Gotthelf und die Künstliche Intelligenz KI

  07.10.2026 Lützelflüh, Lützelflüh, Kultur

Hätte der Schriftsteller Jeremias Gotthelf Künstliche Intelligenz (KI) genutzt, wenn sie ihm zu seinen Lebzeiten im 19. Jahrhundert zur Verfügung gestanden wäre? «Alles spricht dafür», lautete die Antwort von Referent Werner Eichenberger. Denn Gotthelf, mit bürgerlichem Namen Albert Bitzius, beschäftigte sich intensiv mit technischen Entwicklungen, erläuterte der ehemalige Sekundarlehrer, der jahrelang im Leitungsteam des Gotthelf Zentrums in Lützelflüh mitwirkte und sich intensiv mit KI auseinandersetzt. Er beantwortete die Frage, ob der Pfarrer, Schriftsteller, Journalist sowie aufgeklärte Bildungs- und Sozialpolitiker KI für seine Arbeit verwendet hätte, positiv: «Sicher nicht für literarische Texte und Korrespondenzen, aber bestimmt für die Recherche zu seinen Werken und fürs Korrekturlesen.»
Eichenberger gab seiner 28-köpfigen Zuhörerschaft zunächst eine übersichtliche Einführung in die Entstehungsgeschichte und die sich rasant entwickelnden Möglichkeiten der KI, die nach 1956 als künstliches neuronales Netzwerkmodell entstand. Das Weizenbaum-Programm «Eliza», das schon 1966 auf Texteingaben antworten konnte, war ein weiterer Schritt in der Entwicklung bis zum Sieg eines Computers 1997 gegen einen Weltklasse-Schachspieler. 2012 gelang die Bilderkennung, bis 2017 die «Transformer Architektur» das Sprachtraining ermöglichte, das kurze Zeit später in ChatGPT mündete, dessen Fähigkeiten dem menschlichen Denken recht nahe kommen. 
Eichenberger lis­tete das Gefahrenpotenzial der im Alltag inzwischen allgegenwärtigen KI auf: möglicher Datenabfluss, Kontrollverlust und, wie kürzlich geschehen, eigenmächtige Handlungen sogenannter KI-Agenten, gewaltiger Energieverbrauch sowie riesige Rechenzentren. Nicht unerwähnt blieben ihre Einsatzmöglichkeiten im Krieg, im Darknet, in der Überwachung und sogar in der Beeinflussung von Wahlen. Allerdings könne die KI auch vielfache, Leben und Arbeit erleichternde Hilfen bieten: beispielsweise in Forschung, Medizin, Bildung, Verwaltung und weiteren Bereichen. Diese Erläuterungen schloss der Referent mit der Feststellung, dass aus seiner Sicht KI zwar keinen Weltuntergang bedeute; doch ihr Missbrauch könne Angst erzeugen.
Eichenberger, der sein Publikum an zahlreichen KI-Anfragen zum Schriftsteller, zu seiner kraftvollen Sprache und zu archivierten Dokumenten teilnehmen liess, ertappte die KI mehrfach bei falschen Zuordnungen und Bezügen. Der menschliche Intellekt sei für ihre Überprüfung zum Glück unersetzlich, betonte er. Was aber mit Geschichten und Bildern aus der Gotthelf-Zeit heute möglich ist, liess der Referent an spannenden Anwendungen von der Powerpointpräsentation bis zu angedachten Cartoons erleben. KI kann sogar die Musik zu berndeutschen Worten über das Gefühlsleben von Jakobli und Meyeli im zweibändigen «Anne Bäbi Jowäger»-Roman komponieren.

Text und Bild: Gundi Klemm

 


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