbände aus der Region präsentieren sich bereits tagsüber mit einem Stand in der Markthalle und stellen ihre Tätigkeiten und Wirkungsbereiche vor. Diese Anzahl stellt einen neuen Teilnehmerrekord dar. Der Besuch der vielseitigen Messe, welche auch als Lehrstellenplattform dient und über die Vielseitigkeit der technischen Berufe orientiert, bietet Möglichkeiten zu persönlichen Gesprächen und wertvollen Kontakten. In Talkrunden werden hochaktuelle Themen aufgegriffen und diskutiert. Ab 17.00 Uhr öffnen verschiedene Unternehmen ihre Tore für die interessierten Besucherinnen und Besucher. Von der Markthalle aus starten im 15-Minuten-Takt Busse, welche auf zwei Routen verkehren und die teilnehmenden Unternehmen ansteuern.
Die Zeitung «D’REGION» unterhielt sich mit Stadtpräsident Stefan Berger über die Industrienacht Burgdorf & Emmental 2026.
«D’REGION»: Auf was freuen Sie sich an der diesjährigen Industrienacht am meisten?
Stefan Berger: Ich bin natürlich äusserst gespannt auf die Präsentationen der hiesigen Industrie, die sich in ihrer grossen Vielseitigkeit zeigt. Zudem freut es mich, dass Schülerinnen und Schüler als angehende Berufsleute ebenso wie die breite Bevölkerung einen vertieften Einblick in die Welt der technischen Berufe und in die hiesigen Produktionsstätten erhalten. Der Tag und der Abend versprechen zahlreiche Höhepunkte. Im Zentrum der Industrienacht stehen meines Erachtens die Begegnung, der Austausch und der Dialog – zwischen Unternehmern/-innen und angehenden Lernenden, zwischen den Firmen untereinander, zwischen der Bevölkerung und den Betrieben. Von diesem Austausch profitieren alle. Ein gutes und breit abgestütztes Netzwerk stärkt die ansässige Industrie. In diesem Sinne freue ich mich auf zahlreiche anregende und interessante Gespräche.
«D’REGION»: Lässt sich die Industrienacht als Erfolgsgeschichte bezeichnen?
Stefan Berger: Das ist definitiv der Fall. Wir führen die Industrienacht mittlerweile zum vierten Mal durch und haben bisher immer eine äusserst positive Resonanz erhalten. Das Konzept wurde kontinuierlich weiterentwickelt, verfeinert und den Bedürfnissen angepasst. Die Burgdorfer Industrienacht wird mittlerweile von anderen Gemeinden und Städten kopiert – etwa von Köniz und Bern. Das zeigt die enorme Ausstrahlungskraft, die dem Anlass innewohnt. Seit der ersten Industrienacht im Jahr 2020, die wir gemeinsam mit dem Verein Industrienacht Schweiz durchführten, ist die Anzahl der teilnehmenden Firmen und der Besuchenden kontinuierlich gestiegen. Zudem konnte das Angebot für die Schulen und die Bevölkerung nochmals erweitert werden. Dies ist sehr erfreulich.
«D’REGION»: Wenn Sie als Schüler und angehender Lehrling die Industrienacht besuchen würden und zum ersten Mal in die Bereiche Anlagen- und Maschinenbauwelt, Elektronik und Metallverarbeitung bis hin zu Logistik, Automation, Digitalisierung und Robotik hineinschnuppern könnten, welches Feld würde den jungen Stefan Berger wohl am meisten faszinieren?
Stefan Berger: Als Jugendlicher würde mich heute wahrscheinlich der Bereich Robotik besonders anziehen. Dieser vereint die Felder Informatik, Elektronik und Maschinenbau, um intelligente Maschinen herzustellen, die mit dem Umfeld interagieren. Als Junge spielte ich besonders gerne mit Lego, war begeistert von Motoren und tüftelte mit den Baukastensystemen von Stokys und Fischertechnik herum. Ich wuchs in einem sehr technikaffinen Umfeld auf. Mein Vater führte in Thun ein Feinmechanikunternehmen und ich hielt mich natürlich oft im väterlichen Betrieb auf und kam dort mit der Metallverarbeitung und Technik in Berührung.
Das Unternehmer-Gen wurde mir also praktisch in die Wiege gelegt und prägte meinen beruflichen Werdegang mit den diversen Start-ups, die ich gründete und später veräusserte. Deshalb liegt mir die Industrienacht als Stadtpräsident auch ganz besonders am Herzen: Es ist mir ein wichtiges Anliegen, ein attraktives Umfeld für die hiesigen Industriebetriebe zu schaffen, welches Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Von einer starken, breit aufgestellten und diversifizierten Industrie profitiert natürlich auch die Stadt. Ein starkes wirtschaftliches Umfeld wirkt anziehend auf weitere Firmen. Die Abhängigkeit von einzelnen Branchen wird reduziert.
«D’REGION»: Welche Möglichkeiten bieten sich der Stadt Burgdorf, um die Standortattraktivität für die Industriebetriebe zu erhöhen?
