«Discuss it» am Gymnasium Burgdorf
03.06.2026 AktuellTrotz Mittagspause und hochsommerlichen Temperaturen trafen sich am vergangenen Freitagmittag in der Aula des Gymnasiums Burgdorf freiwillig über 120 Gymnasiastinnen, Gymnasiasten und Lehrpersonen. Grund war eine Podiumsdiskussion über die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». Von den Befürwortenden wird diese als Nachhaltigkeitsinitiative bezeichnet, von den Gegnern/-innen als Chaosinitiative.
Diskussions-Teilnehmende waren Daria Winkelmann-Rösti, Präsidentin der SVP-Frauen des Kantons Bern, und Elias Maier, Gemeinderat (FDP) in Burgdorf. Die Moderatorin Ässia Boukhatmi ist Mitglied von «Discuss it», einem neutralen Verein, der die politische Bildung Jugendlicher fördert und sie motiviert, sich als zukünftige Stimmbürger/innen für die Politik zu interessieren und zu engagieren.
Die Ausgangslage – kurz erklärt
Der Bundesrat strebt eine ausgewogene Migrationspolitik an. Dabei berücksichtigt er die Bedürfnisse der Bevölkerung, des Arbeitsmarkts, der humanitären Verpflichtungen und der sicherheitspolitischen Aspekte. Die Schweizer Bevölkerung hat sich seit 1900 bis Ende 2025 verdreifacht und beträgt aktuell rund 9,1 Millionen Personen. 2025 wanderten 165 000 Personen in die Schweiz ein, 73 Prozent aus EU/EFTA-Ländern, rund 27 Prozent aus Drittstaaten.
Bei Annahme der Initiative dürfte die ständige Wohnbevölkerung die 10 Millionen-Grenze nicht überschreiten. Würde die Grenze von 9,5 Millionen vor 2050 überschritten, würde der Bundesrat Massnahmen im Asylbereich und beim Familiennachzug erwirken. Würde die Einwohnerzahl von 10 Millionen vor 2050 überschritten, müssten beispielsweise Kündigungen internationaler Übereinkommen, namentlich der Personenfreizügigkeit und der Bilateralen 1, sowie Anpassungen des jährlichen Grenzwerts vorgenommen werden.
Statements der Befürworterin, der SVP, und des Gegners, der FDP
«Die Schweiz ist nicht für 10 Millionen Menschen gemacht», sagte Daria Winkelmann (SVP), denn unser Land habe grosse unbewohnbare Flächen. Die Zunahme der Bevölkerung treibe die Mieten in die Höhe und nage am Wohlstand der Schweizer Bevölkerung. Elias Maier (FDP) bestätigte, dass Wohnungsnot herrsche, doch es brauche andere Lösungen, beispielsweise verdichtetes Bauen in den Städten. Er ist weiter überzeugt, dass die Bevölkerung nicht im gleichen Tempo weiterwachse wie bis anhin, weil in einigen Jahren mit den Babyboomern die Sterberate steigen werde.
«Ohne ausländische Arbeitskräfte gerät die Schweizer Wirtschaft unter Druck», so Elias Maier. Der FDP-Mann stellte fest, dass über 45 Prozent der Ärzteschaft im Spital Emmental aus andern Ländern stamme. Die meisten kämen aus EU/EFTA-Ländern. KMU und Start-ups hätten weniger Chancen, wenn sie nicht ausländische Fachkräfte, auch aus Drittstaaten, engagieren könnten. Er prophezeite einen Systemkollaps, falls die Initiative angenommen werde.
Die SVP-Frau weiss aus der Geschichte, dass schon immer ausländische Fachkräfte in unserem Land arbeiteten und dass diese auch willkommen seien. Es sollen aber lau ihr die wichtigen und richtigen Zuwandernden kommen, die unser Sozialsystem nicht belasten.
Daria Winkelmann möchte die Schweizer Landschaft nicht leichtsinnig verbauen. Verdichtetes Bauen funktioniere zu wenig: «Die schöne Landschaft wird immer mehr zubetoniert.»
Elias Maier ist überzeugt, dass Burgdorf auf einem gutem Weg ist, was verdichtetes Bauen anbelangt. Häufig sei jedoch das strenge Raumplanungsgesetz hinderlich.
«Andere Sprachen und Traditionen bereichern die Schweizer Kultur», so Elias Maier. Für ihn sind andere Kulturen eine Bereicherung, was beispielsweise das Schweizer Fussballnationalteam beweise. Daria Winkelmann unterstützte dieses Statement. Sie forderte die Jugendlichen auf, sich vorzustellen, wie sie später leben wollen und wie die Gesellschaft für sie aussehen sollte.
Die Schüler/innen nahmen mit Fragen und Aussagen an der Diskussion teil. Daria Winkelmann und Elias Maier sprachen ausführlicher und vertiefter über die verschiedenen Statements, als dies in diesem Bericht wiedergegeben werden kann.
Text und Bild: Helen Käser

