Die Schule fit für die Zukunft machen – mit Weitblick statt Schnellschüssen
28.10.2026 Rüegsau, Rüegsau, Bildung / Schule, RüegsauschachenAn einer Informationsveranstaltung am vergangenen Mittwoch wurden mögliche Ausbauvarianten und das weitere Vorgehen für mögliche Sanierungsvarianten vorgestellt. Noch sind keine Entscheide gefallen. Klar ist aber: Wer heute vorausschauend plant, schafft Spielraum für die Schule von morgen.
Wie kann Bestehendes in die Zukunft getragen werden? Diese Frage beschäftigt die Verantwortlichen der Schulen Rüegsauschachen. Die Gebäude sind unterschiedlich alt, der Sanierungsbedarf ist ein Thema und die Anforderungen an Unterricht und Betreuung haben sich verändert. Statt einzelne Bauvorhaben unabhängig voneinander anzugehen, soll deshalb die gesamte Schulanlage betrachtet werden.
Das älteste Gebäude stammt aus dem Jahr 1919. Auch die heutige Ölheizung verdeutlicht, dass bei der Weiterentwicklung der Liegenschaften verschiedene Herausforderungen anstehen. Es geht nicht nur um notwendige Reparaturen, sondern auch darum, vorhandene Flächen besser zu nutzen und die Gebäude langfristig auf die Bedürfnisse der Schule auszurichten.
Eine Machbarkeitsstudie zeigt dafür mögliche Wege auf. Vorgesehen ist ein Vorgehen in drei Etappen. Zusammen ergeben sie ein Investitionsvolumen von rund 12,2 Millionen Franken inklusive Planung. Die Bewilligung durch die Gemeindeversammlung steht allerdings noch aus.
Etappe 1: Räume für Kindergärten und Betreuung
Die erste Etappe ist mit rund 4,2 Millionen Franken inklusive Planung veranschlagt. Geplant sind ein Teilneubau im Dachgeschoss, zwei Kindergärten, die im Erdgeschoss integriert werden, ein neuer Zugang zur Aula und Räume für die Tagesschule. Auch Sanierungsarbeiten am bestehenden Gebäude gehören dazu.
Damit liesse sich die heutige Raumsituation gezielt verbessern. Die Tagesschule ist seit dem Schuljahr 2024/2025 in ehemaligen Musikräumlichkeiten untergebracht. Auch beim Kindergarten bestehen provisorische Lösungen. Die Integration der Kindergärten in die Primarschulanlage könnte die räumlichen Abläufe vereinfachen und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bereichen unterstützen.
Zudem würden mit einer solchen Lösung die Mietkosten für den Kindergarten Emmenbrücke an der alte Lützelflühstrasse entfallen. Die erste Etappe würde damit nicht nur zusätzlichen Raum schaffen, sondern auch die Grundlage für eine besser abgestimmte Nutzung der Schulanlage bilden.
Etappe 2: Fachräume unter dem Dach
Für die zweite Etappe sind rund 2,2 Millionen Franken inklusive Planung vorgesehen. Im Mittelpunkt steht der Ausbau des Dachgeschosses für Hauswirtschaft sowie textiles und technisches Gestalten.
Die Fachräume sollen in ein Gesamtkonzept eingebettet werden, sodass die vorhandenen Flächen möglichst sinnvoll genutzt würden. Statt einen einzelnen Raum unabhängig von der übrigen Anlage zu erweitern, würde der Ausbau Teil einer längerfristigen Entwicklung. Zusammen mit der ersten Etappe ergibt sich ein Kostenrahmen von rund 6,4 Millionen Franken.
Etappe 3: Gebäude verbinden und Zugänge verbessern
Die dritte Etappe bildet mit rund 5,8 Millionen Franken den grössten vorgesehenen Schritt. Sie umfasst den Aufbau des Dachgeschosses, einen Verbindungsbau zwischen dem Klassen- und Spezialtrakt, die hindernisfreie Erschliessung, den Einbau von Gruppenräumen und den Abschluss der Sanierung des bestehenden Gebäudebestands.
Ein Lift und besser verbundene Gebäudeteile könnten den Zugang zu den verschiedenen Räumen erleichtern. Darüber hinaus zeigt die Studie weiteres Ausbaupotenzial: Das Dach der Turnhalle ist bislang nicht ausgebaut, und auch eine Erhöhung des Klassentrakts wird als Möglichkeit betrachtet. Welche Elemente tatsächlich realisiert werden, muss die weitere Planung zeigen.
Das Ganze im Blick behalten
Die drei Etappen verdeutlichen, weshalb ein Gesamtkonzept wichtig ist. Einzelne Sanierungen können zwar kurzfristig dringende Probleme lösen. Werden sie jedoch unabhängig von einer späteren Gesamtlösung geplant, besteht das Risiko, dass Investitionen doppelt anfallen oder spätere Bauarbeiten erschwert werden.
Die Machbarkeitsstudie weist für die Gesamtplanung zudem auf Minderaufwendungen beim Unterhalt von rund 3,2 Millionen Franken hin. Solche Einsparungen sind für die langfristige Betrachtung relevant. Sie müssen jedoch zusammen mit den Investitionskosten, den Finanzierungsmöglichkeiten und den künftigen Betriebskosten beurteilt werden. Die finanzielle Tragbarkeit bleibt eine zentrale Frage. Bereits für die ersten beiden Etappen wäre eine zusätzliche Fremdfinanzierung erforderlich. Auch die wirtschaftliche Entwicklung und die Energiepreise erschweren längerfristige Prognosen. Über zusätzliche Kredite muss die Gemeinde zu gegebener Zeit entscheiden.
Ein Wegweiser, noch kein Bauentscheid
Der nächste Schritt besteht darin, die einzelnen Möglichkeiten zu einem tragfähigen Gesamtkonzept zusammenzuführen. Dabei müssen auch die Entwicklung der Schüler/innenzahlen, die Bedürfnisse der Tagesschule, die Fachräume sowie Neben- und Aussenflächen berücksichtigt werden. Gemäss Ruedi Oppliger, dem Ressortvorsteher Schulen, sind bei den Schüler/innenzahlen derzeit keine grossen Veränderungen absehbar.
Noch ist nicht entschieden, welche Variante umgesetzt wird und in welchem zeitlichen Rahmen dies geschehen könnte. Die Studie schafft jedoch eine Grundlage, um Prioritäten zu setzen und die nächsten Schritte aufeinander abzustimmen.
Die Aufgabe ist anspruchsvoll, eröffnet aber Perspektiven: Statt die Schulanlage nur punktuell zu erneuern, kann die Gemeinde ihre Entwicklung über längere Zeit planen. Mit klaren Etappen und einer sorgfältigen Prüfung der finanziellen Möglichkeiten liesse sich Bestehendes erhalten und gezielt ergänzen. So könnte Schritt für Schritt eine Schulinfrastruktur entstehen, die auch kommenden Generationen gute Bedingungen zum Lernen und Zusammenarbeiten bietet.
Text und Bilder: Jacqueline Rüesch



