Die Welt um sich herum einen Moment vergessen
22.07.2015 Burgdorf, Foto, Region, Kultur, GesellschaftDas Spital Emmental in Burgdorf zeigt vier Mal pro Jahr Ausstellungen verschiedener Künstler und bietet so einen Einblick in die Schaffenswelt ebendieser. Initiantin dieser Ausstellungen war Sarah Zeller, Verantwortliche für die Bilderausstellungen im Spital Emmental. Sie hatte die Idee, die leeren Wände im Erdgeschoss zu schmücken und dadurch den Patienten und ihren Gästen Abwechslung zu bieten. Die aktuelle Ausstellung «Bilder in Mischtechnik» zeigt Kunst von Christine Schmid, die ihr Atélier «Art Belvédère» in Bremgarten führt. Ihre Ausstellung mit 27 Bildern folgt auf die Bilderausstellung von Rhaban Maurus Haas.
Inspiration durch Martin Stucki
Malen bedeutet für Christine Schmid Erholung, die Umwelt einen Moment zu vergessen. Zu ihrer Mischtechnik inspiriert wurde Christine Schmid durch eine Ausstellung Martin Stuckis. Seine Mischtechnik faszinierte sie auf den ersten Blick. «Ich hatte Glück, bei Martin Stucki in die ‹Stifti› gehen zu können», so Schmid. Er fördere sie und treibe sie immer wieder aufs Neue an. Sie nimmt auch heute noch regelmässig an seinem Maltreff teil, an dem sich die Teilnehmenden gegenseitig inspirieren. Diese Treffen seien intensiv, man sei aber auch sehr frei und arbeite inbrünstig. Der Erlös dieser Treffen geht vollumfänglich an die Martin-Stucki-Stiftung, eine private Non-Profit-Organisation, die die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen besonders bedürftiger Familien in Kamerun fördert. Die Stiftung saniert zu diesem Zwecke Schulhäuser und Klassenzimmer und bietet den Kindern und Jugendlichen medizinische Hilfe. Auch Christine Schmid liegen bedürftige Kinder sehr am Herzen, dies und die Liebe zur Kunst verbinde sie und Martin Stucki.
Mit offenen Augen durch die Welt
Für ihre Bilder verwendet Christine Schmid Materialien wie Bauplatten, Schiefer, Stoff, Karton, Kohle, Gipsbandage, Sagex, Sand, Kies, Jute und Tapete. Für den Betrachter ist es jeweils sehr spannend, herauszufinden, welche Materialien für ein Bild verwendet wurden. Bei der Eröffnung der Ausstellung ergaben sich zu diesem Thema interessante Diskussionen. Christine Schmid liess die Gäste jeweils gemeinsam diskutieren, bevor sie das Geheimnis lüftete. Geeignete Materialien für ihre Bilder findet Schmid, indem sie mit offenen Augen durch die Welt geht. Manchmal, so die Künstlerin, springe sie ein Gegenstand oder Material regelrecht an. Ihre Bilder sind vielschichtige, harmonische und spannende Kompositionen. Keines ihrer Bilder trägt einen Namen – was ein Bild darstellt, solle ihrer Meinung nach im Auge des Betrachters liegen. Die Farben ihrer Bilder bewegen sich innerhalb der erdigen Töne, neutralen Farben haucht sie durch geschickte Farbverläufe Leben ein. Hie und da einige Farbtupfer lockern die Erdtöne auf, ihr persönliches Lieblingsbild tauchte sie dank Kohle in mystisches Schwarz. Die Bodenplatte in der Mitte schliff sie sich selber zurecht. «Als ich dieses Bild malte, bemerkte ich während einer Pause, dass meine Füsse ganz schwarz waren – so vertieft war ich in meine Arbeit», lacht Schmid. Ihre Kunst ist bis am 11. Oktober 2015 im Erdgeschoss des Regionalspitals Emmental in Burgdorf zu betrachten.
mwb

