Die Grippewelle grassiert
21.01.2026 Gesellschaft, Gesellschaft, Region, Burgdorf, AktuellDie Grippewelle hat die Region fest im Griff. Als typische Symptome gelten plötzlich auftretendes, hohes Fieber, Schüttelfrost, Husten, Hals- und Schluckweh, Kopfschmerzen, Schmerzen in Muskeln und Gelenken, aber auch Schnupfen, Schwindelgefühl und Appetitverlust. Bei Kindern können sich zudem Übelkeit, Erbrechen und Durchfall dazugesellen, bei älteren Personen kann Fieber fehlen. Meistens verlaufen Grippeerkrankungen relativ milde, es können aber auch Komplikationen auftreten.
In der Schweiz führt die Grippe pro Saison üblicherweise zu 112 000 bis 275 000 Arztkonsultationen, hält das Bundesamt für Gesundheit (BAG) fest. Aufgrund von Krankheitskomplikationen kommt es ausserdem zu mehreren Tausend Hospitalisationen und zu mehreren Hundert Todesfällen. Davon betroffen sind vorwiegend Menschen mit einem erhöhten Risiko für Grippekomplikationen: Schwangere, Frühgeborene, ältere Menschen und Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen. Neben der Influenza zirkulieren aktuell zudem verschiedene andere Erkältungsviren.
Die Zeitung «D’REGION» unterhielt sich mit Dr. med. Martin Egger, Leiter Spitalhygiene und Leitender Arzt des Spitals Emmental, über die Grippewelle, die Auswirkungen auf den Spitalbetrieb und die Schutzmassnahmen.
«D’REGION»: Welche Auswirkungen hat die Grippewelle auf die Auslastung im Spital Emmental, das an den Standorten Burgdorf und Langnau rund 190 Betten betreibt (exklusiv Psychiatrie, inklusive Intensivstation)?
Martin Egger: Die Grippewelle führt zu einer anhaltenden vollen Auslastung, die ein Bündel an Massnahmen notwendig macht, um allen Patientinnen und Patienten ein Bett anbieten zu können, die eines benötigen. Diese umfassen unter anderem gegenseitige Zuweisungen zwischen den Standorten des Spitals Emmental und zwischen den Berner Spitälern, die Optimierung bei den Austrittsplanungen und die Fokussierung auf eine ambulante Behandlung, sofern diese ohne Abstriche bei der Sicherheit möglich ist.
«D’REGION»: Mussten bereits Operationen verschoben werden? Wurden Patientinnen oder Patienten infolge Vollbelegung abgewiesen beziehungsweise in andere Spitäler verlegt?
Martin Egger: Bisher wurden nur Operationen infolge von Erkrankung von Patientinnen oder Patienten verschoben, bei denen ein Eingriff vorgesehen war. Verschiebungen aus Kapazitätsgründen erfolgten dagegen keine. Das Spital Emmental weist grundsätzlich keine Patientinnen oder Patienten ab. Diese werden aber, sofern es unumgänglich ist, von der Notfallstation weg in andere Spitäler hospitalisiert. Die Organisation eines Platzes übernehmen wir.
«D’REGION»: Fällt die Grippewelle in dieser Saison gravierender aus als in anderen Jahren?
Martin Egger: Die Grippewelle dürfte etwas stärker sein als in den vergangenen Jahren. Dies kann auch damit zusammenhängen, dass sie uns in dieser Saison mitten während der Festtage erreicht hat. Infolge der vielen Familien- und Bekanntentreffen ist die Ansteckungsgefahr natürlich grösser.
«D’REGION»: In welchen Fällen müssen Influenza-Erkrankte hospitalisiert werden?
Martin Egger: Eine Hospitalisation wegen der Influenza selber ist selten nötig. Aber bei betagten Menschen ist die Grippe oft der Tropfen, der das Fass von Gesundheitsproblemen zum Überlaufen bringt und so zum Spitalaufenthalt führt. In allen Alterskategorien kann es zudem zu bakteriellen Sekundärinfektionen kommen, die auch jüngere Menschen spitalbedürftig machen können.
«D’REGION»: Bekanntlich sind die Mitarbeitenden des Spitals ja nicht immun gegen Infuenza-Viren. Gibt es einen personellen Engpass? Wie schützt sich das Spital?
Martin Egger: Erste überschlagsmässige Zählungen der Geimpften zeigen, dass sich diese Saison mehr Mitarbeitende gegen die Influenza haben impfen lassen als in den Vorjahren. Wir verfolgen am Spital Emmental eine klare Richtlinie: Im Bezug auf die «Respiratorische Standardhygiene» werden unsere Mitarbeitenden regelmässig geschult. Sie regelt, mit welchen Massnahmen – etwa Indikationen zum Maskentragen, Abstandhalten, Händehygiene und Isolationen für Spezialfälle – die Übertragung von Influenza- und anderen Viren zwischen Mitarbeitenden und Patienten/-innen verhindert werden kann. Die allgemein angespannte Personalsituation der Spitäler ist ja bekannt. Influenza-Fälle haben nur wenig Anteil daran.
«D’REGION»: Haben Sie Tipps und Tricks, wie man sich gegen die Grippe schützen kann? Was muss beachtet werden, um Ansteckungen zu vermeiden, wenn Personen im selben Haushalt erkrankt sind?
Martin Egger: Hier hilft es, an die Covid-Zeit zurückzudenken – das heisst
Abstand halten, Hände waschen, Menschenansammlungen meiden und in der Öffentlichkeit eine Maske tragen.
«D’REGION»: Ist der Höhepunkt der Grippewelle bereits erreicht?
Martin Egger: Unsere internen Testergebnisse decken sich mit den Zahlen des Abwasser-Monitorings der ETH Zürich (https://wise.ethz.ch). Diese zeigen, dass der Gipfel der Grippewelle gerade eben überschritten wurde.
Interview: Markus Hofer, Bild: zvg

