Emmentaler Herbstanlass 2015

  31.10.2015 Aktuell, Politik, Wirtschaft, Bildung, Region, Oberburg, Hasle bei Burgdorf, Burgdorf, Gesellschaft, Bildung / Schule

Die Regionalkonferenz Emmental, Burgdorf, hatte zum Herbstanlass 2015 in die Blaser Swisslube AG nach Rüegsbach eingeladen. Nach den Eingangsworten durch Karen Wiedmer, Geschäftsführerin Regionalkonferenz Emmental, Werner Eichenberger, Präsident Netzwerk Wirtschaft Emmental, und Peter Blaser, Verwaltungsratspräsident Blaser Swisslube AG, folgten die zwei Referate, auf welche die Gäste aus aktuellem Anlass gespannt gewartet hatten: «Effizient und gerecht: Die Rolle von Verkehrsprojekten» von Gunter Stephan, Professor der Ökonomie an der Universität Bern, und «Bewertung von Verkehrsprojekten unter anderem am Beispiel der Verkehrssanierung Burgdorf – Oberburg – Hasle» von Frank Bruns, Leiter Verkehrswirtschaft bei Ernst Basler + Partner AG, Zürich.

Für Variante Umfahrung    
«Zu teuer und eine Nummer zu gross», so hatte die «Berner Zeitung» nach der Präsentation der Vorprojekte für die Verkehrssanierungen im Emmental und Oberaargau durch Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer und Kreis­oberingenieur Oberaargau/Emmental im kantonalen Tiefbauamt Roger Schibler (siehe Ausgabe «D’REGION» vom 20. Oktober 2015) ihren Artikel zu ebendiesem Thema überschrieben  – absolut nicht zur Freude von Werner Eichenberger, «Netzwerk Wirtschaft Emmental»-Präsident, und Roland Loosli, Präsident Handels- und Industrieverein Burgdorf-Emmental. Loosli informierte am Herbstanlass 2015 nochmals über die öffentliche Mitwirkung bis am 13. November 2015 zur Verkehrssanierung Burgdorf – Oberburg – Hasle, appellierte eindringlich für eine Teilnahme und machte klar, dass für den Handels- und Industrieverein Burgdorf-Emmental nur die Variante Umfahrung infrage komme.


Mobilität wächst
Gunter Stephan hat an den Universitäten Heidelberg und Stanford Mathematik, Physik und Wirtschaftswissenschaften studiert und ist seit 1988 Ordinarius für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bern. «Seit 1970 ist die durchschnittliche PKW-Fahrleistung in der Schweiz um 50 Prozent gestiegen, hat sich die Zahl der Pendler mehr als verdoppelt und haben sich die Nutzungsprofile verändert», so seine Eingangsworte. Unter «veränderten Nutzungsprofilen» zeigte er auf, dass betreffend Mobilität Freizeit und Sport heute deutlich vor Arbeit, Einkauf, geschäftlichen Tätigkeiten und Dienstfahrten stehen. «Die Mobilität ist relativ billig», erklärte er. Zwischen 1850 und 1920 hätten sich die individuellen Mobilitätskosten pro Kilometer um den Faktor zehn verringert. Auch heute (2000 – 2010) sinken die individuellen Mobilitätsausgaben relativ zum Haushaltseinkommen. Als Gründe bezeichnete Gunter Stephan unter anderem fehlende Kostenwahrheit sowie offene und versteckte, direkte und indirekte Subventionen.

Volkswirtschaftliche Ineffizienz
«Der Preis der Mobilität ist wegen Subventionen und nicht internalisierter externer Kosten zu tief», hielt Stephan fest. Das Verursacherprinzip sei verletzt, dadurch herrsche keine Kostenwahrheit. Es gelte, Kostenwahrheit für die Nutzung zu schaffen. Jedem Mobilitätsnutzer müssten zeit- und ortsabhängig seine Infrastruktur-, Umwelt-, Unfall- und Staukosten angelastet werden, eingesparte Subventionen und externe Kosten von 17 Milliarden Franken an die Bevölkerung über einen Mobilitätsbonus oder eine Mehrwertsteuersenkung (20,5 Milliarden Franken im 2010) rückverteilt und als Zukunftsinvestitionen genutzt werden. «Wer Ja zur Verkehrsinfrastruktur sagt, sollte Ja zur Kostenwahrheit sagen», schloss er.

Messen, vergleichen, bewerten, bilanzieren
Der zweite Referent des Abends, Frank Bruns, äusserte sich zur Bewertung von Verkehrsprojekten. «Verkehrswege beziehungsweise Verkehrsverbindungen wirken in zwei Richtungen: Exporte von lokalem Gewerbe gegen Importe von auswärtigem Gewerbe, Entleerung gegen Ansiedelung. Die Wirkung hängt von der Attraktivität und der Wettbewerbsfähigkeit einer Region ab», hielt er fest. Die gesamtwirtschaftliche Bewertung von Verkehrsprojekten basiere deshalb auf den Wirkungen auf die Verkehrsteilnehmer. «Regionale Verteilungs­effekte werden nicht oder nur qualitativ betrachtet.» Als Ziel- und Indikatorensystem bei der Verkehrssanierung Burgdorf – Oberburg – Hasle sind die Umwelt, die Gesellschaft und die Wirtschaft zu gleichen Teilen berücksichtigt worden. Die Nutzwertanalyse, die Kosten-Wirksamkeits-Analyse und die Kosten-Nutzen-Analyse wurden parallel angewendet und interpretiert.

Barbara Schwarzwald


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