Die Stärke der regionalen Wirtschaft
30.04.2026 Wirtschaft, BurgdorfStadtpräsident Stefan Berger begrüsste am vergangenen Freitagnachmittag in der Markthalle in Burgdorf im Rahmen der vierten Industrienacht zahlreiche Gäste zum Wirtschaftsapéro. Er dankte den Unternehmen, die spannende Einblicke hinter die Kulissen ermöglichten und sich für den Wirtschaftsstandort Burgdorf und das Emmental engagieren, sowie den Sponsoren und dem Organisationskomitee der Industrienacht. Angesichts globaler Spannungen, hoher Energiepreise und fragiler Lieferketten befinde sich die Weltwirtschaft in einer Phase erhöhter Unsicherheit, führte Stefan Berger aus. Hinzu kommen der starke Franken, die Digitalisierung und der Fachkräftemangel. Dennoch zeigte sich der Stadtpräsident überzeugt, dass die Region gut aufgestellt sei, um diese Herausforderungen zu meistern – dank des dualen Bildungssystems, innovativer Betriebe und des ausgeprägten Unternehmergeists. Mit Mut für neue Ideen und Risikobereitschaft würden Firmen Arbeitsplätze generieren und Perspektiven schaffen. «Die Industrienacht zeigt, wie erfolgreich unsere Unternehmen in einem anspruchsvollen Umfeld sind», so Stefan Berger.
Auch Regierungsrat Christoph Ammann, Vorsteher der Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion des Kantons Bern, zeigte sich beeindruckt: «Der Besuch dieses Anlasses gehört zu den Höhepunkten meiner letzten Amtswochen.» Er betonte die Stärken des hiesigen Werkplatzes: «Im Emmental ist man in einer Zeit des Wandels gewappnet für die Herausforderungen. Hochspezialisierte Produkte und Technologien werden hier mit grosser Präzision entwickelt und weltweit eingesetzt. Die Unternehmen können sich auf qualifizierte einheimische Fachkräfte verlassen – eine Besonderheit, die es in anderen Teilen des Kantons so nicht gibt.»
Globale Herausforderungen, lokale Stärken
Anschliessend stand eine Podiumsdiskussion zum Thema «Globale Herausforderungen, lokale Stärken» auf dem Programm: Neben Christoph Ammann diskutierten Nationalrat Simon Michel, Geschäftsführer und Verwaltungsrat der Ypsomed AG mit Hauptsitz in Burgdorf, Fabienne Walther, Geschäftsführerin des Holzbauunternehmens Jampen AG in Seftigen, sowie Peter Studer, CEO der Rondo AG, die in Burgdorf Bäckereimaschinen für den Weltmarkt produziert. Simon Michel wies darauf hin, dass die Unternehmen nicht nur durch globale Krisen herausgefordert werden, sondern warnte auch vor wirtschaftsfeindlichen politischen Vorstössen wie der «Keine 10-Millionen-Schweiz-Initiative» der SVP, die er als brandgefährlich einstuft. Fabienne Walther wünschte sich eine schnellere Bearbeitung von Baubewilligungsverfahren. Als entscheidenden Erfolgsfaktor bezeichnete Peter Studer das Engagement und die Kompetenz der langjährigen Mitarbeitenden. Ein zentraler Wert der Rondo AG sei deshalb das Herz: «Dieses steht für den Zusammenhalt. Es beschreibt die Art, wie wir zusammenarbeiten. Gemeinsam wollen wir wachsen – mit Herzblut und Leidenschaft.» Alle betonten, dass ihnen die Lehrlingsausbildung äusserst wichtig sei. Regierungsrat Christoph Ammann äusserte die Hoffnung, dass der Geist der Zusammenarbeit, den er in Burgdorf spüre, über das Emmental in den Kanton und die gesamte Schweiz hinausstrahle.
Wie KI unsere Arbeitswelt verändert
Eine zweite Podiumsdiskussion drehte sich um die Frage, wie Künstliche Intelligenz (KI) unsere Arbeitswelt beeinflusst. An der Talkrunde beteiligten sich Andrea Roch, CEO und Gründerin der Werbeagentur business4you AG in Biel, Ivo Schurtenberger, Head of Data und Artificial Intelligence der Gesundheitsdienstleisterin Galenica AG in Bern, sowie Hans Grunder, Verwaltungsrat und Consultant der digital survey AG in Burgdorf. Die Talk-Teilnehmenden waren sich einig, dass KI bereits heute unentbehrlich ist und dabei hilft, Probleme zu lösen, repetitive Aufgaben zu automatisieren und dynamischer zu werden und somit einen grossen Mehrwert bietet. Gleichzeitig brauche es klare Leitplanken und Transparenz im Umgang mit der Technologie. Wichtig sei zudem, Mitarbeitende miteinzubeziehen und Berührungsängste abzubauen. Ivo Schurtenberger prognostizierte, dass Sozialkompetenzen wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Empathie in der Berufswelt mit dem Siegeszug von KI zunehmend an Bedeutung gewinnen. Hans Grunder konstatierte, dass in den Schulen, in der Berufsbildung ebenso wie an den Universitäten und Fachhochschulen ein generelles Umdenken erforderlich sei. Recherchearbeiten fallen durch KI zunehmend weg – neue Schwerpunkte müssen gesetzt werden. Andrea Roch wies daraufhin, dass es notwendig sei, KI-Antworten und -Erzeugnisse stets einem Plausibilitätscheck zu unterziehen, kritisch zu prüfen und von Berufsleuten beurteilen zu lassen. Künstliche Intelligenz wird sich, so die Überzeugung der Diskutierenden, in einem rasanten Tempo weiterentwickeln und die Berufswelt verändern. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Bildungseinrichtungen sind gefordert, diesen Wandel aktiv zu gestalten.
Beide Talkrunden wurden von Nina Zosso, CEO von Impact2go, moderiert.
Beim Apéro riche führten die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer angeregte Gespräche und nutzten die Möglichkeit zum Networking.
Text: Markus Hofer
Bilder: Rosie Schenk


