Die SVP triumphiert bei den Grossratswahlen

  30.03.2026 Politik, Politik, Aktuell

Am vergangenen Sonntag wählten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger des Kantons Bern die Mitglieder des Regierungsrats und des Grossen Rats für die Legislaturperiode 2026-2030.

Regierungsratswahlen
Die parteipolitische Zusammensetzung der Kantonsexekutive bleibt unverändert: 1 Sitz FDP, 1 Sitz Die Mitte, 2 Sitze SVP, 1 Sitz Grüne und 2 Sitze SP. Sämtliche bisherige Regierungsratsmitglieder, die erneut kandidierten, schafften die Wiederwahl problemlos. Astrid Bärtschi, Die Mitte, vereinigte 138 672 Stimmen auf sich, Evi Allemann, SP, erhielt 129 824 Stimmen, Philippe Müller, FDP, 120 623 Stimmen und Pierre Alain Schnegg, SVP, 108 022 Stimmen. Ein starkes Resultat erzielte der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz, der neu für die SVP im Regierungsrat Einsitz nimmt und den Sitz des abtretenden Christoph Neuhaus verteidigte. Mit 109 078 Stimmen überflügelte er auf Anhieb seinen Parteikollegen Pierre Alain Schnegg. Nationalrätin Aline Trede sicherte sich mit 101 511 Stimmen das Mandat der Grünen in der Regierung, das bisher Christine Häsler innehatte. Komplettiert wird der siebenköpfi ge Regierungsrat mit Reto Müller, SP, Stadtpräsident von Langenthal. Dieser musste nach den ersten Hochrechnungen, die ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Daniel Bichsel, SVP, prognostiziert hatten, lange um den Einzug in die Exekutive bangen. Mit 99 021 Stimmen platzierte sich Reto Müller allerdings mit einem doch noch komfortablen Vorsprung vor Bichsel, der 92 191 Stimmen holte. Die Kantonsregierung bleibt somit für die nächsten vier Jahre wie bis anhin bürgerlich dominiert.

Grossratswahlen Kanton Bern
Die grosse Siegerin bei den Grossratswahlen ist die SVP. Sie gewinnt sieben Sitze dazu und entsendet neu 51 Abgeordnete in das 160-köpfige Kantonsparlament. Die Schweizerische Volkspartei ver-
mochte ihren Wähleranteil deutlich von 25.8 % auf 29.3 % zu steigern und baut ihren Vorsprung als die mit Abstand stärk-
ste politische Kraft weiter aus. Die FDP erlitt in der Gunst der Wählerinnen und Wähler zwar einen Rückgang um 1 % auf 10,3 %, kann aber ihre 18 Mandate verteidigen. Sie stellt nach der SVP und der SP die drittstärkste Fraktion. Zulegen konnte die EDU, die neu auf 8 Sitze (+ 2 Sitze) im Grossen Rat kommt und einen Wähleranteil von 4,8 % erreicht (+ 0,8 %). Die rechtsbürgerlichen Kräfte gehen somit deutlich gestärkt aus den Wahlen hervor. 
Federn lassen mussten dagegen die Parteien, die sich in der politischen Mitte verorten. Die GLP verzeichnet bei den Wähleranteilen einen Rückgang um 1,1 % auf 8,7 %. Dies schlägt sich in einem Verlust von einem Sitz nieder. Neu sind die Grünliberalen mit 15 Mandaten im Grossen Rat vertreten. Verheerender stellt sich die Situation für Die Mitte dar: Die Partei stellt noch neun Grossrätinnen und Grossräte (- 3 Sitze). Ihr Wähleranteil schrumpfte von 7,4 % auf 6,5 %. Die EVP sieht sich gar mit vier Sitzverlusten konfrontiert und verfügt neu über fünf Mandate. Sie erreicht noch einen Wähleranteil von 5,1 % 
(- 0,5 %). 
Auf der linken Seite des politischen Spektrums darf sich die SP über drei Sitzgewinne freuen. Sie bleibt mit 36 Sitzen die zweitstärkste Kraft und steigerte sich in der Gunst der Wähler/innen von 19,2 % auf 21,1 %. Allerdings legten die Sozialdemokraten auf Kosten der Grünen zu, die noch 17 Sitze innehaben (- 3 Sitze) und beim Wähleranteil einen Rückgang um 1,9 % auf 10,8 % verzeichneten. Faktisch bleibt das links-grüne Lager somit gleich stark wie vor vier Jahren. 
In der Tendenz ist das Kantonsparlament nach rechts gerutscht. Die Stimmbeteiligung bei den Grossratswahlen betrug 34,3 % und lag leicht  höher als bei den Regierungsratswahlen mit 33,8 %. 

