Nach langer Reise wieder zu Hause

  18.03.2026 Aktuell, Kultur, Burgdorf, Natur

Seit knapp zwei Wochen bin ich nun wieder zu Hause, ich weiss nicht, wo das halbe Jahr geblieben ist. Ich sitze in meinem Wohnzimmer und denke, hier habe ich doch erst gerade gesessen. Dazwischen liegen aber 16 000 Fahr­kilometer, fünf fantastische Länder und zahlreiche wundervolle Erlebnisse. 
Im Januar war ich erneut in Botswana unterwegs. Es war beeindruckend, die veränderte Natur zu sehen. Im September war alles noch dürr und braun, nun präsentierte sich mir eine Fülle an grünen Farben und Blättern. Das viele Wasser ist für Tiere und Pflanzen ein Segen, die Strassen hingegen wurden zur Herausforderung. 
Für die Zeit mit meiner Mutter und ihrem Mann – sie besuchten mich für 14 Tage in Botswana – hatte ich einen befreundeten Führer, Shabba, mit einem Safarifahrzeug organisiert. «Imani» hat nur zwei Sitzplätze, ich hätte die beiden gar nicht in meinem Auto mitnehmen können. Unter anderem fuhren wir auch wieder in die Region Khwai, die mir im September besonders gut gefallen hatte. Die Strassen dahin waren in miserablem Zustand, eine riesige Pfütze nach der anderen und eine tiefer als die nächste. So war ich froh, dass ich «Imani» in Maun stehen lassen und auch ins Safarifahrzeug zu Shabba einsteigen konnte. Mehrere Fahrzeuge blieben stecken, auch uns erging es einmal so. Zum Glück kam Hilfe und man zog uns mit einem Abschleppseil aus dem Morast. Die herausfordernde Fahrt hat sich mehr als gelohnt. Die Tierwelt war fantastisch und wir konnten sogar Geparden auf der Jagd beob­achten. Eigentlich war ihr Ziel eine Herde Impalas, jedoch kam ihnen ein Wasserbock in die Quere. Als dieser sie entdeckte, waren die Impalas gewarnt. Kurzerhand versuchten die Geparden, die für sie doch eher grosse Beute zu erwischen, doch der Wasserbock entkam. 
Die zwei Wochen verflogen im Nu und schon war ich wieder alleine unterwegs. Mein letztes Ziel vor der Heimreise war Namibia. Auf dem Weg zur Grenze machte ich einen Stopp in einer Gegend, in der es noch verschiedene San-Dörfer gibt, also Dörfer der sogenannten Bushmänner. Die San sind beziehungsweise waren Jäger, jedoch wurde die Jagd durch staatliche Gesetze weitgehend verboten und so wurde ihnen die Lebensgrundlage genommen. Viele sind sesshaft geworden und leben teilweise in grosser Armut. Einige versuchen ihren Lebensunterhalt mit touristischen Angeboten zu bestreiten. Sie geben Einblicke in ihre Kultur und vermitteln ihr unglaubliches Wissen über Pflanzen und Tiere. Über den Sinn solcher Angebote kann man streiten. Wenigstens wird dadurch gesichert, dass ihre Tradition nicht ganz verloren geht und ihr Wissen und Können an die nächste Generation weitergegeben wird. Ich hatte das Glück, eine sehr authentische und gute Begegnung erleben zu dürfen. Spannend war auch, dass ich viele der Pflanzen und deren medizinischen Nutzen bereits von meiner Ausbildung zum Safari­guide kannte. 
Nach diesem interessanten Besuch ging ich den letzten Grenzübertritt an. Eigentlich hatte ich gedacht, ich wüsste nun, wie diese funktionieren. Zur Grenze fahren, Auto abstellen, auf der einen Seite zur Immigration, um den Ausreisestempel zu erhalten. Danach steht die Durchfahrt ins nächste Land an: Auto wieder abstellen, zur Immigration und zum Custom. Doch dieses Mal wars natürlich wieder anders. Ich brauchte sicher zehn Minuten, um herauszufinden, dass sich die Grenzabwicklung beider Länder auf der namibischen Seite befindet. Also direkte Fahrt nach Namibia und dort Auto parken. Danach