Stefan Berger: Wir erarbeiten momentan gemeinsam mit dem Kanton ein Pilotprojekt für die Industriezone Buchmatt, um die Industrieentwicklung nach innen zu forcieren – analog der Siedlungsentwicklung nach innen. Die baurechtliche Grundordnung soll längerfristig durch eine prinzipienbasierte Nutzungsplanung ersetzt werden, sodass Anpassungen schneller und unkomplizierter möglich werden. Im Dialog mit den ansässigen Unternehmen wollen wir ihre Bedürfnisse besser kennenlernen und prüfen, ob allenfalls Möglichkeiten bestehen, in einem bestimmten Perimeter verschiedene kleinere freie Flächen zu einem grösseren Areal zusammenzufassen. In der Legislaturplanung 2025–2028 ist zudem die Erarbeitung einer neuen Wirtschaftsstrategie vorgesehen. Neu hat die Regionalkonferenz Emmental im unteren Emmental nach dem Vorbild von BforBusiness ein Pilotprojekt für ein regionales Arbeitszonenmanagement mit dem Ziel gestartet, die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Unternehmen und weiteren Akteuren zu stärken sowie Arbeitszonen gemeindeübergreifend gezielter zu entwickeln.
«D’REGION»: Eine Gesprächsrunde an der Industrienacht setzt sich mit dem Thema «Globale Herausforderungen, lokale Stärken» auseinander. Über welche Vorzüge verfügen Ihrer Ansicht nach der Wirtschaftsstandort Burgdorf und das Emmental?
Stefan Berger: Die Stärke liegt in der Region selber. Das Emmental verfügt über starke, gut ausgebildete und treue Fachkräfte, vielseitige Tüftlerinnen und Tüftler sowie innovative Entwicklerinnen und Entwickler. Wir sind flexibel und fähig, uns auf die gegenwärtigen wie auch die kommenden Herausforderungen einzustellen. Die starke Vernetzung und der enge Austausch der regionalen Wirtschaft ermöglichen es, einander auszuhelfen und Kräfte zu bündeln. Auch die Verkehrsanbindung im Emmental ist grundsätzlich gut. Zudem zeichnen sich Burgdorf und die Region durch eine hervorragende Lebensqualität, ein intaktes Umfeld und attraktive Naherholungsräume aus – Eigenschaften, welche die Region als Wohn- und Arbeitsort äusserst anziehend machen.
«D’REGION»: Wo verorten Sie Schwächen?
Stefan Berger: In der kantonalen Politik werden das Emmental und der Oberaargau noch zu wenig als dynamische und wirtschaftsstarke Regionen betrachtet. Zu viele Projekte konzentrieren sich auf der Achse Thun – Biel – Bern, während die Achse Langenthal – Burgdorf – Bern oft das Nachsehen hat. Dies zeigte sich etwa bei der Entscheidung, die Berner Fachhochschule in Biel und Bern zu konzentrieren und die Technische Fachschule nun doch nicht in Burgdorf anzusiedeln. Gegen diese Tendenz müssen wir kommunikativ und politisch ankämpfen – auch mit Anlässen wie der Industrienacht. Wir sind keine Randregion und möchten auch nicht als solche wahrgenommen werden.
«D’REGION»: Eine weitere Talkrunde an der Industrienacht widmet sich dem Einfluss von künstlicher Intelligenz auf unsere Arbeitswelt. Betrachten Sie KI eher als Chance oder als Gefahr?
Stefan Berger: Künstliche Intelligenz wird einen enormen Einfluss auf unsere Arbeitswelt haben. Gewisse Berufe werden komplett wegfallen, neue dagegen entstehen. Wir müssen lernen, KI als Chance zu betrachten, als wichtiges Hilfsmittel und als Unterstützung, und wir müssen versuchen, die sich anbahnenden tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen proaktiv zu gestalten. Künstliche Intelligenz wird auch den Dienstleistungssektor grundlegend verändern: Dienstleistungen werden künftig an sieben Tagen in der Woche während 24 Stunden pro Tag verfügbar sein.
Die künstliche Intelligenz wird allerdings nie den Menschen und den Dialog ersetzen können. Der persönliche Austausch wird meines Erachtens künftig wieder stärker an Gewicht gewinnen. KI kann zwar Inputs liefern und Ideen vermitteln, erfolgreiche Projekte lassen sich jedoch nur durch die Zusammenarbeit von Personen realisieren, die im persönlichen Kontakt miteinander stehen.
«D’REGION»: Wir leben in unsicheren Zeiten. Für exportorientierte Unternehmen stellte zunächst die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump einen Schock dar. Nun trüben der Iran-Krieg und dessen Konsequenzen die wirtschaftliche Situation. Wie stufen Sie die internationale Lage ein?
Stefan Berger: Die globalen Herausforderungen werden zunehmend grösser, die Aussichten sind weitaus weniger rosig als in vergangenen Zeiten. Ich bin allerdings überzeugt, dass unsere Wirtschaft und Industrie aufgrund ihrer Stärke die richtigen Antworten auf diese Herausforderungen finden wird.
Text und Bild: Markus Hofer
Weitere Informationen: www.industrienacht-burgdorf.ch

