Erfolgreiche Wiedereröffnung im Neumarkt Burgdorf

  27.11.2017 Burgdorf, Region, Gesellschaft

Nach zwei Jahren ist es endlich so weit: Der Neumarkt in Burgdorf erscheint in vollends neuem Glanz. Die veraltete Gebäudetechnik des mittlerweile 30-jährigen Einkaufszentrums machte eine Sanierung notwendig. Nach einer langen Bauphase mit viel Lärm und Staub konnten nun die letzten Renovierungsarbeiten abgeschlossen werden. Vergangenen Samstag fand die offizielle Wiedereröffnung statt.

Anspruchsvolle Koordination
Die Verantwortlichen des Sanierungsprojektes geben sich mit dem Resultat sehr zufrieden. «Es handelte sich bei der Neumarkt-Sanierung um ein äusserst vielschichtiges und ebenso komplexes Projekt», erklärt Architekt Michael Bösiger von Giraudi und Partner Architekten AG. «Am Ende sind wir aber mit der Umsetzung sowie dem Ergebnis der Bauarbeiten sehr zufrieden».
Nebst einer Gebäudeerweiterung in den drei Untergeschossen – dazu gehört die Verkaufsfläche der Migros sowie zwei Einstellhallen – um je 500 m2,
einer Totalerneuerung des ersten Untergeschosses, des Erdgeschosses sowie des Obergeschosses, wurde auch die Gebäudetechnik einer kompletten Sanierung unterzogen. «Dabei haben wir nicht nur die Lüftungen, die Heizung oder die Warmwasseraufbereitung auf den neusten Stand gebracht, sondern auch Projekte hinsichtlich des Personenschutzes realisiert», so Bösiger. «Vom Brandschutz her entspricht der Neumarkt nun den Anforderungen eines Neubaus.»
Von einem neuen Eingang im Obergeschoss profitieren vor allem Kundinnen und Kunden, welche vom Gsteig her kommen. Gekostet hat das Projekt in etwa 40 Millionen Franken.
«Natürlich mussten wir uns während der Sanierungsarbeiten auch einigen Schwierigkeiten stellen», so der Architekt. «Einerseits war der Baugrund deutlich schlechter als zuerst angenommen, andererseits kämpften wir während der Sanierungsarbeiten mit sehr eingeschränkten Platzverhältnissen.» Da sich die Verantwortlichen dazu entschlossen haben, während der gesamten Umbauphase die Geschäfte nicht zu schliessen, mussten die Sanierungsarbeiten mit den Fachgeschäften koordiniert werden.
«Jeder Architekt und Bauherr wünscht sich natürlich, ein solches Projekt in einem vollends leer stehenden Gebäude realisieren zu können. Für unsere Mieterinnen und Mieter wäre eine komplette Schliessung des Zentrums unzumutbar gewesen», weiss Tristan Fasnacht, Leiter Bewirtschaftung von Privera. «So war es an uns, einen Kompromiss zu finden, der sowohl für die Architekten wie auch für die Mieter / innen stimmt.» Diesen fanden die Verantwortlichen in einer etappenweise geführten Renovierung. «Waren Fachgeschäfte von den Bauarbeiten direkt betroffen, wurden diese zwischenzeitlich in Provisorien auf dem Vorplatz des Neumarktes umplatziert», erklärt Fasnacht. «Indem wir bereits früh mit den Verantwortlichen der betroffenen Geschäfte das Gespräch gesucht haben und uns die Mitarbeitenden extrem entgegengekommen sind, hat dieses Konzept sehr gut funktioniert.» Der Coiffure «Claus & Clara» gehört zu einem dieser betroffenen Geschäfte. Knapp vier Monate arbeiteten die Mitarbeitenden des Haarsalons in einem Container auf dem Vorplatz. «Für uns war der Container eigentlich keine schlechte Lösung», berichtet Sarah Fallegger, Geschäftsführerin von «Claus & Clara». «In dieser Übergangszeit hatten wir nicht weniger Kundschaft. Nun sind wir aber froh, dass der Umbau abgeschlossen ist. Das Endergebnis gefällt uns sehr gut. Das Center ist schön geworden.»
Auch in der Pedro Drogerie Bräm machten sich die langen Bauarbeiten bemerkbar. «Der ständige Lärm und Staub war teilweise nur schwer zu ertragen und erschwerte unsere Arbeit über längere Zeit. Im Moment sind wir einfach nur froh, konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Positiv ist aber sicher, dass wir mit dem neuen Standort – direkt neben dem Haupteingang – nun viel zentraler sind und auch Tageslicht haben. Ohne Umbau hätte dieser Wechsel nicht stattgefunden», ist sich eine Mitarbeiterin der Drogerie sicher.
Die Verantwortlichen sind sich der durch die Sanierungsarbeiten entstandenen Belastung für die Mitarbeitenden der Fachgeschäfte bewusst. «Wir wissen, dass die letzten zwei Jahre für die Fachgeschäfte teilweise schwierig und sicher auch belastend gewesen sind», weiss Fasnacht. «Am Ende konnten wir das Projekt aber nur verwirklichen, weil alle Geschäfte ‹am glyche Charre gschrisse hei›. Die Mitarbeitenden waren ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Ohne ihre Mitarbeit und Unterstützung hätten wir den Umbau nicht durchführen können. Dafür danken wir allen von Herzen.» Auch von vielen Kunden / -innen wurde das Auftreten der Mitarbeitenden der Fachgeschäfte als sehr «positiv und vorbildlich» bezeichnet. «Ich wurde stets sehr freundlich und zuvorkommend bedient, obwohl die Arbeit während der Umbauzeit nicht immer angenehm gewesen ist. Das ist für mich nicht selbstverständlich», erklärt ein junger Mann.