Ergebnisse Wahlkreis Emmental
Im Wahlkreis Emmental, in dem 15 Sitze zu vergeben waren, sieht die künftige Sitzverteilung wie folgt aus: SVP 7 Sitze (+ 1 Sitz), SP 2 Sitze (unverändert), EVP, EDU, FDP, Grüne, GLP je 1 Sitz (alle unverändert) und Die Mitte (- 1 Sitz) ebenfalls 1 Sitz. Die SVP legte also auf Kosten der Mitte zu. Die Resultate bergen mehrere Überraschungen. So mussten gleich drei amtierende Grossräte über die Klinge springen. 
Der Burgdorfer Stadtpräsident Stefan Berger, SP, schaffte die Wiederwahl in den Grossen Rat nicht. Die Männer-Liste der SP schnitt mit einem Wähleranteil von 5,1 % deutlich schlechter ab als die Frauen-Liste mit 10,6 %. Deshalb wanderte ein Sitz von der Männer- zur Frauen-Liste. Gewählt sind für die Sozialdemokraten somit die bisherige Grossrätin Andrea Rüfenacht, Burgdorf, mit 6131 Stimmen sowie neu die Burgdorfer Stadträtin Anette Vogt mit 2975 Stimmen. Für Stefan Berger, der seit 2017 Mitglied des Grossen Rats war, dürfte es nur ein schwacher Trost sein, dass er mit 4170 Stimmen sein persönliches Ergebnis im Vergleich zu den Wahlen vor vier Jahren um 170 Stimmen leicht verbessern konnte. Gegenüber der Zeitung «D’REGION» hält der Burgdorfer Stadtpräsident fest: «Natürlich bedauere ich es, künftig nicht mehr im Grossen Rat mitwirken zu können. Ich bin allerdings zugleich froh, dass der Sitz bei der SP bleibt und unsere Partei im Wahlkreis Emmental weiterhin über zwei Mandate verfügt. Nach Bekanntgabe der Wahlresultate erhielt ich von verschiedensten Seiten viel Zuspruch und Lob für die von mir geleistete Arbeit im Kantonsparlament – dies tut natürlich gut.» 
Zu einem personellen Wechsel kommt es auch bei der FDP. Abgewählt wurde der bisherige Grossrat Michael Elsässer, Kirchberg, der 2814 Stimmen erhielt. Das Mandat der Freisinnigen geht neu an Andreas Wyss, Gemeinderatspräsident von Kirchberg und Präsident der Regionalkonferenz Emmental, der ebenfalls auf der FDP-Liste Unteres Emmental antrat und seinen Parteikollegen mit 2978 erhaltenen Stimmen knapp überflügelte. 
Die Partei Die Mitte verliert im Wahlkreis Emmental einen ihrer beiden Sitze. Deshalb verpasst Francesco M. Rappa, Gemeinderat Burgdorf, der 2023/2024 als Grossratspräsident amtierte, den Wiedereinzug ins kantonale Parlament – obwohl er sein Ergebnis gegenüber 2022 von 3848 Stimmen auf 3998 Stimmen verbesserte. Der Liste Mitte Unteres Emmental fehlten letztlich nur rund 500 Stimmen für ein Mandat. Francesco M. Rappa zeigte sich enttäuscht, kündigte allerdings an, sich auch weiterhin auf verschiedenen Ebenen politisch einzubringen und sich  für Burgdorf, das Emmental und den Kanton Bern voller Tatendrang ein-
zusetzen. Der einzige Mitte-Vertreter aus dem Wahlkreis Emmental im Grossen Rat ist künftig Jürg Rothenbühler (bisher), der auf der Liste Oberes Emmental 3916 Stimmen auf sich vereinte. 
Als einziges Exekutivmitglied der Stadt Burgdorf, das weiterhin im Grossen Rat politisiert, verbleibt nach der Nicht-Wiederwahl von Stefan Berger und Francesco M. Rappa somit Michael Ritter von den Grünliberalen, der 2245 Stimmen erhielt. Wie sich dies auf die Position Burgdorfs im Kanton Bern künftig auswirken wird, bleibt abzuwarten. 
Neu in den Grossen Rat gewählt wurden die beiden SVP-Mitglieder Peter Sommer aus Wynigen mit 5162 Stimmen (Liste Unteres Emmental) und Ernst Kühni (Liste Oberes Emmental) mit 5836 Stimmen. 
Die übrigen bisherigen Grossratsmitglieder (siehe Kasten «Wahlkreis Emmental») wurden von den Wählerinnen und Wählern im Amt bestätigt. Das bes-
te Ergebnis erzielte dabei Ruedi Fischer aus Bätterkinden, SVP, mit 7719 Stimmen. 

Ergebnisse Wahlkreis Mittelland-Nord
Im Wahlkreis Mittelland-Nord waren 22 Sitze zu vergeben. Die SVP gewinnt einen Sitz und holt sich sechs Mandate. Die SP erobert ebenfalls einen zusätzlichen Sitz und entsendet künftig fünf Vertreterinnen und Vertreter aus dem Wahlkreis Mittelland-Nord ins Rathaus nach Bern. GLP und FDP vermögen ihre je drei Sitze zu halten. Die Grünen verlieren einen Sitz und stellen noch zwei Abgeordnete. Die Mitte verteidigt ihre beiden Sitze erfolgreich. Die EVP büsst von ihren zwei Sitzen ein Mandat ein. Die Sitzverteilung im Wahlkreis Mittelland-Nord sieht wie folgt aus: SVP 6 Mandate (+1 Sitz), SP 5 Sitze (+ 1 Sitz), GLP und FDP je 3 Sitze (unverändert), Grüne 2 Sitze (-1 Sitz), Die Mitte 2 Sitze (unverändert), EVP 1 Sitz (-1 Sitz). 
Aus dem Einzugsgebiet der Zeitung D’REGION sind in den Grossen Rat gewählt: Peter Salzmann aus Mülchi, SVP, bisher, 9910 Stimmen; Andrea Geissbühler aus Bäriswil, SVP, neu, 9272 Stimmen; Hans Marti aus Scheunen, Die Mitte, bisher, 4469 Stimmen. Das beste Ergebnis im Wahlkreis Mittelland-Nord von allen Kandidierenden erzielte Daniel Bichsel aus Zollikofen, SVP, bisher. Er vereinigte 11 739 Stimmen auf sich. 
Die Resultate aller Gewählten sind im Kasten «Wahlkreis Mittelland-Nord» ersichtlich. 

Text: Markus Hofer
Bild: Rosie Schenk


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