Zwischen Diesel und Strom

  23.09.2026 Wirtschaft, Wirtschaft, Lyssach

60 Jahre Nutzfahrzeuggeschichte standen sich in der Werkstatt gegenüber: auf der einen Seite ein Mercedes LAK 329 4x4 aus dem Gründungsjahr 1966, auf der anderen Seite der schwarze, vollelektrische eActros von 2026. Der eine steht für die Anfänge, der andere für die heutige Technik und deren zunehmende Komplexität.
Unter dem Motto «60 Jahre unter Diesel und Strom» hatte die Lorenz Nutzfahrzeuge AG am 4. September 2026 Kunden/-innen, Lieferanten und Mitarbeitende zur Power-Night eingeladen. Bei einem Feierabendbier, Grilladen und einem gemütlichen Zusammensein wurde auf das Jubiläum angestossen. «Technologie verändert sich – Haltung bleibt», lautete die Botschaft des Abends.
Begonnen hat die Geschichte im Jahr 1966. Viktor und Hedy Lorenz gründeten an der Storretenstrasse in Lyssach die Einzelfirma H. + V. Lorenz und übernahmen eine Service-Vertretung für Mercedes-Benz-Nutzfahrzeuge. Fünf Jahre später entstand am heutigen Standort an der Kirchbergstrasse eine neue Reparaturwerkstatt. Im Jahr 1984 traten die Söhne Edgar und Bruno Lorenz in den Betrieb ein und führten das Familienunternehmen später weiter.
Nach rund 35 Jahren in der Verantwortung übergaben die Brüder Edgar und Bruno Lorenz die Firma 2019 an die Garage Gautschi AG. Für sie war wichtig, eine regional verankerte Nachfolgerin zu finden. Alle der damals 
24 Mitarbeitenden wurden weiterbeschäftigt und auch der Name Lorenz blieb erhalten.
Marco Borer, mittlerweile seit über 
25 Jahren bei der Gautschi AG tätig, ist seit der Übernahme für die Lorenz Nutzfahrzeuge AG verantwortlich. Seit 2020 steht ihm Kilian Liechti als Betriebsleiter zur Seite. Im selben Jahr erfolgte auch der Einstieg in die Freizeitmobilität. Heute werden neben Lastwagen und Lieferwagen auch Anhänger, Aufbauten, Wohnmobile und Camper betreut.
Inzwischen beschäftigt die Lorenz Nutzfahrzeuge AG 32 Mitarbeitende, darunter 7 Lernende. Für Marco Borer und Kilian Liechti zeigt sich die Stärke des Betriebs vor allem dann, wenn ein Auftrag besonders anspruchsvoll wird. Marco Borer bringt den Ruf der Lorenz Nutzfahrzeuge AG mit einem Satz auf den Punkt: «Wenn niemand mehr weiter weiss, geht man zu Lorenz.»
Neue Antriebe verändern den Werkstatt­alltag. Bereits rund zehn Prozent der Aufträge betreffen Elektrofahrzeuge. Mit Lehrgängen, Weiterbildungen und Anpassungen der Infrastruktur hat sich der Betrieb darauf vorbereitet. Seit Mitte 2025 ist die Lorenz Nutzfahrzeuge AG offizieller Elektrostützpunkt. Ein baldiges Ende des Dieselmotors sehen Marco Borer und Kilian Liechti jedoch nicht. Beide Antriebsarten werden noch längere Zeit nebeneinander bestehen.
Auch automatisiertes und autonomes Fahren rückt näher. Moderne Lastwagen wären nach Einschätzung der beiden Fachleute technisch bereits weitgehend dazu fähig. Noch fehlen jedoch die politischen und gesetzlichen Voraussetzungen. Künstliche Intelligenz kommt bei der Lorenz Nutzfahrzeuge AG derzeit vor allem in betrieblichen Abläufen zum Einsatz.
Für Marco Borer ist klar, dass ein Unternehmen solche Entwicklungen nicht einfach abwarten darf. «Wir wollen agieren und nicht reagieren», sagte er in seiner Jubiläumsansprache. Dazu gehöre, Entscheide zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und Fehler rechtzeitig zu korrigieren. Stillstand sei keine Option.
Trotz Elektronik, Software und neuen Antrieben bleibt für ihn ein Grundsatz unverändert: Im Mittelpunkt stehen die Menschen. Die Mitarbeitenden setzen Entscheide in die Tat um, die Kundinnen und Kunden schenken dem Betrieb seit Generationen ihr Vertrauen. Der historische Lastwagen und der eActros zeigen, wie weit sich die Technik entwickelt hat. Die Technik verändert sich, doch der Anspruch bleibt: die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden zu verstehen und ihnen kompetent, offen und ehrlich zur Seite zu stehen – rund um die Uhr.

Text und Bilder: Erwin Geiger
www.lorenz-ag.ch


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