Fritz Thomet schnitzt seine Lebensgeschichte in Holz

  14.01.2026 Gesellschaft, Koppigen, Gesellschaft

Bei Kaffee und Weihnachtsgüe­tzi erzählt Fritz Thomet beim Treffen mit der Zeitung «D’REGION» von seinem Leben, seiner Heimat und seinem Hobby, dem Schnitzen, das heute kaum noch ausgeübt wird. 
Im Alter von sieben Jahren zog Fritz Thomet mit seiner Familie aus der Nähe von Bern nach Willadingen. Hier verbrachte er fast sein ganzes Leben. Seit seine Frau Kläri vor einigen Jahren verstarb, lebt der 95-Jährige allein in seinem Stöckli. Fritz und Kläri Thomet stammten beide aus grossen Familien, was ihr Leben stets geprägt hat. Als Bauernkind aufgewachsen, arbeitete Fritz Thomet auch im Erwachsenenalter als Landwirt. Der Hof seiner Eltern war jedoch nur gepachtet. Als Fritz Thomet das Elternhaus verliess, konnte er von einer verwitweten Nachbarin Land und Hof erwerben. Er war froh, in der Gemeinde Willadingen bleiben zu können. 
Durch Zufall begann Fritz Thomet mit dem Anbau von Mutterkorn. Dieser giftige Pilz, der für die meisten Bauern/Bäuerinnen einen Verlust der Ernte bedeutet, findet in der Pharmaindustrie Verwendung. Der Anbau ist anspruchsvoll, war zur damaligen Zeit aber sehr lukrativ.
Fritz Thomet war schon immer sehr kunstaffin. Er arbeitet gerne mit den Händen, deshalb plante und baute er sein heutiges Stöckli zu grossen Teilen selbst. An den Holzbalken des Häuschens zeigt sich seine Künstlernatur in prächtigen Schnitzereien. Er könne sich nicht mehr daran erinnern, wann er mit dem Schnitzen begonnen habe. Zu lange sei das Handwerk bereits Teil seines Lebens. Es begleitet ihn auch im Alter. Das Schnitzen hält seine Gelenke beweglich. Schnitzmesser und angefangene Arbeiten liegen nie weit weg. Das Holz beschafft sich Fritz Thomet in Form von grossen Holzplatten, die er mit der Tischsäge in handlichere Brettli zerlegt. 
Die Motive seiner Schnitzereien sind vielfältig: Sie reichen von Mandala-ähnlichen Formen über Wappen und Gedenktafeln für Anlässe bis zu militärischen Sujets. Vielfach kreiert Fritz Thomet auch filigrane Namenstafeln. Für seine Arbeiten mit Buchstaben dient ihm eine alte Bibel aus dem 18. Jahrhundert als Vorlage. Diese entdeckte er vor einigen Jahrzehnten bei Renovationsarbeiten in einer Wand bei sich zu Hause. Insbesondere die Initialen, die kunstvollen Buchstaben am Seitenanfang, faszinierten ihn. Der eigentliche Schnitzprozess ist simpel: Hat Fritz Thomet sich für ein Motiv entschieden, beginnt er damit, es aus dem Holz herauszuarbeiten, bis er mit dem Resultat zufrieden ist. Danach beizt er das Brett und schleift die oberste Schicht wieder ab. So tritt das Motiv deutlicher hervor.
Eine besondere Bedeutung besitzen für den ehemaligen Gemeindepräsidenten von Willadingen Familien- und Gemeindewappen. Viele solcher von ihm gefertigten Wappen stehen in direktem Zusammenhang mit seiner Lebensgeschichte. Das Wappen von Orpund etwa schnitzte er zu Ehren seiner verstorbenen Frau, die von dort stammte. Auch Willadingen, Bern und die Schweiz sind häufig vertreten, ebenso die Nachbargemeinden von Willadingen. Tiere finden sich in Fritz Thomets Sammlung ebenfalls einige. Am häufigsten erscheint jedoch das Motiv der «11er Dragoner», jener Schwadron, in der Fritz Thomet seinen Militärdienst leistete. Die Dragoner, einst die berittene Infanterie der Schweizer Armee, existieren heute nicht mehr – für Fritz Thomet sind die Schnitzereien umso wichtigere Erinnerungsstücke. Auch deshalb, weil ihm vor einigen Jahren ein grosser Teil seiner Waffensammlung gestohlen wurde und ihm von seiner Militärzeit dadurch nicht mehr viel erhalten geblieben ist.
Trotz seines hohen Alters ist Fritz Thomet geistig fit und agil. Wenn er nicht schnitzt, geniesst er die Zeit in seiner vertrauten Umgebung.

Text und Bilder:  Rosie Schenk


Image Title

1/10


Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote