«Ein Plädoyer fürs Leben»
23.09.2026 Aktuell, Aktuell, GesellschaftIn einer kalten Novembernacht steht Marc Kamps am Ufer der Emme in Kirchberg und will sich das Leben nehmen. Von einem Telefonanruf wird er aus seinen Gedanken gerissen. Die Anruferin, eine verzweifelte Mutter, ersucht ihn, den angeblichen Suizid ihrer Tochter zu untersuchen. Obwohl er kein Polizist ist, lässt sich der Protagonist auf die Ermittlung ein. Was als amateurhafte Ermittlung beginnt, entwickelt sich im Debütroman «Frühling im November» von Oliver von Allmen zu einer Reise der Selbstfindung.
Schon als Kind erfand Oliver von Allmen gerne Geschichten. Richtig entdeckt hat er seine Leidenschaft fürs Schreiben schliesslich während eines Journalismuspraktikums vor dem Studium. Damals fasste er einen Vorsatz, den wohl viele kennen: «Wenn ich einmal Zeit habe, schreibe ich ein Buch.» Es sollte allerdings noch einige Jahre dauern, bis daraus mehr als eine blosse Idee wurde.
Den entscheidenden Anstoss gab schliesslich das erste Pandemie-Jahr 2020. Nach dem Motto «Wenn nicht jetzt, wann dann?» begann der in der Finanzbranche tätige Oliver von Allmen mit der Arbeit an seinem Debütroman «Frühling im November». Ganz so rasch, wie er sich das ursprünglich vorgestellt hatte, ging es dann allerdings nicht: Sowohl das Schreiben als auch die Suche nach einem passenden Verlag nahmen deutlich mehr Zeit in Anspruch als gedacht. Zwischen den ersten Notizen und dem fertigen Manuskript lagen letztlich mehrere Jahre, in denen Oliver von Allmen sein Buch immer wieder überarbeitete und unter anderem auch um mehr als 150 Seiten erweiterte. Am 7. Oktober 2026 ist es schliesslich so weit: Das rund 230-seitige Buch erscheint im Neptun Verlag.
Oliver von Allmen beschreibt sein Werk als eine Mischung aus Krimi und Entwicklungsroman. Zwar zieht sich der Fall um die tote junge Frau als roter Faden durch die Geschichte, im Zentrum steht jedoch die persönliche Entwicklung des Protagonisten Marc Kamps. Auch vor Themen wie der psychischen Gesundheit schreckt der Autor nicht zurück: Das Buch beginnt, wie die Synopse zeigt, mit einem Suizidversuch, im Laufe der Geschichte lernt der Protagonist aber immer mehr den Wert des eigenen Lebens wieder zu schätzen. Vielleicht gerade deshalb versteht Oliver von Allmen sein Werk auch als ein «Plädoyer fürs Leben». Für den Protagonisten, welcher als Softwaretester vermutlich nicht der geeignetste Ermittler ist, gibt es nicht nur den Kriminalfall zu lösen, sondern gleichzeitig findet die Hauptfigur auch zu sich selbst. Zusätzliche Tiefe erhält die Geschichte durch eine Liebesgeschichte, die sich parallel zur Aufklärung des Falls entwickelt und den Roman emotional vorantreibt.
Der Autor und der Protagonist
Gewisse Parallelen zwischen dem Protagonisten und seinem Schöpfer lassen sich dabei nicht übersehen: Auch Oliver von Allmen bringt Erfahrung in der Softwarebranche mit und die Schauplätze des Romans stammen allesamt aus seinem eigenen Leben. Da sind das Emmeufer in Kirchberg, wo der Autor aufgewachsen ist, der Sportplatz, auf dem er unzählige Stunden lang Fussball gespielt hat, und verschiedene Orte in Münchenbuchsee, wo Oliver von Allmen heute zu Hause ist. Diese regionale Verankerung ist kein Zufall, sondern bewusst gewählt. «Als ich mit dem Schreiben begonnen habe, war der Protagonist noch ein Kommissar. Ich merkte aber schnell, dass ich mich zu wenig in ihn hineinversetzen konnte», erzählt der Autor. Also entschied er sich, die Figur näher an seine eigene Person anzulehnen – die Geschehnisse selbst bleiben dabei aber vollständig fiktiv.
Sprachlich schreibt Oliver von Allmen auf spielerische, fast poetische Weise, die gleichzeitig engagiert und zeitgemäss bleibt. Das hängt wohl auch mit seiner Arbeitsweise zusammen: Ein grosser Teil des Texts entstand erst, nachdem die Handlung bereits feststand, sodass sich der Autor voll und ganz auf die Sprache konzentrieren konnte. Herausgekommen sind atmosphärische Erzählungen, die die Leserinnen und Leser direkt in ihren Bann ziehen.
Obwohl das Buch noch nicht erschienen ist, hat Oliver von Allmen bereits erste Rückmeldungen erhalten. Besonders die Regionalität der Schauplätze kommt bei den Leserinnen und Lesern gut an – ein Umstand, der sich auch bei der Vermarktung des Buches als grosse Hilfe erwiesen hat.
Auf die Frage, ob bereits weitere Werke in Aussicht stehen, antwortet der Autor zurückhaltend. «Ich will mich da von der Leserschaft leiten lassen», meint er. Falls das Interesse bestehe, könne er sich gut vorstellen, ein weiteres Werk zu kreieren. Aber da er mit seinem eigentlichen Beruf bereits recht ausgelastet sei, stehe noch in den Sternen, ob und wann es so weit sein könnte.
Text und Bild: Rosie Schenk
Lesung in der «Pause» in Kirchberg am Freitag, 23. Oktober 2026 um 19.00 Uhr.
Lesung im «Zentrum Alte Post» in Münchenbuchsee Donnerstag, 12. November 2026 um 20.00 Uhr.

