Im Gemeinderat kommt es zu personellen Wechseln
30.09.2026 Lützelflüh, Politik, LützelflühAm Sonntag, 25. Oktober 2026, entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Lützelflüh über die Zusammensetzung des siebenköpfigen Gemeinderats für die Legislaturperiode 2027 bis 2030. Die Ausgangslage präsentiert sich spannend: Vier der sieben bisherigen Exekutivmitglieder treten nicht mehr zur Wahl an. Insgesamt buhlen 26 Kandidatinnen und Kandidaten um einen Sitz im Gemeinderat und um die Gunst der Wählerinnen und Wähler. Während viele Gemeinden zunehmend Mühe bekunden, genügend engagierte Personen für politische Ämter zu finden, ist die Bereitschaft, in Lützelflüh ein politisches Milizamt zu übernehmen, erfreulich gross.
Gegenwärtig ist die SVP als stärkste Partei mit drei Sitzen in der Exekutive. Die Freien WählerINnen (FW) verfügen über zwei Mandate – ebenso die EVP. Neben der SVP, den Freien WählerINnen und der EVP treten auch Die Mitte und neu die EDU mit einer Liste zu den Gemeinderatswahlen an.
Personelle Wechsel
Von den bisherigen Gemeinderatsmitgliedern stellen sich Stefan Schütz von den Freien WählerINnen, Ressort Sicherheit, sowie die beiden SVP-Mitglieder Andreas Kobel, Ressort Tiefbau, und Ulrich Zaugg, Ressort Finanzen und Steuern, zur Wiederwahl. Somit wird es in der Exekutive zu einem grossen personellen Wechsel kommen: Mindestens vier neue Mitglieder werden Einsitz nehmen.
Kurt Baumann, der seit Januar 2021 als Gemeindepräsident von Lützelflüh amtiert, verzichtet auf eine erneute Kandidatur. «Ich wirkte insgesamt während 12 Jahren als Mitglied im Gemeinderat mit. Das ist eine stolze Zeit», begründet er gegenüber der Zeitung «D’REGION» seinen Entscheid. «Eine jüngere Generation ist nun bereit, politische Verantwortung für das Wohl unserer Gemeinde zu übernehmen. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung, der ich nicht im Weg stehen will. Zudem kristallisierte sich in Gesprächen heraus, dass ein bisheriges Mitglied des Gemeinderats gewillt ist, im Falle der Wiederwahl das Gemeindepräsidium zu übernehmen. Dies würde für Kontinuität sorgen und wäre sicherlich eine ideale Lösung.» Den Namen seines potenziellen Nachfolgers nannte Kurt Baumann im Gespräch mit der «D’REGION» nicht.
Weiter demissionieren aus privaten Gründen Stefanie Gsell von den Freien WählerINnen, Ressort Tourismus und Kultur, sowie Fritz Peyer, EVP, Ressort Bildung. Beide gehören seit acht Jahren der Gemeindeexekutive an. Franz Held, EVP, der dem Ressort Hochbau vorsteht, kann nach 12 Jahren im Gemeinderat infolge Amtszeitbeschränkung nicht mehr antreten.
SVP will ihre drei Sitze verteidigen
Die SVP setzt sich zum Ziel, ihre drei Sitze im Gemeinderat zu verteidigen und liebäugelt mit dem Gewinn eines vierten Mandats. Vor vier Jahren erreichte sie einen Wähleranteil von 38,85 Prozent. «Wir treten mit einer starken Liste mit fünf Kandidierenden an – darunter zwei Bisherigen», erläutert Kurt Baumann, der als Wahlleiter amtiert. «Alle fünf sind topmotiviert und sich der Verantwortung bewusst, die mit dem Amt als Gemeinderat/Gemeinderätin einhergeht. Sie bringen die notwendigen Kenntnisse und Voraussetzungen mit, um unsere Gemeinde in die Zukunft zu führen.» Die SVP setzt sich unter dem Motto «Zäme für Lützuflüeh» dafür ein, den bewährten Kurs zugunsten der Gemeinde weiterzuführen und Projekte wie die Schulraumplanung, die Ortsdurchfahrt Kirchplatz, die Ortsplanungsrevision und ein zu errichtendes Gesundheitszentrum erfolgreich zum Abschluss zu bringen beziehungsweise anzupacken. Weiter will die SVP gemäss Kurt Baumann Sorge zur bestehenden Infrastruktur tragen und zugleich die Finanzen im Griff behalten.
