Elektromobilität, ja oder nein?

  01.07.2026 Aktuell, Wirtschaft, Gesellschaft, Aktuell, Burgdorf

Auf den Tag genau ein Jahr nach der letzten Durchführung fand auch am vergangenen Mittwoch wieder ein Energie-Symposium in Burgdorf statt – der Anlass ist schon beinahe altbewährt und doch von brennender Aktualität. Dieses Mal wählte die Localnet AG zum ersten Mal die angenehm klimatisierte Markthalle als Austragungsort, statt die Aula Gsteighof, womit sich alle Anwesenden sehr gut anfreunden konnten. Einmal mehr bot die Localnet AG einen toporganisierten Event mit einer Talkrunde, die die redegewandte und stets gutgelaunte Sonja Hasler, Produzentin und Ex-Moderatorin bei SRF Schweizer Radio und Fernsehen, moderierte, sowie einem spannenden Thema, aufgearbeitet in einem Gastreferat und in der anschliessenden Debatte.

«Elektromobilität - Warum stockt der Wandel?»
Zum diesjährigen Leitsatz, betreffend der angeblich zögerlichen Umsetzung der Elektromobilität, erläuterte Martin Bolliger, Senior Experte Elektromobilität und Energie TCS, in einem Kurzreferat seine Haltung. Zusammengefasst widerlegte er sogleich jegliche Zweifel und attestierte der weiteren Zukunft elektrisch betriebener Fahrzeuge vollsten Optimismus: «Was sollte stocken?» sagt er, «seit 2020 ist die Zahl an Elektroautos um Faktor 6 gewachsen, in den letzten 11 Jahren um Faktor 40. Der Wandel ist also in vollem Gange.» Davon zeugen über 400 000 Fahrzeuge alleine in der Schweiz, Tendenz zunehmend. Der Marktanteil an Neuwagenverkäufen betrug in der Schweiz vom 1. Januar bis 1. Juni 2026 ganze 35 Prozent.
In der anschliessenden Diskussionsrunde gesellten sich zu Martin Bolliger folgende Gäste: Jürg Grossen (Nationalrat und Präsident GLP, Präsident Swissolar und Swiss eMobility), Martin Everts (Managing Director AMAG Energy & Mobility AG) sowie Thomas Knutti (Landwirt, Lastwagenunternehmer und Nationalrat SVP). Thomas Knutti heizte die Diskussion sogleich an. Als unumstrittener Verfechter von Verbrennungsmotoren, wie er dies betonte, reiste er auch für diesen Anlass mit seinem Range Rover Dieselfahrzeug an und sagte, er könne dem Fahren eines Elektrowagens kaum etwas abgewinnen. Er begründete dies vor allem mit den gängigen Argumenten: den teuren Anschaffungskosten, dem Fahrspass, fehlenden Ladestationen und der Versorgungssicherheit sowie von gesetzlichen Vorschriften, die eine freie Mobilitätswahl erschweren. Martin Everts, Managing Director AMAG, sieht die Schweiz betreffend Elektromobilität noch zu weit im Hintertreffen. Im Vergleich zu nördlichen Ländern bewege sich die Schweiz schon fast peinlich langsam. GLP-Präsident Jürg Grossen ist vor 15 Jahren auf Elektro umgestiegen und seither davon fasziniert. In Gemeinsamkeit mit der wachsenden Photovoltaik-Generation und der Effizienz in dieser Branche sieht er ein in der Elektromobilität ein riesiges Potenzial – zugunsten unseres Klimas und er Schweiz. Die Ängste vor dem Umstieg erachtet er als unbegründet. 

Auch das Publikum darf mitdiskutieren 
Das Thema Energieversorgung beschäftigte dann auch das Publikum. Nationalrat und SVP-Mann Thomas Knutti sah sich mit der Frage konfrontiert, weshalb seine Partei, die für eine unabhängige und für eine freie Schweiz einstehe, nicht auf nachhaltige Energie setze. Genau das würde die SVP aber tun, lautete seine Erklärung. Für die sichere Versorgung brauche es allerdings auch Kernenergie. Das auch diese Stromversorgung sicher sei, habe ihm ein kürzlicher Besuch im AKW Mühleberg bestätigt. Laut Thomas Knutti eine wunderbare Anlage, die niemanden störe, an 365 Tagen 24 Stunden Strom liefere und extrem sicher sei, auch wenn die Sonne nicht scheine. Nun, der kürzliche Besuch dürfte doch etwas her sein, denn das AKW Mühleberg wurde am 
20. Dezember 2019 stillgelegt.

Text und Bilder: Paul Hulliger


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