von Schalter zu Schalter. Aber nicht in schöner Reihenfolge, von Schalter 12 zu 9 zurück und dann weiter zu 14. Keine Ahnung, wie diese Nummern zustande gekommen sind, es gab insgesamt acht Schalter und nirgends war ersichtlich, in welcher Reihenfolge diese zu absolvieren sind. Endlich wieder draussen, nun schnell noch bei der Ausfahrt den Einreisestempel zeigen und ab Richtung Windhoek. So hatte ich es zumindest gedacht. Bei der Kontrolle wurde ich jedoch nach dem Beleg für die Strassengebühr gefragt. Strassengebühr? Ja, die gibt es am Schalter 7. Also zurück ins Gebäude. Schalter 7 gabs natürlich nicht, es war irgendein anderer. Somit dauerte der Grenzüber­tritt wieder mehr als eine Stunde, obwohl fast kein Verkehr unterwegs war. 
Ich hatte gar keinen Plan für Namibia, so liess ich mich einfach treiben. Das Land hielt so einiges für mich bereit. Einerseits wundervolle Gesteinsformationen wie die Spitzkoppe oder die Bull’s Party in den Erongobergen, einsame Stellplätze, tiefe Schluchten, aber andererseits auch herrliche Dünenlandschaften in der Namib. Die Strassen in Namibia sind meistens Schotterstrassen, welche oft in einem guten Zustand sind und zum schnellen Fahren verleiten. Doch plötzlich steht das Auto in einer hohen Kiesschicht, was sehr verhängnisvoll enden kann. Ich habe ein Fahrzeug gesehen, das so ins Schleudern geraten war und sich überschlagen hatte. Den Insassen ist zum Glück nichts passiert. «Imani» und ich waren immer sehr gemütlich unterwegs und ich genoss die herrliche Landschaft. Besonders fasziniert haben mich die kleinen Wüstenbewohner wie Geckos, Chamäleons oder Schlangen. Hier schloss ich mich einer recht touristischen, aber wundervollen Tour an. Alleine hätte ich diese fantastischen Geschöpfe nie entdeckt. Auch von den riesigen Temperaturunterschieden war ich beeindruckt. In Sesriem, einem Wüstengebiet im Inland, lagen diese bei über 40 Grad, während es an der Küste bei Swakopmund gerade mal 18 Grad waren. 
Schon bald musste ich «Imani» für die Rückreise fit machen. Ich brachte sie in einen Carwash. Bereits in Südafrika hatte ich mein Fahrzeug mit dem Aufkleber «Warning, venomous snakes inside» versehen. Die Idee dahinter war klar der Diebstahlschutz und ich bemerkte immer wieder, wie viel Respekt dieser Aufkleber einflösste. Auch beim Carwash musste ich den Mitarbeitenden zeigen, dass sich keine Giftschlangen in «Imani» befanden, ansonsten hätten sie mir mein Auto nicht gereinigt. «Imani» wurde für rund neun Franken zwei Stunden lang von allem Dreck und Sand befreit und glänzte danach wie neu. Nun steht sie in einer Lagerhalle in Swakopmund und wartet auf die Abreise nach Deutschland und dann nach Basel. Mein Herz blutete, als ich sie abgeben musste, und ich freue mich schon riesig auf unser Wiedersehen. 
Die Heimreise über Dubai klappte trotz etwas Verspätung bestens. Nur vier Tage später wäre ich aufgrund des ausgebrochenen Krieges wohl nicht mehr so einfach nach Hause gekommen, auch hier stand meine Reise unter einem guten Stern. Zu Hause empfingen mich Familie, Freunde und Arbeitskollegen herzlich, was den Abschied von Afrika doch erträglicher gemacht hat. Ich bin so dankbar, dass ich dieses Abenteuer erleben durfte. 
Die Prophezeiung eines Weitgereisten «Claudia, mach’s alleine, es tut was mit dir» hat sich bestätigt. Ich habe zu einer wunderbaren inneren Zufriedenheit und Gelassenheit gefunden und ich hoffe, dass ich ein Stück davon in meinen Schweizer Alltag mitnehmen kann.

Claudia Buschor


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