Eindrückliche 4x4-Tour durch die chilenischen Anden
14.01.2026 Aktuell, Natur, Gesellschaft, Aktuell, BurgdorfDer Burgdorfer Thomas Räber verbringt die kalten Wintermonate im Sommer der südlichen Hemisphäre bei seiner Tochter in Chile. Mit seinen Erzählungen nimmt er Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit auf seine Abenteuer. In diesem Bericht erzählt er von einer Exkursion in die Anden.
«Ausgangspunkt für die Exkursion ist Seron (Chile), wo das Unternehmen meiner Tochter Meret Räber seinen Sitz hat. Seron liegt auf rund 30 grad südlicher Breite und schrammt damit nur knapp an der Südgrenze der Atacama-Wüste vorbei, die bei 27 grad südlicher Breite endet. Damit ist schon einiges über das hiesige Klima gesagt: heiss und trocken. Wir rüsten uns mit genug Getränken und einem Lunch aus und steigen in die geländegängige Camioneta Mitsubishi L200. «Wir» meint zwei Touristinnen und mich sowie meine Tochter Meret Räber und ihr Mann Bernardo Rojas, welche als Guides tätig sind. Nach dem Start schrauben wir uns eingangs des Dorfes auf der linken Talseite die Bergflanke hoch und erreichen schon bald Los Maitenes. Dass es sich dabei um ein Dorf handelt, sieht man dieser lockeren Ansammlung verstreuter Gebäude nicht auf den ersten Blick an. Erst eine Kirche, eine Sanitätsstation und ein staubiger Fussballplatz verdeutlichen dies. Bewohnende sehen wir keine, obwohl die Temperatur auf inzwischen 1200 Meter über Meer noch angenehm kühl ist. Wir setzen unsere Fahrt fort und erreichen bald eine Majada, eine Art Mäiensäss. Diese Bauernhütten sind im Gegensatz zur Schweiz meist ganzjährig bewohnt. Als Schweizer/in braucht man allerdings seine ganze Vorstellungskraft, um sich hier ein ganzjähriges Leben vorstellen zu können. Die Hütten verfügen über keinerlei Komfort und keine Infrastruktur. Das Wasser muss aus einem der seltenen Wasserlöcher durch einen Schlauch über eine grössere Distanz zum Haus geführt werden. Die Bewohner/innen überleben dank ihren Ziegen und ihrem Verdienst als Taglöhner. Die spärlichen Strassen wurden von Minenarbeitern angelegt, die in dieser Gegend vor einiger Zeit Kupfererz abbauten. Die Verkehrswege sind also nicht mit Schweizer Strassen zu vergleichen, ohne 4x4-Antrieb und Pneus mit Steinschutz – damit sie nicht bei der ersten Gelegenheit aufgeschlitzt werden – fährt hier gar nichts. Aber wir sind gut gerüstet und folgen dem Weg bergwärts, bis wir auf eine erste Mine treffen. Das tönt spektakulär, ist es aber nicht. Endlose Gänge und Schächte sind hier nicht zu finden. Das Kupfererz wurde, wie übrigens auch in der weltgrössten Kupfermine Chuquicamata in der Atacama-Wüste, im Tagebau gewonnen. Der Abbau war aber so aufwendig – gebirgig und es gab kein Wasser für die Aufbereitung des Erzes – dass er schliesslich eingestellt wurde. Kupferhaltiges Gestein liegt also immer noch vor Ort, erkennbar an den grün und blau oxidierten Bruchstellen. Kupfer ist übrigens bei Weitem nicht der einzige Rohstoff, der hier im Gestein gespeichert ist. Die unterschiedliche Färbung der Gebirgszüge ist malerisches Zeugnis dafür. Wir wühlen im herumliegenden Geröll und liefern uns einen kleinen Wettkampf, wer den farbigsten Steinbrocken findet. Auf der Weiterfahrt entdecken wir bunte Blumen, begegnen Vogelschwärmen und staunen über das Leben in dieser so lebensfeindlichen Umgebung. Während eines weiteren Zwischenhalts auf nunmehr 3000 Meter über Meer – wir sitzen auf Felsbrocken und geniessen den Weitblick – fragt mich Meret: «Was ghörsch?» Ich lausche und antworte schliesslich: «Nüt.» Worauf sie trocken meint: «Äbe!» Die Stille, die Weite und die Abwesenheit menschlicher Tätigkeit lassen wohl niemanden unberührt. Ich freue mich darauf, dieselbe Gegend in einer Woche auf einer viertägigen Tour mit dem Pferd noch einmal erleben zu dürfen, und steige wieder in unser Fahrzeug. Die Camioneta holpert nun auf fast konstanter Höhe Richtung Argentinien und ermöglicht uns einerseits die Aussicht hinunter auf Las Breas, das oberste Dorf im Hurtado-Tal, andererseits den Blick hinauf auf weisse Gipfel. Die höchsten Berge in dieser Region ragen über 5000 Meter in die Höhe, können also nicht ganz mit dem höchsten Berg Chiles, dem Ojos del Salado (6893 m), mithalten. Dieser liegt übrigens ebenfalls in der Atacama-Wüste. Nach einem erholsamen Picknick unter dem von Bernardo errichteten Schattendach wenden wir und rumpeln über die gleiche Strasse wie bei der Hinfahrt nach Seron zurück. Dass wir diesmal in die Gegenrichtung fahren, ermöglicht neue Ausblicke, zum Beispiel auf drei der weltgrössten Observatorien. Das jüngste mit der weltweit grössten Digitalkamera, das Vera C. Rubin Observatory, ist erst seit Juni 2025 in Betrieb. So kehren wir schliesslich in die Zivilisation zurück und geniessen die Möglichkeit, uns unter der Dusche zu erfrischen, bevor wir in den Genuss einheimischer Kulinarik kommen.»Thomas Räber