Junges, modernes Ambiente
«Kundinnen und Kunden ist es immer wichtiger, dass der Einkauf zum Erlebnis wird», erklärt Fasnacht. «Aus diesem Grund realisierten wir ein modern­es, innovatives Zentrum, das allen heutigen Anforderungen entspricht. Die Kundinnen haben nicht nur mehr Verkaufsfläche zur Verfügung, sondern profitieren auch von einem attraktiven Mietermix.» Nebst den bisherigen Geschäften laden neu auch die Unternehmen Imperial Schmuck, M-Electronics, McOptik und New York Nails zum Besuch in den Neumarkt ein. «Mit verschiedenen Gadgets und neuen Konzepten möchten wir auch vermehrt jüngere Menschen abholen», sagt Fasnacht. «So verfügt beispielsweise die Migros im Eingangsbereich neu über ein Daily-Konzept. Kunden / -innen können sich an einer Insel selbstständig und vor allem zeitsparend mit gesunden Suppen, Salaten und Backwaren versorgen. Weiter verfügt das gesamte Warenhaus über WLAN, digitale Anzeigetafeln und Aufladestationen für Elektro-Autos oder -Velos.»
Die ersten Rückmeldungen der Kundschaft zeugen vom Erfolg des Konzepts der Projekt-Verantwortlichen. Besonders begeistert zeigen sich die Kunden / -innen vom Migros-Restaurant im Obergeschoss. Das neue Design wirkt frisch und hell. Nebst einer Lounge gibt es auch eine Kinderspielecke und Ladestationen an den Tischen.
Ein älteres Ehepaar meint: «Uns gefällt das neue Ambiente im Center sehr gut. Die Sanierung wurde erfolgreich umgesetzt. Der Neumarkt wirkt hell und modern. Die Kunden / -innen haben deutlich mehr Platz für ihre Einkäufe. Das einzige, was uns ein wenig stört, ist der Umstand, dass in der Migros im Untergeschoss keine Einkaufswagen mehr zur Verfügung stehen. Kommt man vom Erdgeschoss her, muss man zuerst mit dem Einkaufswagen in den Lift, um in den Verkaufsbereich zu gelangen». Mit diesem Kritikpunkt steht das Ehepaar nicht alleine da. Auch jüngere Personen stören sich an diesem Punkt. So erklärt eine 32-jährige Frau: «Manchmal muss der Einkauf einfach schnell gehen. In solchen Situationen warte ich ungern auf den Lift. Ich hoffe, die Migros überlegt sich dieses System noch einmal.» Es bleibt offen, ob sich dieser Wunsch noch erfüllen wird.
Mit oder ohne Einkaufswagen im Untergeschoss, klar ist, dass die Verantwortlichen mit dem sanierten Neumarkt eine stärker wahrnehmbare Begegnungszone in Burgdorf geschaffen haben. «Der Neumarkt nimmt einen besonderen Stellenwert in der Stadt Burgdorf ein», so Bösiger. «Wir sind überzeugt, dass die Renovierung eine Initialzündung für viele weitere spannende Projekte darstellt.»

Kathrin Röthlisberger


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