Die Mitte strebt die Rückkehr in den Gemeinderat an
Die Mitte verlor bei den Wahlen vor vier Jahren äusserst knapp ihren Sitz im Gemeinderat und möchte diesen nun wieder zurückgewinnen. 2022 erreichte sie einen Wähleranteil von 11,83 Prozent. «Unsere Chancen für den Wiedereinzug in die Exekutive sind intakt», zeigt sich Mathias Leibundgut, Präsident der Mitte Brandis und Wahlleiter Emmental, überzeugt. Er betont: «Unsere Kandidierenden sind in der Gemeinde bekannt und bestens verankert. Sie stehen – wie Die Mitte im Generellen – für eine lösungsorientierte, pragmatische Politik ein mit dem Ziel, das Beste für alle Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Die gute Zusammenarbeit unter den Gemeinderatsmitgliedern soll auch künftig erhalten bleiben. Kommunale Brennpunkte müssen entschlossen angepackt werden. Dabei gilt es, verschiedene Interessen zu berücksichtigen und Kompromisse zu finden. Im Unterschied zu den Pol-Parteien lassen wir uns nicht von ideologischen Vorgaben leiten. Der Wiedereinzug der Mitte würde zu einer grösseren politischen Vielfalt im Gemeinderat beitragen.»
Die EDU wagt den Sprung
Die EDU tritt erstmals bei den Gemeinderatswahlen in Lützelflüh an. «Mit unserer Liste wollen wir der Bevölkerung eine zusätzliche Wahlmöglichkeit bieten und insbesondere die christlich orientierten Bürgerinnen und Bürger ansprechen. Mit dem Antritt zu den Gemeinderatswahlen stellen wir sicher, dass sich ein möglichst grosses Spektrum der Bevölkerung in der Politik vertreten fühlt», führt Sonja Steinmann aus. Sie ist Vorstandsmitglied der EDU Emmental und Wahlleiterin. Einen Sitzgewinn für die EDU erachtet sie als durchaus realistisch – zumal die Partei in Lützelflüh bei den Grossratswahlen jeweils gute Ergebnisse vorweisen konnte. «Die EDU setzt sich zum Ziel, biblische und christliche Werte in der Gesellschaft, im alltäglichen Leben und in der Politik hochzuhalten», erläutert Sonja Steinmann. Als wichtiges Thema, das in Lützelflüh angegangen werden muss, bezeichnet sie die Schulraumplanung. «Hier gilt es, gute Lösungen für die Bürgerinnen und Bürger im Unter- und Oberdorf ebenso wie in den Aussenbezirken zu finden. Weiter setzt sich die EDU für eine starke Landwirtschaft ein.»
Die EVP will zumindest einen Sitz halten
Bei den Wahlen vor vier Jahren reichte es der EVP nur denkbar knapp für die Verteidigung ihrer beiden Sitze, obwohl sie damals ihren Wähleranteil um 4,62 Prozentpunkte auf rund 23,35 Prozent zu steigern vermochte. Bei den kommenden Wahlen muss die Partei auf den Bisherigen-Bonus verzichten, da weder Franz Held noch Fritz Peyer erneut antreten. «Angesichts der schwierigen Ausgangslage dürfen wir realistischerweise nicht mehr mit zwei Sitzen rechnen», gibt Andreas Baumgartner, Präsident der EVP Brandis, gegenüber der Zeitung «D’REGION» Auskunft. «Ziel ist der Erhalt eines Mandats. Gelingt es uns, beide Sitze zu halten, würde uns dies ausserordentlich freuen. Die EVP steht für eine Politik ein, die Sorge zum Bestehenden trägt und zugleich zukunftsorientiert ist. Ein schonender Umgang mit den vorhandenen Ressourcen bildet die Voraussetzung dafür, dass Lützelflüh auch für kommende Generationen als lebenswerte und gut funktionierende Gemeinde wahrgenommen wird. Unsere Partei setzt sich zum Ziel, Brücken zu bauen und breit abgestützte, nachhaltige Lösungen für die anstehenden Herausforderungen zu erarbeiten.»
Die Freien WählerINnen wollen ihre beiden Mandate verteidigen
Die FW streben die Verteidigung ihrer beiden Sitze an. «Ob uns dies gelingen wird, ist offen. Die Ausgangslage ist herausfordernd, da sich die Wählerstimmen neu auf fünf Listen verteilen werden. Bei den Gemeinderatswahlen 2022 standen nur vier Listen zur Auswahl», erläutert Stefan Schütz, Gemeinderat und Präsident der FW. Damals legte die Gruppierung kräftig zu und erreichte einen Wähleranteil von 25,97 Prozent.
Die FW sind seit über 60 Jahren in der Gemeindepolitik aktiv und waren seither immer mit ein bis zwei Sitzen in der Exekutive vertreten. «Wir fokussieren uns ganz auf die kommunale Politik. Die FW verfolgen eine pragmatische Politik, wollen etwas bewegen, agieren unabhängig von einem nationalen Parteiprogramm und setzen sich für ein lebenswertes Lützelflüh ein», so Stefan Schütz. Als wichtige Themen in den kommenden Jahren erachtet er die Schulraumplanung, einen umsichtigen Umgang mit den Finanzen, die Weiterentwicklung der öffentlichen Bauten, die Unterstützung von Sport und Kultur sowie eine aktive Standortpolitik – etwa durch die Aufrechterhaltung des lokalen Gesundheitswesens.
Text: Markus Hofer
Bild: zvg

