Fortschritte auf dem «Papieri»-Areal
27.05.2026 Utzenstorf, Gesellschaft, Aktuell, PolitikDie Kantone Bern und Solothurn haben sich bezüglich ihrer unterschiedlichen Standpunkte zum Logistikstandort Emmepark Landshut auf dem Areal der ehemaligen «Papieri» in Utzenstorf im Rahmen des vom Bundesrat angeordneten Bereinigungsverfahrens geeinigt und eine Vereinbarung getroffen. Sie fliesst in den Richtplan des Kantons Bern ein. Anlass für das Bereinigungsverfahren war ein Antrag von Seiten des Kantons Solothurn an den Bund, den Logistikstandort Emmepark Landshut nicht im Richtplan des Kantons Bern festzusetzen. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 20. Mai 2026 nun das Logistikvorhaben im Richtplan des Kantons Bern genehmigt.
Die Digitec Galaxus AG und die Schweizerische Post planen an diesem Standort grosse Lager für den Warenumschlag. Dies führt künftig zu zahlreichen Lastwagenfahrten. Möglich ist die Zufahrt via Utzenstorf, aber auch via Gerlafingen im Kanton Solothurn. Der Kanton Solothurn befürchtete unter anderem, durch zusätzlichen Lkw-Verkehr belastet zu werden, wohingegen nur der Kanton Bern vom Wirtschaftsstandort profitieren würde.
Kanton Solothurn wird entlastet
Mit der nun unterzeichneten Vereinbarung haben sich die beiden Kantone auf zentrale Punkte geeinigt: Der nördliche Teil des Gebiets bleibt wie vorgesehen als Logistikstandort im Richtplan des Kantons Bern verankert. Der Kanton Bern verpflichtet sich im Gegenzug, sich dafür einzusetzen, dass 60 Prozent der Lkw-Zu- und Wegfahrten über das Berner Kantonsgebiet erfolgen (ursprünglich war eine hälftige Aufteilung vorgesehen). Der Kanton Solothurn seinerseits verpflichtet sich, darauf hinzuwirken, dass die Gemeinde Gerlafingen das geänderte Verkehrsregime akzeptiert. Weiter setzt sich der Kanton Bern dafür ein, dass die bestehende Bahninfrastruktur für den Logistikstandort genutzt wird, sofern dies technisch, betrieblich und wirtschaftlich möglich ist.
Beide Kantone haben ausserdem vereinbart, den Dialog mit den betroffenen Gemeinden sowie mit den regionalen Planungsgremien weiterzuführen. Ziel ist eine raum- und umweltverträgliche Entwicklung des Standorts. Zudem sollen Vorhaben mit gewichtigen Auswirkungen auf Raum und Umwelt zukünftig im grenznahen Raum frühzeitig gemeinsam koordiniert werden.
Ein wichtiger Schritt für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts
Mit der Einigung konnte eine wichtige Grundlage für die Realisierung des geplanten Logistikvorhabens geschaffen werden. Die Festsetzung des Standorts im kantonalen Richtplan ist Voraussetzung für die weiteren Planungsschritte, damit das für den Kanton Bern und die Region Emmental bedeutende Projekt realisiert werden kann. Mit der Einigung zwischen den beiden Kantonen kann auch das sistierte Beschwerdeverfahren gegen die Baubewilligung wieder aufgenommen werden.
Keine Logistik auf dem südlichen Arealteil
Ein weiterer Bestandteil der Vereinbarung betrifft den südlichen Teil des Logistikstandorts. Der Kanton Bern erklärt sich damit einverstanden, dafür keine Logistiknutzungen mehr vorzusehen und diesen Teil des Perimeters aus dem Richtplan zu streichen. Diese Änderung hat keinen Einfluss auf das Aus- und Weiterbildungszentrum für Feuerwehr, Zivilschutz und Polizei im Rahmen des Projekts «Sirius3», das der Kanton anfangs Mai 2026 vorstellte.
Projekt «Sirius3» für den Kanton Bern
Die Aus- und Weiterbildungszentren von Feuerwehr, Zivilschutz und Polizei im Kanton Bern sind in die Jahre gekommen. Sie erfüllen die notwendigen Anforderungen in wichtigen Bereichen nicht mehr. Da die Anforderungen der drei Partner des Bevölkerungsschutzes an die Infrastrukturen weitgehend vergleichbar oder sogar identisch sind, wollen der Regierungsrat und die Gebäudeversicherung Bern (GVB), welche die Aufsicht über die Berner Feuerwehren und deren Ausbildung verantwortet, unter dem Projekttitel «Sirius3» ein gemeinsames Aus- und Weiterbildungszentrum realisieren. Der Regierungsrat hat die dazugehörige Strategie und einen Kredit für die weiteren Arbeiten zuhanden des Grossen Rats verabschiedet.
Standort Utzenstorf favorisiert
Im Rahmen einer strukturierten und datenbasierten Evaluation wurden mögliche Standorte im Kanton geprüft. Das Aus- und Weiterbildungszentrum soll eine Grundstückfläche von rund 45 000 Quadratmetern umfassen und zentral gelegen sein. Ebenso muss der Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel und an das Strassennetz gewährleistet sein. Eine eingezonte Parzelle auf dem Südteil der ehemaligen Papierfabrik in der Gemeinde Utzenstorf schnitt bei der Standortevaluation am besten ab. Mit dem Grundeigentümer, dem Migros-Genossenschafts-Bund, wurde eine Reservationsvereinbarung abgeschlossen. Das Vorhaben wird vom Gemeinderat Utzenstorf unterstützt.
Für den Bau wird mit Gesamtkosten von rund 160 Millionen Franken gerechnet. Die Kosten des Kantons für die Bereiche Zivilschutz und Kantonspolizei belaufen sich auf rund 100 Millionen Franken. Das gemeinsame Aus- und Weiterbildungszentrum für Feuerwehr, Zivilschutz und Kantonspolizei wird frühestens Anfang der 2030er-Jahre realisiert. Voraussetzung für die Projektierung ist die Unterstützung des Vorhabens durch den Grossen Rat.
Text und Bild: red/zvg

