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Vom Wunsch, einen zweiten Frühling zu erleben

| Mo, 06. Mär. 2017

FRAUBRUNNEN: Das Schlosskeller-Theater Fraubrunnen lud zu einer vergnüglichen Premiere seiner neuesten Produktion ein – zur berndeutschen Bearbeitung von Lutz Hübners «Blütenträume». afu

Nach und nach treffen vier Damen und drei Herren in einem Kursraum der Volkshochschule ein – zum «Flirtkurs 50+». Alle Teilnehmer/innen haben Beziehungen hinter sich, sind momentan alleinstehend und sie haben sich entschieden, sich gegen die drohende oder bereits bestehende Vereinsamung zu wehren. Ex-Schauspieler und Kursleiter Jan versucht, mit Übungen und Spielen seinen Kursteilnehmer/innen beizubringen, wie man sich selber am besten präsentiert und wie man Kontakt mit anderen aufnimmt – und scheitert gnadenlos. Da die Senioren – pardon: die etwas reiferen Damen und Herren – dennoch nicht einfach aufgeben wollen, ersinnen sie ihren eigenen Plan…

Ein Stück voller Situationskomik und Sprachwitz
Mit den «Blütenträumen» von Lutz Hübner hat das Schlosskeller-Theater wiederum ein ganz starkes Stück ausgewählt – ein Stück, das die heute bis ins höhere Alter bleibende Vitalität und damit einhergehende Lebenslust, die Individualisierung der Gesellschaft und die damit einhergehende Vereinzelung und Vereinsamung, den Zwang zum erfolgreich und souverän Sein und das damit verbundene Gefühl des Versagens und Nicht-mehr-gebraucht-Werdens beim Fehlen des erwünschten Erfolgs zum Thema macht. Ein starkes Stück, das nicht nur in der Original­fassung, sondern auch in der berndeutschen Bearbeitung durch Situationskomik und Sprachwitz zum Lachen anregt – auch wenn einem das Lachen ab und an im Hals stecken bleibt.

Beeindruckende Rollenporträts
Damit dieses Theater so stark wirkt, wie es im Stück angelegt ist, braucht es jedoch auch eine Regie mit Flair für die Zwischentöne und Nuancen – und Spieler/innen, die die Figuren ausfüllen können. Die acht Spieler/innen des «Schlosskeller-Theater Fraubrunnen» haben diese nicht ganz einfache Aufgabe unter der Doppelregie von Lilian Naef und Sylvia Kohli-Gerber gut gemeistert – allen voran Lukas Linsi, der den homosexuellen, in jeder Hinsicht scheiternden Seminarleiter Jan auf feinfühlige, bis ins Detail überzeugende und beeindruckende Art spielt, und Gabriela Eymann, die als beruflich ebenso erfolgreiche wie beziehungstechnisch vom Pech verfolgte Karriere­frau das Publikum in Bann zieht. Danielle Themis als Witwe Frieda, die vor dem Tod ihres Mannes nie wirklich gelernt hat, selber Entscheidungen zu treffen, und Eveline Schlapbach als Witwe Gisela, die stets um Ausgleich und Frieden bemüht ist, überzeugen ebenso wie Sylvia Ernst als herrlich unnahbare, stets zweifelnde ehemalige Bibliothekarin Brigitte.
Auch Beda Affolter als Automechaniker Heinz, Stephan Hottenberg als Schreiner Ueli und Ruedi Rohrbach als Schuldirektor Fritz tragen das Ihre zum gelungenen Theaterabend, der Witz und Tiefgang auf unterhaltsame und vergnügliche Weise verbindet, bei.

Andrea Flückiger

Weitere Vorführungen bis 1. April 2017. Informationen unter www.schlosskellerfraubrunnen.ch.

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