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85 Jahre Gymnasia und kein bisschen müde

| Do, 19. Dez. 2019

BURGDORF: Die «etwas andere» Mittelschulverbindung, die auch Frauen aufnimmt, feierte Geburtstag. zvg

Mittelschulverbindungen mögen in der heutigen Zeit mit ihren zwei- oder dreifarbigen Fahnen, Bändern und Hüten (sogenannten Couleur) anachronistisch wirken. Und doch sieht und hört man – in Burgdorf insbesondere an der Solennität – immer noch Exponenten (und einige wenige Exponentinnen) dieser vermeintlichen Burschenschaften. Vermeintlich deshalb, da die Gymnasia, von der hier die Rede ist, keine Burschenschaft oder Verbindung im herkömmlichen Sinne ist.
1934 von abstinenten Burgdorfer Gymnasiasten und angehenden Pfarrern als Gegenbewegung zur vorherrschenden Bertholdia gegründet, waren bereits die Anfänge der Gymnasia alles andere als konventionell. Grün, gelb und schwarz wurden als Verbindungsfarben auserkoren, während der Farbenkantus (das eigens komponierte Lied) den Zeitgeist der (Vor-)Kriegsjahre zum Ausdruck brachte, aber vor allem auch Hoffnung und Mut verbreitete.
Während einiger Jahre florierte die Gymnasia, doch bald schon kämpfte sie mit Nachwuchsproblemen. In einer Reorganisation wurde das Prinzip der Abstinenz aufgegeben und die Gymnasia auch für weltlichere Freuden als Altgriechisch, Latein und ein angehendes Theologiestudium geöffnet. Was sich jedoch nicht ändern sollte, waren die Ablehnung von Hierarchien, Trinkregeln und allzu konventionellen Ideen.
Dieses geistige Rüstwerk der Gymnasia, das als Freigeisttum bezeichnet werden könnte, führte Anfang der 90er-Jahre dazu, dass sich die Gymnasia als einzige Verbindung weit und breit dazu entschloss, auch Frauen als vollwertige Mitglieder aufzunehmen. So sind die Anlässe der Gymnasia mittlerweile bunt gemischt und das Gedankengut nach wie vor von Gleichberechtigung, Toleranz und Hierarchiefeindlichkeit geprägt.
Die Gymnasia ist seit vielen Jahren über ihre aktiven und initiativen Mitglieder in der Burgdorfer Kulturszene gut vernetzt. So war es naheliegend, das 85-Jahr-Jubiläum mit einem Konzert in der neu geschaffenen Kulturhalle Sägegasse zu feiern. Rund 70 Personen liessen sich von den mitreissenden Liedern der drei Bands begeis­tern und feierten ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden hinein.
Heute zählt die Gymnasia rund 130 Mitglieder aller Altersstufen und verfügt über eine kleine Aktivitas von vier Personen, die aktuell das Gymnasium in Burgdorf besuchen.
zvg

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